Gute Leader schlafen gut

Während meiner Zeit im Management von grossen Unternehmen durfte ich immer wieder an Leadership-Seminaren teilnehmen. Mehr als einmal wurde die Frage gestellt: Was macht einen guten Leader aus? Viele Kriterien wurden genannt… Charisma, Zielorientierung, Professionalität, Menschenführung usw.

Ein Kriterium wurde nie genannt: Ausgeschlafensein

Ja, echt! Studien haben gezeigt, dass gute Führungspersonen, sogenannte «Leaders» sich dadurch auszeichnen, dass sie ausreichend Schlaf bekommen (>7h). Schon lange weiss man, dass Menschen, die zu wenig schlafen, weniger produktiv sind als ihre ausgeschlafenen Kollegen. Durch moderne Schlafforschung konnte man aber auch nachweisen, dass Menschen mit ausreichend und regelmässigem Schlaf denen, die unregelmässig und/oder zu wenig schlafen, in sehr vielen Bereichen voraus sind:

–         Sie haben ihre Emotionen besser unter Kontrolle

–         Sie sind kreativer

–         Sie lösen Probleme schneller und effektiver

–         Sie können andere Menschen besser «lesen» und damit besser kommunizieren

–         Sie sind offener gegenüber Herausforderungen und neuen Aufgaben

–         Sie bewerten ihre Arbeit und ihren Arbeitgeber generell positiver

–         Sie sind die besseren Teamplayer

Unausgeschlafene Führungskräfte haben dann auch noch einen ungewollt negativen Einfluss auf ihre Mitarbeiter. Als Antwort auf die Ineffektivität ihres Chefs sind sie weniger engagiert und weniger produktiv – obwohl die Probanden in den Studien keine Ahnung hatten, dass der Chef wenig oder schlecht geschlafen hatte – Wie im richtigen Leben!

Wenn sie jetzt meinen, das trifft auf sie nicht zu, weil sie generell mit viel weniger als 7h Schlaf auskommen… nachweislich nur 1 von 12’000 Menschen braucht tatsächlich weniger. Leider ist es einem nicht bewusst, weil man sich ja nur so kennt: mit zu wenig Schlaf!

Alles nachzulesen in: Matthew Walker – Why We Sleep

Erwartungen aktiv managen

Das Sprichwort birgt viel Wahrheit, auch wenn ich erst mal kurz drüber nachdenken musste, was das denn bedeutet. Als ehemalige Mathematikerin (das waren noch Zeiten…) reizt es mich aber, diese Formel besser zu verstehen. Einfach gesprochen sagt dieses Sprichwort mir, dass glücklich ist, wer schätzt, was er hat ohne Erwartungen an sich oder andere. Cool! Aber wie soll man das bewerkstelligen in einer Welt, in denen uns schon früh das Bedürfnis antrainiert wird, Erwartungen anderer zu entsprechen?

Immer wieder habe ich Kunden, die beruflich stark unter Druck stehen. Eine grosse Hilfe kann sein, das Thema Druck auseinander zu nehmen und zu eruieren, wo der Druck denn herkommt. Denn dann können sie «selbst-bewusst» darauf reagieren.Dazu hab ich das Erwartungsdreieck entwickelt, mit dem wir strukturiert an die Sache rangehen.
Druck kommt von vielen Seiten. In unserer heutigen Welt kann man sie grob in 4 Bereiche einteilen:

1. Beruflicher Druck = beruflich bedingte Erwartungen
Welchen Erwartungen unterliegen Sie im Beruf? Wer erwartet was? Welche Belohnung (oder potentielle «Strafe») erwartet Sie bei (Nicht-)Erfüllung?

2. Privater Druck = Erwartungen aus dem privaten Umfeld
Wer erwartet was im privaten Umfeld? Familiär, ehrenamtlich, Hobby… Müssen oder möchten sie diesen Erwartungen entsprechen?

3. Gesellschaftlicher Druck = generelle Wertvorstellungen
Diese sind manchmal kniffelig, denn dahinter verstecken sich oft Glaubenssätze, die wir schon als Kind lernen oder verinnerlicht haben, ohne dass wir darüber nachdenken. Beispielsweise die gefühlte Erwartung, dass Sie beruflich immer weiterkommen MÜSSEN, dass materieller Reichtum gesellschaftliches Ansehen bringt, oder dass ein Misserfolg verachtenswert ist.

