Sei frech, und wild, und wunderbar !

Vor ein paar Tagen hatte ich mal wieder einen – Coronakonformen – Zoom Call mit einer guten alten Arbeitskollegin aus Bankenzeiten. Sie ist eine der Frauen, die einfach alles hat, was es heute braucht, um ganz nach oben zu kommen. Die Türen stehen ihr offen. Ihre Vorgesetzten pushen sie, wo sie können, geben ihr die notwendige Visibilität, Führungsverantwortung, exzellente Jahresendbewertungen. Der rote Teppich liegt vor ihr. Sie muss nur drauftreten.

Aber – sie will nicht. Sie traut es sich nicht zu, noch mehr Verantwortung zu übernehmen, als sie schon hat. Obwohl sie alles richtig macht. Sie hat Hemmungen vor wichtigen Leuten – auch online – ein Meeting zu führen oder eine Präsentation zu halten. Sich zu «exponieren». Sich einfach mal das zuzutrauen, was andere ihr zutrauen – auch wenn sie es noch nie gemacht hat.

Jetzt kann man sagen: OK, das ist doch ein Einzelfall. Sorry, nein, ist es leider nicht. Noch immer gibt es so viele Frauen, die könnten, aber nicht wollen oder wollen würden, es aber sich nicht zutrauen, den nächsten Schritt auf der Karriereleiter zu machen. Aus Angst zu versagen, sich zu exponieren, nicht mehr gemocht oder womöglich beneidet zu werden. Nur weil heute die Firmen Quoten eingeführt haben und händeringend nach Frauen suchen, die die Karriereleiter hochsteigen möchten, heisst das nicht, dass sich das Mindset der Frauen über Nacht geändert hat. Für die, die über das notwendige Selbstbewusstsein verfügen, ist es ein Segen, dass ihnen endlich dieselben Türen offenstehen wie den Männern. Aber Frauen, die heute ins Senior Management von Grossunternehmen aufsteigen könnten oder sollten, kamen nun mal vor 1-2 Generationen auf die Welt und wurden von einer – heute altmodisch anmutenden – Welt geprägt, in der die meisten Mädchen doch bitte nett, adrett und bescheiden zu sein hatten. Das biegt man nicht einfach mal so um. Mit ein paar Trainings ist es nicht getan. Da geht frau hin, wird einen Tag oder auch mehrere berieselt mit Techniken, die frau anwenden könnte – und dann geht sie an ihren Arbeitsplatz zurück und das Leben geht genauso weiter wie vorher. Und die, die zu sehr gepusht werden, sind eines Tages verheizt.

Fehlendes Selbstbewusstsein und Glaube an die eigenen Fähigkeiten biegt man nicht einfach mal so um von einen Tag auf den anderen hin. Selbstbewusstsein ist ein komplexes Gebilde. Es ist ein langer und individuell sehr unterschiedlicher Weg, bis frau sich mehr zutraut. Und am Anfang davon steht die Intention: «JA ICH WILL! Und ich bin bereit, an mir zu arbeiten»

Ein grosser Schritt in den Firmen ist getan: die Türen stehen auf. Ebenso gibt es firmeninterne Mentoring- und Förderprogramme, die langsam beginnen zu wirken. Aber um Frauen wie meine alte Kollegin, die wirklich riesiges Potential haben, denen aber der Glaube an sich selbst fehlt, zum Durchschreiten der Tür zu bewegen, braucht es noch viel mehr individuelle und zielgerichtete Unterstützung, Geduld – auch vom Umfeld – sowie die Vermittlung schon von Kindesbeinen an, dass Mädchen bitte nicht nur nett, adrett und von allen geliebt werden sollen.

Wie sagte Astrid Lindgren so schön: sei frech, und wild, und wunderbar!