4. Ach ja, und ich selbst mache mir ja auch noch Druck!
Die Kunden, die zu mir kommen, wollen weiterkommen im Beruf oder Sport. Aus dieser Eigenschaft entwickeln sich schon mal überhöhte Erwartungen an die eigenen Fähigkeiten und eine gewisse Ungeduld, wenn es «einfach zu lange geht»

Einfach ist dieser Prozess nicht. Am Ende steht dann aber die bewusste Entscheidung, ob sie den jeweiligen Druck akzeptieren möchten bzw. wie sie – ohne schlechtes Gewissen – in Zukunft darauf reagieren werden. Am Ende wird klar: Je kleiner die Erwartungen, desto mehr gilt:

Glück = Wirklichkeit

Worte…

Vor ein paar Tage bekam ich innerhalb kürzester Zeit ungefragt beides: anonyme, verletzende Kritik, die mich zutiefst traf – und das schönste Lob und Anerkennung. Da schrieb ich spontan diese Worte

Warum wir in fremden Betten schlecht schlafen

Nicht alle Menschen schlafen gut in der ersten Nacht in einem fremden Bett

Corona sei Dank lese ich nur wieder mehr. Immer um mein Herzensthema herum: Mentale Stärke. Ein Buch, das ich angefangen habe zu lesen, handelt vom Schlafen. Ja, tatsächlich: «Why we sleep» heisst es. Tönt zum Einschlafen? Falsch – es ist faszinierend. Schlaf ist ja noch wenig erforscht und vieles weiss die Wissenschaft noch nicht. Ich brauche auch noch eine Weile, bis ich durch bin, schlafe auch immer mal wieder drüber ein. Zum Glück wertet der Autor das als Kompliment, denn wir lernen im Schlaf, vor allem wenn wir etwas vor dem Einschlafen gelesen haben.

Aber wisst ihr, was ich irrsinnig interessant find: die Tatsache, dass jedes lebende Wesen auf der Welt Schlaf braucht. Auch Fische schlafen. Meeressäuger wie Delphine schlafen dabei aber nur mit einer Hirnhälfte! Und Vögel auch. Aber nur wenn sie allein sind. Wenn sie in einem Schwarm zusammen auf einer Stromleitung sitzen zum Schlafen, dann schlafen nur die äussersten 2 Vögel mit einer Hirnhälfte, alle anderen mit beiden. Wenn die eine Hirnhälfte dann «fertig» ist, drehen sich die beiden äusseren Vögel um und «wechseln». Dabei ist dann auch immer das Auge der wachen Hirnhälfte geöffnet, das andere geschlossen.

Und wir Menschen? Wir schlafen immer «ganz» – aber… auch wir können mit einer Hirnhälfte «weniger tief» schlafen als mit der anderen. Das machen wir zum Beispiel an einem fremden Ort (Hotelzimmer). Jetzt weiss ich, warum es mir immer schwergefallen ist, die erste Nacht woanders gut zu schlafen. Geht eben gar nicht… eine Hirnhälfte passt immer auf, dass nichts passiert.

Zum Glück, auch das ist erwiesen, können wir schon in der 2. Nacht wieder normal schlafen.

Was es alles gibt…

Der Motor für deinen Erfolg: Ehrgeiz

Vor einiger Zeit hatte ich ein Gespräch mit einer Coaching-Kundin. Wir kamen auf eine ihrer Eigenschaften zu sprechen: Ehrgeiz. Es war ihr peinlich, zuzugeben, dass sie ehrgeizig ist. Sie wollte nach Jahren guter Leistungen eine Beförderung. Aber nicht nur fürchtete sie sich vor dem Gespräch mit ihrem Vorgesetzten, auch wollte sie nicht als «ehrgeizig» angesehen werden.

Dieses Verhalten fällt mir (leider) regelmässig auf, vor allem bei uns Frauen.