Mein Leitspruch 😊

Die innere Uhr

Was hab ich früher die Nächte durchgefeiert. Erst spät abends zogen wir los und tanzten die Nacht durch, bis man uns aus dem Club – damals hiess das noch Disco – morgens rausschmiss, um dann bei irgendjemandem zu Hause weiterzumachen. Den Tag drauf verschlief ich oder funktionierte schlecht auf Basis von Koffein und Alka Selzer. Schon kurz nach meiner Schulzeit verschwand aber das Bedürfnis nach durchgezechten Nächten in gleichem Mass wie mein Bedürfnis nach Schlaf wuchs. Ich mutierte von der Partynudel zum Partyflüchtling. Eine Stimme in meinem Ohr fing spätestens um 11Uhr abends zu flüstern: «Matratzenhorchdienst – auf nach Hause» Der Drang wurde jeweils so stark, dass ich eigentlich immer die erste war – und auch heute noch bin – die eine Gesellschaft verliess. Manchmal wurde ich «Schlafmütze» genannt. IMMER hatte ich ein schlechtes Gewissen. Es war selten so, dass mir die Party nicht gefallen hätte – ich war halt einfach müde.

Seit einiger Zeit befasse ich mich mit Hirnforschung, speziell Schlaf, und frage mich: Warum musste ich so alt werden, um endlich mit meinem schlechten Gewissen ins Reine zu kommen?

Die Antwort auf die Frage: warum werde ich abends immer so früh müde? tönt ziemlich kompliziert: Circadianer Rhythmus. Unter dem Namen «Innere Uhr» kennt sie jeder. Aber wussten sie auch, dass die bei den meisten Menschen eiert, mal plump gesagt? Anstatt brav im 24-Stunden Rhythmus zu ticken, wie sich das gehört, geht sie bei den meisten Menschen etwas nach. Das heisst, nach 24 Stunden ist der Tag noch nicht rum.

Der durchschnittliche Tag beträgt nämlich 24h 11’. Also mehr Menschen sind Nachteulen, wie meine früheren Freundinnen. Oft haben sie Mühe, den Weg ins Bett zu finden. Im Gegensatz dazu sind weniger als die Hälfte Lerchen – so wie ich. Meine Gattung wacht automatisch früh auf, aber der Tag scheint dafür manchmal endlos. Dazu kommt noch, dass diese innere Uhr in den verschiedenen Lebensphasen unterschiedlich tickt. Eine Metamorphose von Nachteule zu Lerche ist durchaus möglich.

Gegen diesen individuellen Schlafrhythmus anzugehen, ist kontraproduktiv und auf Dauer gesundheitsschädlich. Es ist nachgewiesen, dass die Schlafphasen, die man durch erzwungenes Wachsein oder verfrühtes Aufstehen verliert, nicht nach- oder vorgeholt werden können. Damit wird auf Dauer das Hirn in seiner Leistungsfähigkeit stark beeinträchtigt.

Besser ist es, sich dem zu fügen, und zu versuchen, seinen eigenen Tag danach einzurichten – und seinen Teenagern, KollegInnen und Mitarbeitern so tolerant wie möglich gegenüber zu sein, wenn sie einfach von Hause aus einen anderen Tagesrhythmus haben. Die, die sich ihrem natürlichen Schlafbedürfnis beugen, sind langfristig gesünder, leistungs- und widerstandsfähiger.

Steh für dich ein!

Kommentar meines Vorgesetzten, als ich nach 12 Stunden Arbeit mal schon um 1930 das Büro verliess, während meine Kollegen alle noch fleissig waren: «Du gehst schon? Hast du einen halben Tag freigenommen?»

Diese halbspassig, aber auch halb-ernst gemeinte Frage aus meiner lang zurückliegenden Zeit in der Unternehmensberatung hat mich nie losgelassen. Wir waren ein Team von Beratern, wöchentlich aus verschiedenen Ländern eingeflogen für ein Projekt, das ein gutes Jahr dauerte in einem grossen Unternehmen. Wir wohnten im Hotel und arbeiteten viel. Die Arbeitstage waren lang und auch am Wochenende waren wir alle oft am Schreibtisch. An dem einen Abend wollte ich mich mit einem alten Studienkollegen treffen, der auch gerade in der Stadt war.

Als engagierte Mitarbeiterin mit beruflichen Ambitionen fuhr mir diese Frage bis ins Mark. Meine Gedanken drehten sich: Er hat Recht. Das geht doch nicht, dass ich jetzt einfach gehe! Es ist ungerecht und egoistisch gegenüber meinen Kollegen. Wo bleibt da die Solidarität? Aber in mir rebellierte es. Warum nicht, verdammt noch mal? Ich hab meinen Tag so eingeteilt, dass ich jetzt SCHON gehen kann. Habe alle meine Arbeit erledigt, den nächsten Tag vorbereitet und überhaupt: ich will auch mal leben!

Nach einem Moment Pause, in dem mir all das durch den Kopf schoss, antwortete ich, ebenfalls halb spassig, und halb-ernst: «wenn du mich einmal erwischt, dass ich meine Arbeit nicht erledigt habe, dann darfst du gern kommen und mir ein Leben verbieten: das ist heute nicht der Fall. Bis es soweit ist, lebe ich»

Ich hatte einen fantastischen Abend.

Und noch viele weitere – danach trauten sich sogar meine Kollegen, mal den Arbeitsabend «frei» zu nehmen.

Schreiben beflügelt

Wann haben sie das letzte Mal etwas anderes als die Einkaufliste, eine kurze Notiz für ihr Kind, das aktuelle Datum oder ihre Unterschrift mit einem Stift auf ein Blatt Papier geschrieben? Ich meine so richtige Sätze. Absätze. Gedanken in eine Abfolge niedergeschrieben.
Bevor ich mich angefangen habe, mit der Nutzung von Hirnforschung für beruflichen Erfolg auseinander zu setzen, war es sicher schon Jahrzehnte her, dass ich mehr als zwei Sätze zu Papier gebracht habe, ohne dabei den Umweg über eine Tastatur zu gehen. Hat auch damit zu tun, dass ich meine eigene Handschrift schon am nächsten Tag nicht mehr entziffern kann. Etwas mit der Hand schreiben war mir immer peinlich deswegen.
Ich schreibe das allermeiste wie Sie sicher auch mit dem Computer. Während meiner Ausbildung zum professionellen Coach wurden wir immer wieder angehalten, unsere Kunden ihre Coaching-Ziele per Hand aufschreiben zu lassen. Ein vollständiger Satz. Und nicht nur bei meinen Kunden, ebenso bei mir begann ich festzustellen, dass da oben in Kopf etwas ins Rollen kommt, wenn ich versuche, einen klar formulierten Satz in korrekter Grammatik auf ein Blatt Papier zu schreiben.
Hirnforschung bestätigt vieles, das ich bisher nur erahnt habe – und was mich veranlasst hat, einen Selbstversuch zu starten. Nämlich abends, bevor ich das Licht ausmache, einen schriftlichen Rückblick auf meinen Tag zu machen, morgens nach dem Aufwachen meine Gedanken aufzuschreiben, sowie für jeden Tag eine Absichtserklärung zu verfassen. Mit Stift. Auf Papier. Dauert nie mehr als 5-10 Minuten.
Aus der Neurowissenschaft der letzten Jahre kann nun vieles belegt werden:

  • Schreiben mit der Hand ist wie Meditieren. Es bringt uns «runter», bremst die Hektik, mit der wir konfrontiert sind, aus und zwingt uns, langsam – und sorgfältiger zu denken
  • Beim Schreiben mit der Hand werden viel mehr Hirnregionen genutzt als beim reinen «Denken» oder Tippen. Unser Arbeitsgedächtnis kommt in Schwung. Die Regionen zuständig für Sprache, Logik werden angeregt
  • Niedergeschriebenes wird viel besser im Langzeitgedächtnis abgespeichert, da es durch viel mehr Hirnregionen gereist ist. Selbst-generiertes bleibt kleben! Der schöne Nebeneffekt: Niedergeschriebenes kann man als Erinnerungsstütze an die Wand hängen
  • Menschen, die ihre Ziele handschriftlich festhalten, haben eine bis zu 40% höhere Wahrscheinlichkeit, diese auch zu erreichen
  • Schreiben stimmt uns positiv. Sorgen, die durch die Hand aufs Papier geflossen sind, sind «weg»
  • Schreiben ist wie Hirnjogging. Es ist nicht nur anstrengend für die Hand (ich bekomme regelmässig einen Krampf), sondern auch sehr anstrengend für unser Gehirn – welches dafür aber auch agiler wird
  • Menschen, die regelmässig ein Tagebuch schreiben, und darin aufschreiben, für was sie dankbar sind oder was sie selbst gut gemacht haben, sind nachweislich gelassener und glücklicher

    Mein Selbstversuch begann mit 2 Wochen und ist zur Routine geworden. Ich bemerke bei mir, dass ich im Laufe des Tages auf meine Absichtserklärung vom Morgen zurückgreife und so viel fokussierter an dem arbeite, was ich mir vorgenommen habe. Was ich auch merke ist, dass ich aufmerksamer durch die Gegend laufe, denn ich möchte abends in der Lage sein aufzuschreiben, was an dem Tag schön war und was mir Freude bereitet hat.