Es wird Zeit, auf diese – offensichtlich so verkannte Eigenschaft – ein Loblied anzustimmen.

Das Wort ist negativ behaftet. Assoziiert wird damit eine Person, die über Leichen geht, um Erfolg zu haben. Also traut man, bzw. vor allem frau, sich nicht, dies zuzugeben.  Und wenn du es tust, fühlst du dich gezwungen, es sofort wieder abzuschwächen: «ähm, ja…, aber nur es bitzeli…».

Wie wäre es wenn du gefragt würdest: «Bist du ambitioniert?» Ich wette, auf diese Frage, die essentiell genau dieselbe ist, würden die meisten, die sich für ehrgeizig halten, schon eher mit Ja antworten, ohne dabei gleich rot zu werden.

Woher kommt das bloss? Mit einer Berufskollegin hatte ich kürzlich diesbezüglich einen Austausch. Wir kamen auf die Bibel. Ich bin kein religiöser Mensch, aber ganz weit weg, vor x-zig Jahren im Religionsunterricht, dann ging es mal um die 7 Todsünden. Eine davon ist Geiz. Womit klar ist, warum das Wort EhrGEIZ nichts Gutes bedeuten kann. Mit Ehre geizen. Dem anderen nichts gönnen. Die deutsche Sprache bestraft uns für diese Eigenschaft. Für Geiz muss man sich schämen. Also auch für den «Geiz nach Ehre». Logisch! Wenn ich jetzt noch die «weiblichen» Tugenden wie Bescheidenheit und Sanftmütigkeit dazu nehme, ist noch offensichtlicher, dass es sich nicht gehört, ehrgeizig zu sein. Für Frauen noch weniger als für Männer. Jungs dürfen ehrgeizig sein. Mädchen nur ein bisschen. Diese Denkmuster stecken noch in vielen Köpfen.

Im angelsächsischen Sprachraum hat man diese Assoziation nicht. Ich habe über viele Jahre mit Amerikanern und Engländern gearbeitet. Anfangs war ich überrascht darüber, wie offen und ungezwungen die Angelsachsen mit ihren Ambitionen umgehen und wie sie auch dafür gelobt und gefördert werden, wenn sie «ambitious» sind. Bei uns wirst du schief angeschaut.

Also warum schneiden wir uns davon im deutschen Sprachraum nicht eine grosse Scheibe ab? Auf Deutsch «ehrgeizig», Neudeutsch «ambitioniert» zu sein ist doch eigentlich eine ganz coole Sache! Niemand muss sich dafür schämen. Im Gegenteil. Ambitionen (ähm… Ehrgeiz) haben uns von den Bäumen heruntergeholt. Ehrgeiz ist der Motor für Erfolg, das Öl im Getriebe, um sich weiter zu entwickeln, Träume wahrzumachen, Ziele zu verfolgen. Er lässt dich zielstrebig werden. Er hat nichts mit den anderen zu tun, nur mit dir.

In diesem Sinne: Ersetze – mental – «Ehrgeiz» durch «Amibitionen», sei stolz drauf und Go for it!

Meine Coaching Kundin wurde übrigens in der Zwischenzeit befördert, auch wenn sie für sich eine andere Lösung erarbeitete 😉

Emotionen sind hausgemacht – du kannst sie managen

Welche Emotionen löst dieses Bild bei dir aus? Faszination… Mitleid… Ekel… Bewunderung?

Emotionen entstehen in uns! Als Antwort auf einen Reiz. Das passiert voll automatisch, und oft auch sehr schnell. Es fühlt sich unkontrollierbar an. Aber wenn wir uns Emotionen selbst machen, dann sind wir auch in der Lage, mit ihnen bewusst zu arbeiten. Dann schieben wir eine Phase der Bewertung zwischen Reiz und Reaktion – und hören auf, andere für unsere Emotionen schuldig zu sprechen.

Das ist es, was gelassene und souverän auftretende Menschen tun. Sie managen ihre Emotionen. Sie nehmen nichts persönlich.

Aber wie geht das?