Absichtserklärungen – wie sie ihre Ziele erreichen und dabei noch lästige Aufgaben erledigen

Schon wieder Freitag… und das Angebot ist noch nicht geschrieben, das Auto nicht gewaschen und auch sonst ist vieles liegengeblieben… Wie sie ihre Ziele erreichen können, in dem sie sich selbst darauf programmieren, erfahren sie in meinem neuesten Beitrag – wissenschaftlich belegt. Auf dass es nächste Woche klappt mit dem, was sie sich vornehmen.

http://www.goalband.co.uk/the-research.html

Minimalismus macht frei

Ungefähr so sieht es am Rande meines Schreibtischs aus. Es macht mich fertig. Jeden Tag, wenn ich das Chaos sehe, frage ich mich, ob ich das alles brauche. Die Antwort ist leider immer wieder: ja!

Aber ich hatte schon immer ein Problem mit zu viel «Zeug» um mich rum. Ich liebe meine Freiheit. Am liebsten hätte ich nur ein Tiny House mit meinem Mann. Gemietet wohl gemerkt. Ja gut, und die beiden Pferde. Naja, das Auto und den Anhänger für die Pferde auch. Ach, und die Velos, die brauchen wir ebenfalls. Aber mehr nicht. Echt nicht. Glaub ich…

Material. Zeug. Eigentum. Krimskrams. Wir ersaufen förmlich in «stuff». Aber wo anfangen, sein Leben zu entrümpeln?

Mein Leben führte mich vor vielen Jahren nach England. Vorher hatte ich alles, was eine junge Frau im ersten Job sich so angeschafft hatte: eine Mietwohnung voll eingerichtet, ein Auto, ein Pferd. Das Auswandern nach England entpuppte sich als Befreiung von allen Zwängen. Ich verschenkte alles bis auf mein Auto und meine Kleider, als ich auf die Insel ging. Suchte mir wieder ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft. In den ersten Wochen blühte ich förmlich auf. Ich war auf einmal frei. Frei von Ballast. Frei von Eigentum. Frei von Zwängen. Frei von Erwartungen anderer Menschen – abgesehen vom Arbeitgeber.

Die nächsten Jahre war ich frei – und sehr glücklich. Ich machte es mir zur goldenen Regel: ich kaufe mir nur so viel, wie in mein Auto reinpasst. Wenn ich mir etwas Neues kaufe, muss etwas anderes den Weg allen Irdischen gehen. Es wurde zu einer Lebensregel: je weniger ich besitze, desto freier bin ich. Kein materieller Ballast mehr, der mich daran hindert, einfach alles einpacken zu können und weiterzuziehen. Und das Wissen, ich kann, wenn ich will, jederzeit alles verschenken und gehen.

Über die Jahre, gebe ich zu, verwässerte ich diese Regel wieder. Vor allem bei den Pferden bin ich in den letzten Jahren kläglich gescheitert. Aber zum Glück ist mein Mann noch radikaler als ich was Entsorgung angeht. Wenn ich etwas zu Hause suche und nicht finde, hat das oft «Hoppla!» den Weg in den Abfallkübel gefunden. Zum Glück passen Pferde nicht in Abfallkübel.

Bei uns gilt die Regel: «kommt was rein, fliegt was raus» Es ist durchaus ok, neue Unterhosen gegen alte Socken zu tauschen, aber die Masse muss ungefähr gleich sein. Mein Mann scherzt manchmal: «eines Tages werde ich sicher auch mal ausgetauscht!» Bisher hatte er Glück: ich hab noch nichts massemässig gleichartiges gefunden…

So ist es uns gelungen, materiell weiterhin leicht unterwegs zu sein und zu wissen: wir sind frei. Wenn wir wollen, packen wir das bisschen was wir haben zusammen und gehen. Irgendwohin.