Im Grunde sind es drei Schritte:

1. Der Reiz – nimm z.B. etwas, dass dich jeweils masslos ärgert – ist im Grunde nicht beeinflussbar. Ob es heute regnet oder nicht, ob dein Mann den Klodeckel wieder mal auflässt oder deine Arbeitskollegin unangebrachte Kritik äussert, darauf hast du keinen oder nur sehr bedingten Einfluss. Petrus macht sowieso was er will, Männer haben keinen Sinn für Klodeckel*, und der Arbeitskollegin fehlt halt einfach Taktgefühl. Basta.

2. Nun zu Dir: die Bewertung?Der Reiz prallt auf dich ein. Du merkst, wie dein Blutdruck steigt, wie du dich verkrampfst, dir das Blut in den Kopf steigt – Emotionen entstehen, der innere Ballon pustet sich auf. Zeit zu Handeln BEVOR du sichtbar reagierst. Zieh dein mentales «STOP-SCHILD». Wenn möglich ziehst du dich jetzt erstmal nach draussen oder in eine Ecke zurück, um etwas Zeit für diese Phase der Bewertung zu haben. Denn die ist kritisch und matchentscheidend.Frag dich: Ist der Reiz von aussen es wert, sich zu ärgern/zu ekeln/wütend zu werden? Ist der Reiz heut abend, morgen, in einem Jahr von Bedeutung für dich?Möchtest du diese Emotion jetzt zulassen? Was wäre eine souveräne Reaktion?

3. Die ReaktionWenn du die Phase der Bewertung eingeschoben hast, kannst du jetzt auch ganz bewusst entscheiden, wie deine Reaktion sein soll. Professionell. Souverän. Mit Abstand.Dabei ist durchaus möglich, dass du dich (bewusst) erst mal ärgern willst. Dann lass es raus, dort wo es keiner sieht oder wo dich jeder versteht. Und danach agiere souverän.

Kann ich das nicht immer so schön nach Lehrbuch ? Nein, leider nicht. Seitdem ich mir dieser Dinge bewusst geworden bin, übe ich es aber in vielen Situationen. Es klappt immer öfter. Seitdem ich verstanden habe, dass ich die anderen nicht ändern, sehr wohl aber meine Emotionen managen kann, ist das Leben deutlich leichter.*an alle Männer: SORRY, dass ich das Beispiel des Klodeckels nehme. Ich liebe euch trotzdem 😊

Zeit für eine Umfeldbilanz

Es gibt Menschen im Leben, die rauben einem den letzten Nerv. Man fühlt sich ausgelaugt, deprimiert, gestresst, wenn man sie getroffen hat. Und dann gibt es andere. Die, die einen so richtig inspirieren, motivieren, mit Freude erfüllen. Nach einem Abend mit ihnen gehst du beschwingt nach Hause, bist fröhlich und gut gelaunt.

Jetzt, zu Jahresende, in der ruhigen Zeit, wäre doch mal eine gute Gelegenheit, eine Umfeldbilanz zu ziehen. Dich neu zu sortieren, Beziehungen «auszumisten» und dir dein Umfeld so gestalten, dass du am Ende des Jahres mit mehr Energie und Erfolg rauskommst als du gestartet bist. Frei nach dem Motto von Pippi Langstrumpf: ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt!

Mein Tip: nimm dir einen Lebensbereich, der dir für nächstes Jahr wichtig ist. Zum Beispiel im Beruf weiterkommen, oder sportlich erfolgreich zu sein. Und dann knöpf dir deine Adressen vor. Sortiere alle relevanten Personen, die zu dem Lebensbereich gehören, in diese Matrix ein. Je mehr dich diese Person in deinen Zielen unterstützen kann, desto weiter rechts steht sie. Und je mehr Energie sie dir bringt, je mehr sie dich motiviert, desto weiter oben steht sie.

Wenn du dann fertig bist, überleg, wie du mit jeder Person in den verschiedenen Quadranten im nächsten Jahr agieren möchtest.

I – findest du sie so richtig toll, weil sie dich motiviert und in deinen Zielen aktiv unterstützt, so pflege und intensiviere die Beziehung im nächsten Jahr

II – ist die Person zwar etwas anstrengend, aber hilft dir trotzdem oder ist notwendig, um deine Ziele zu erreichen, so finde eine Strategie, sie zu managen. Hör ihr aber auch zu, denn sie unterstützt dich ja! Das kann z.B. Chef/Chefin oder Trainer sein, der dich immer mal wieder herausfordert, aber dich damit auch weiterbringt auf dem Weg zu deinen Zielen.