Und nun unterstützt uns auch noch die Hirnforschung, die sagt, der Mensch kann nur klar denken, wenn er kein Durcheinander im Kopf hat. Keinen Ballast, um den er sich kümmern muss, nichts, dass ihn ablenkt, nichts dass ihn «ballastet». Vielleicht sind wir deshalb so glücklich.

Angeblich gehört dazu auch ein ordentlicher Schreibtisch. Irgendwas mache ich also sicherlich immer noch falsch!

Wie sie Ziele so setzen, dass sie sie auch erreichen

Überall wird uns gesagt, dass wir uns Ziele setzen sollen im Leben. Aber selbst wenn wir das tun, gehen so viele unserer Wünsche doch nicht in Erfüllung.
Ziele setzen ist eben gar nicht so einfach. Aber mit ein wenig Übung im Zielesetzen können sie ihr Gehirn so programmieren, dass ihre Ziele erreichbar werden.

Die wichtigste Regel ist: Was sie sich vorstellen können, das werden sie auch erreichen. Leistungssportler wissen das und haben Visualisierungstraining fest in ihrem Trainingskalender. Michael Phelps zum Besipiel trainierte mehrere Stunden täglich sein Hirn. Das funktioniert genauso auch für nicht-sportbezogene Ziele.
Unter «Vorstellen» ist genau das gemeint: stellen sie sich vor, wie es sich anfühlt, ihr Ziel erreicht zu haben. Mit allen Sinnen. Das schöne Gefühl, wenn sie gelassen, mit einem Lächeln im Meetingraum sitzen und entspannt ihrem Kollegen, der sie normalerweise zur Weissglut treibt, dabei zuschauen, wie er sich einmal mehr selbst schadet.

Durch das Setzen von positiv formulierten Zielen in der Gegenwart oder sogar der Vergangenheit – also sozugagen wenn sie ihr Ziel bereits erreicht haben – programmieren sie ihr Hirn auf Erfolg – es wird dadurch so konditioniert, dass es automatisch nach Lösungen sucht, in den Zielzustand zu kommen. Je mehr sie das in kleinen Dingen üben, desto besser wird es ihnen auch mit Lebenszielen gelingen. Wenn sie sich zum Beispiel bildlich vorstellen, wie erfrischt sie sich nach dem Spaziergang über Mittag fühlen werden, wie sie die Natur dabei geniessen, die frische Luft einatmen, die Vögel zwitschern hören, dann werden sie das Ziel: «über Mittag mache ich einen Spaziergang» viel einfacher erreichen als wenn sie sich dies nur vornehmen.

Und noch Tip von Vera Birkenbihl: wenn sie sich für 10 Minuten in ihren Zielzustand versetzen können, ohne immer wieder an anderes zu denken, dann ist das Ziel auch wirklich Ihres. Wenn sie das nicht schaffen, ist irgendwas in ihnen eigentlich gar nicht so erpicht darauf. Dann ist es vielleicht nur eins der vielen guten Intentionen im Leben 😉

Managen sie noch ihre Zeit? Oder schon ihre Energie?

«Ich hab jetzt keine Zeit!» Der Spruch kommt ihnen bekannt vor?

Jahrelang bin ich auch meiner Zeit hinterhergelaufen. Schon morgens durfte sich nichts verzögern, sonst war der ganze Tag kaputt. Kam ich schon zu spät zum ersten Meeting, so war klar, dass auch alle nachfolgenden Termine zu leiden hatten. Mein Kalender war eine Katastrophe. Der Tag durchgetaktet, von 6 Uhr morgens bis 22 Uhr, im Halbstundentakt. Jeden Tag und am Wochenende auch noch Verpflichtungen. Nachts hatte ich Alpträume. Der klassische war der: ich hab einen wichtigen Termin oder muss einen Zug erwischen zu einer bestimmten Zeit. Aber auf dem Weg zum Bahnhof werde ich ständig aufgehalten. Der Bus verspätet sich oder mein Velo hat einen Platten, oder jemand schwatzt mich voll, oder die Klotür klemmt, oder die Ampeln sind alle rot oder, oder, oder. Jedes Mal wachte ich mit Herzklopfen schweissgebadet auf. Und immer wieder fragte ich mich: Wie kann ich meinen Tag besser gestalten, so dass alles noch effizienter abläuft und ich auch mal Zeit zum Verschnaufen habe?

Völlig falscher Ansatz, hab ich mittlerweile herausgefunden. Es geht nicht darum, meinen Terminkalender besser zu managen. Es geht darum, meine eigene Energie so einzuteilen, dass am Ende des Tages noch 20% übrig ist. Das ist ein ganz anderer Blickwinkel. Eigentlich ist es wie beim Autofahren. Man hat immer ein Auge Richtung Benzintank. Wie voll ist der noch? Wann muss ich wieder tanken. Und wie stelle ich sicher, dass ich nicht auf Reserve fahren muss?

Was ist das Äquivalent des Menschen zum Benzin des Autos? Unsere Energie! Um unseren Energiehaushalt am Laufen zu halten, braucht es für den Körper drei essenzielle Ressourcen: Schlaf/Erholung, Ernährung und Bewegung. Das sind die Grundingredienzen, damit Body and Mind funktionieren können. Körper und Kopf beeinflussen sich gegenseitig und permanent, das wussten schon die alten Römer.

Wo aber anfangen, wenn sie merken, sie laufen auf Reserve und haben keine Zeit zum Tanken?

Beginnen sie beim Sich-Selbst-Bewusstsein, durch einen Energiereport des Tages. Es kostet nur 5 Minuten dreimal am Tag. Nehmen sie ein Notebook und notieren sie sich eine Woche lang:

  • Mit wieviel Energie fangen sie morgens an? 100% weil sie gut geschlafen haben, oder fängt der Tag schon mit halbvollem Tank an?
  • Wie sieht es Mittags aus?
    • Schon leer? Oder ist noch was drin? Wieviel tanken sie über Mittag? Gehen sie raus sich bewegen? Was essen sie zu Mittag? Mit wieviel Energie gehen sie in die zweite Tageshälfte?
    • Was hat ihnen über den Vormittag zwischendurch neue Energie gegeben?
  • Was bleibt abends noch übrig, bevor sie ins Bett gehen?
    • Schon lange im roten Bereich des Reservetanks? Was machen sie vor dem Schlafen, damit die Nacht gut wird?
    • Was hat ihnen im Laufe des Nachmittags zwischendurch neue Energie gegeben?

Und notieren sie sich jeden Abend 3 schöne Momente, die sie an dem Tag haben. Das hebt die Stimmung vor dem Schlafengehen.

Nach einer Woche, vielleicht am Sonntag, gehen sie über ihre täglichen Energie-Reports und fragen sich:

  • Wie können sie ihre Energiebilanz verbessern? Welche der Dinge, die ihnen während der Woche Energie und schöne Momente gegeben haben, können sie fest in den Kalender einplanen oder regelmässig nutzen für einen Energiesnack?

Setzen sie sich Termine – für ihre persönlichen Energie-Momente. Markieren sie sie mit höchster Priorität – denn es ist ihr Leben, ihre Gesundheit und ihre Zeit, die so kostbar sind.

Andere sind für sich selbst zuständig.

Diversity ist nicht was sie denken

Alle reden von Diversity. Schon seit Jahren gibt es Diversity Networks in Unternehmen, es wird immer wieder darauf hingewiesen, dass gemischte Teams ein besseres Arbeitsklima haben und bessere Entscheidungen treffen. Meist ist dann gemeint, dass ein Team aus Frauen und Männern sowie jungen und älteren Mitarbeitern bestehen sollte oder dass verschiedene Nationalitäten oder Disziplinen zusammenarbeiten.
Dahinter verbirgt sich jedoch eine potentiell trügerische Annahme: Nämlich dass Menschen verschiedenen Alters, Geschlechts und Nationalität auch unterschiedlichen Input in eine Diskussion bringen werden. Da ist sicherlich viel Wahres dran. Aber auch Teams, die all diese offensichtlichen und messbaren Kriterien erfüllen, sind nur dann wirklich «diverse», wenn sie auch wirklich anders DENKEN.
Nur zu oft finden sich – trotz aller Diversity – Teams in der Situation des «group think» wieder, der Tatsache, dass alle in die gleiche Richtung denken und einem – meist der/m Vorgesetzten – folgen. Kritiker werden ignoriert oder belächelt, man fällt sich gegenseitig ins Wort und echte, kontroverse, und zeitraubende Diskussionen werden erstickt, oder man umgeht sie gleich ganz. Group Think kommt in den diversesten Teams vor.