III – ist die Person nicht nur anstrengend, sondern auch noch ein Hindernis für deine Zielerreichung, weil sie dich immer frustriert zurücklässt, so versuche die Interaktion mit ihr zu minimieren oder ganz einzustellen. Beispielsweise die Leute, die immer versuchen, dich «runter zu ziehen». Oder die, die dir immer sagen: das bringt doch nichts! Die, die nie zuhören. Die, die dir ihre Meinung aufdrücken wollen.
Wir müssen uns nicht an Beziehungen festhalten, die uns nicht guttun. Wer dir Energie raubt und dich behindert, deine Träume und Wünsche zu erfüllen, den darfst du getrost aus deinem Leben verbannen.

IV – und die Fragezeichen, bei denen du dir nicht sicher bist, weil du sie eigentlich magst, sie dich aber in deinen Zielen auch nicht wirklich aktiv unterstützen, nimm dir vor, sie entweder zu Unterstützern zu machen oder sie ebenfalls loszulassen. Zumindest in diesem Lebensbereich.

Das Ziel sollte sein, möglichst viele deiner Beziehungen in Quadranten I und II zu haben. Auf diese Art und Weise schaffst du Zeit für neue Beziehungen, die dich motivieren und unterstützen.

Es geht nichts über ein gutes soziales Umfeld!

Frohe Weihnachten und Wünsche für 2021

Liebe Kundinnen und Kunden, Interessierte, KollegInnen und Followers,

ich möchte mich bei euch bedanken. Für ein Jahr, in dem so viele mir ihr Vertrauen geschenkt haben, euch auf eurem Weg begleiten zu dürfen. Längere und kürzere Strecken, so wie es für euch gestimmt hat. Besonders gilt das in einem Jahr wie 2020. Es war für viele Menschen nicht einfach. Wir wurden kollektiv aus unserer Komfortzone gerissen – und es ist noch nicht vorbei. Auch ich hatte mir 2020 anders vorgestellt.

«Life is, what happens to you, when you are busy making other plans» /
«Leben ist, was dir passiert, wenn du gerade dabei bist, andere Pläne zu schmieden»

Dieses englische Sprichwort sagt alles, was es über 2020 zu sagen gibt. Aber es war auch viel Gutes dabei. Einmal mehr wurde mir bewusst, dass es zwei Ingredienzen braucht, um sich ausserhalb seiner Komfortzone bewegen zu können: Vertrauen und Optimismus. Diese zwei Eigenschaften lassen uns nach vorn blicken. Vertrauen in sich selbst, in seine Fähigkeiten und Talente. Vertrauen in Freunde, Kollegen und, ja, auch Menschen wie mich, die helfen, durch Selbstreflektion den Glauben an das eigene Ich und seine Fähigkeiten zu festigen. In jeden von euch habe ich persönlich vollstes Vertrauen.

Und Optimismus! Optimismus ist die Summe aus positiver Einstellung gegenüber der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft. Das hat nichts mit der rosafarbenen Brille zu tun, sondern meint die realistische Betrachtung dessen, was wir erlebt haben bzw. was wir derzeit erleben – und die Nutzung davon für eine Zukunft entlang unseren Wünschen und Bedürfnissen. Optimistische Menschen haben mehr Lebensfreude, sind weniger krank und deutlich erfolgreicher. Vielleicht, weil sie das, was sie erleben, halt einfach als ein Schritt in Richtung ihrer Lebensziele betrachten.

Jeder hat sich entwickelt in diesem Jahr, auch ich mit und dank euch. Ich wünsche euch für das nächste Jahr beides: Vertrauen in euch und euer Umfeld sowie eine grosse Portion Optimismus, der euch trägt in eine Zukunft ganz nach eurem Gusto. Dann kommt der Erfolg, den ihr euch wünscht. Manchmal früher, manchmal später. Aber er wird kommen, ganz sicher.

Geniesst diese Jahreszeit der nicht nur Corona-bedingten Ruhe. Bleibt vor allem gesund. Ich freue mich auf euch im nächsten Jahr!

Eure Christine Lang

Das neue Selbstbewusstsein (vom April 2020)

Arbeit von überall aus – Corona macht’s möglich

Corona hat auch Gutes! Nicht nur, dass wir durch dieses Virus allesamt mal aus unserer Komfortzone geworfen wurden. Nein, nun werden wir auch noch feststellen, dass wir als Berufstätige und Arbeitnehmer nach der Krise deutlich selbstbewusster geworden sind. Und das werden auch unsere Arbeitgeber feststellen.

In meiner langen Karriere in internationalen Firmen hatte ich gute wie schlechte Zeiten. Das gehört dazu. Nach den schlechten kann man die guten Zeiten dann wieder so richtig schätzen. Aber was ich definitiv gelernt habe, war, dass man ein deutlich besseres Leben hat, wenn man gerade mal wieder eine selbstbewusste Phase hat. Dann wird man klar mehr respektiert, kann sich besser durchsetzen und ein gelegentliches NEIN wird akzeptiert.

Aber ein selbstbewusster Mitarbeiter fordert seine Vorgesetzten auch deutlich mehr. Und jeder, der schon mehr als einen Chef hatte, weiss, es gibt bessere und schlechtere Vorgesetzte.

Das neue Selbstbewusstsein als Mitarbeiter

Corona ist ein Segen für alle die, die schon immer Home Office machen wollten, es aber nie tun konnten, weil entweder der Vorgesetzte es nicht erlaubte, oder die sich selbst nie getraut haben.

Viele Angestellte werden Home Office Arbeit erfahren haben und für sich selbst die Vor- und Nachteile erkannt haben. Sicherlich ist es keine Arbeitsform, die für alle stimmt und bei der sich alle wohlfühlen. Meetings über den Bildschirm und virtuelle Kaffeetermine ersetzen auf Dauer keine persönlichen Interaktionen, gemeinsame Arbeit am White Board oder den freundschaftlichen Schwatz an der Kaffeemaschine. Ganz klar.

Jedoch, nach Corona sind alle erfahrener im Umgang mit digitalen Medien. Digitalisierung wird kein abstrakter Begriff mehr sein. Der Mitarbeiter wird wissen, wie er sich organisieren kann zu Hause. Er wird verstanden haben, was der Wegfall des täglichen Arbeitswegs und des Pendeln in vollen Bussen und Zügen in seinem Zeitmanagement und für seinen Stresslevel bedeutet.

Und er wird die Chance erhalten haben – wenn er sie vorher nicht bekam – seiner Firma, seinem Vorgesetzen und seinen Kollegen zu beweisen, dass er seine Arbeit von zu Hause aus genauso gut oder vielleicht sogar besser erledigen kann wie im Büro.

Jeder wird für sich besser einstehen können und gegenüber seiner Firma und seinem Vorgesetzten fundierter argumentieren können, warum er lieber im Büro oder eben von zu Hause aus arbeiten möchte. Gegenargumente werden es schwer haben.

Spätestens wenn die KiTas und Schulen wieder öffnen und damit potentielle Ablenkung wieder anderweitig betreut wird, wird sich die Produktivität von Home Office zeigen. Dann gibt es keine Ausreden mehr, und schon gar nicht für Vorgesetzte.

Guter Vorgesetzter vorher = guter Vorgesetzter nachher

Die besseren Vorgesetzten haben von der Krise nichts zu befürchten. Sie werden nach der Krise noch immer die besseren Vorgesetzten sein, denn sie haben schon vorher ihre Mitarbeiter respektiert, motiviert und ihnen genügend Freiraum gegeben, ihre Arbeit eigenverantwortlich zu erfüllen anhand der gemeinsam definierten Zielvorgaben. Sie hatten schon vorher verstanden, dass die Pyramide immer von unten getragen wird und man das Fundament pflegen muss, damit die Spitze auch oben bleibt.