Deswegen: Lieber ein Raum voll von Männern (oder Frauen), die heftigst miteinander diskutieren, wo unterschiedlichste Ansichten aufeinander treffen, wo man sich leidenschaftlich, aber zielorientiert streitet – als ein Raum voll von Menschen, die alle «anders» sind, wo es aber keine Diskussionen gibt. Etwas neues entsteht nur aus Argumentieren, Verwerfen, einander Zuhören, Hinterfragen und miteinander verbal Ringen. Und hintereinander miteinander lachen können – über des Team’s Diversity.

Der überraschende Effekt einer Überraschung

Sie kommen morgens ins erste Meeting. Ein Team-Meeting. Ihr Vorgesetzter scheint mit dem falschen Fuss aufgestanden zu sein. Seine ersten Worte an sie sind so etwas wie: «Warum hast du gestern nur…?» Sie fühlen sich exponiert vor den anderen, dabei noch völlig unschuldig. In die Ecke gedrängt. Kritisiert. Versuchen sich zu verteidigen. Was folgt ist Gegenargumentation. Am Ende sind sie frustriert und ärgern sich, über ihren Chef, über sich selbst, über die anderen, die ihnen nicht geholfen haben. Der Tag ist gelaufen.

Was ist passiert?

Neurobiologisch hat ihr Vorgesetzter einen Teufelskreis in Gang gesetzt. Den der negativen Emotionen. Der Unterschied zwischen als positiv oder negativ empfundenen Emotionen ist gravierend: unser Körper produziert Stresshormone bei allen negativ empfundenen Emotionen. Erwiesen ist, dass unsere Konzentrationsfähigkeit unter dem Einfluss des wichtigsten Stresshormons Cortisol beträchtlich nachlässt. Wir denken dann nicht mit einem klaren Bewusstsein, sondern werden durch diese negativen Emotionen gesteuert, ob wir es wollen oder nicht. Rationales Denken ist physiologisch blockiert.

Auf der anderen Seite der negativen Emotionen stehen die positiven: Freude, Vertrauen, Liebe, Begeisterung. Sie produzieren das Glückshormon Oxytocin und setzen einen positiven Kreislauf in Gang. Wenn zu Anfang einer Konversation freundliche Worte fallen, das Gegenüber sich wohlfühlt, wird dieser Kreislauf gestartet. Konflikte können im Grunde nur dann gelöst werden, wenn die involvierten Parteien emotional positiv eingestellt sind. Nur dann kann unser Bewusstsein optimal funktionieren. Der Vorgesetzte hat es also in der Hand, den richtigen Kreislauf zu starten.

Nun hat das Meeting aber mit einen schlecht gelaunten Chef begonnen. Gibt es eine Möglichkeit, die Stimmung zu drehen? Ja, gibt es: Überraschung. Sie ist ebenfalls eine Grundemotion des Menschen. So, wie wir bei unserem Gegenüber negative oder positive Emotionen hervorrufen können, so können wir auch Überraschung erzeugen, ganz bewusst. In diesem Fall positive Überraschung.

Sie kann den Teufelskreis negativer Emotionen, z.B. in einem Konflikt, unterbrechen. Überraschen sie ihr Gegenüber. Erwartet er Rechtfertigung von ihnen, geben sie ihm das Gegenteil! Antworten sie mit einem Lächeln, verständnisvollen Worten, vielleicht einfach einer Ablenkung auf ein schönes Thema, das Angebot einer Kaffeepause, oder auch das direkte Adressieren seiner schlechten Laune. Dies unterbricht die Cortisolproduktion. Der Mensch kommt wieder zum Denken. Das Bewusstsein wird aktiviert. Die Situation kann sich lösen. Schlimmstenfalls schalten sie auf Durchzug. Lassen sie ihn reden, bis er fertig ist. Sagen sie «Ja, du hast Recht» und denken sie an das Schöne, das sie abends vorhaben… auch das überrascht – manchmal. Auch keine Antwort kann eine Überraschung sein.