Die anderen werden sich anstrengen müssen

Der andere Teil der Vorgesetzten werden einen deutlich schwierigeren Stand nach der Corona-Krise haben, denn das neue Selbstbewusstsein ihrer Mitarbeiter wird sie vor grosse Herausforderungen stellen. Sie werden sich persönlich selbst weiter entwickeln müssen, um längerfristig ihre Position zu halten.

Trotz aller Werbung für Home Office, Work-Life Balance, Flexibilität und Teilzeitarbeit fiel es einem grossen Teil von Vorgesetzten vor der Krise schwer, ehrlich – nicht nur per Lippenbekenntnis – ihren Mitarbeitern diese Möglichkeiten zu offerieren. Viele hatten immer noch das Gefühl, dass ihre Mitarbeiter von zu Hause aus nicht produktiv arbeiten können, die Freiheit womöglich ausnutzen und nicht kontrollierbar sind. Zudem fühlten sich diese Vorgesetzten auch oft unabdingbar für die Firma und wären nicht auf die Idee gekommen, Home Office für sich selbst in Betracht zu ziehen.

Corona hat dem ein Ende gemacht. Endlich. Vorgesetzte wurden durch Corona zu Home Office gezwungen, über Wochen und Monate für sich und ihre Mitarbeiter.

Und siehe da. Es funktioniert. Viele werden festgestellt haben, dass man seinen Mitarbeitern durchaus trauen kann. Dass Produktivität durch Digitalisierung nicht leidet. Und dass die intrinsische Motivation, für die Firma gute Arbeit zu leisten, bei den allermeisten sehr hoch ist.

Die, die das verstehen, dies verinnerlichen und später weiterführen, werden nach der Krise zu besseren Vorgesetzten. Die anderen, tja, für die wird es schwer.

Es geht noch weiter

Weitere Vorteile werden nach der Krise bleiben. Mehr Menschen werde eine neue Liebe zum individuellen Pendeln finden und entweder Stosszeiten in öffentlichen Verkehrsmitteln vermeiden oder auf Velo umstellen. E-Bikes werden einen weiteren Boom erleben.

Und in der häuslichen Partnerschaft wird auch das letzte fehlende Quäntchen Anerkennung für die Leistung, die ein nicht-arbeitender Partner in Kinderbetreuung und Hausarbeit leistest, endlich erreicht sein.

Nach Corona wird die Arbeitswelt anders aussehen. Wie genau, wird sich zeigen, aber eins ist sicher: Selbstbewusster. Flexibler. Freier.

Agree to disagree

Gestern hatte ich ein Gespräch mit einer alten Arbeitskollegin. Wir kennen uns schon so lange, dass wir uns mittlerweile auch als gute Freundinnen bezeichnen würden. Sie wohnt in Deutschland, ich in der Schweiz. Corona-konform sahen wir uns online und natürlich kam das Gespräch auf Corona und die Massnahmen, die unsere Regierungen uns derzeit auferlegen. Ihre Meinung war eher strikt. Sie meinte, es wäre doch so einfach: Wir müssten uns nur alle mal wirklich radikal 2 Wochen lang zu Hause einbunkern, dann wäre der Spuk vorbei. Alle. Ausnahmslos. Ihr gingen die Massnahmen der Bundesregierung nicht weit genug.

Ich bin eher der freiheitsliebende Typ und argumentierte entsprechend liberal. Aus meiner Sicht ist so ein «Wegsperren» aller Menschen gar nicht machbar und es geht auch gegen unsere freiheitlichen Rechte. Den liberalen Ansatz der Schweiz goutiere ich sehr. Wir konnten uns nicht einigen, irgendwie erhitzten wir uns in unseren beiden Positionen. Ich bemerkte auf einmal, dass das Gespräch in eine Richtung ging, in der wir noch nie waren. Die einer Unvereinbarkeit der Meinungen. Da rennt man sich schnell fest in seiner Ecke und fängt an zu schmollen.

Wollte ich die Freundschaft in eine Krise laufen lassen, weil wir offensichtlich sehr unterschiedlicher Meinung waren? Nein. Sicher nicht! Die Gefahr besteht jedoch, wenn zwei Menschen auf einmal feststellen, dass sie sich so gar nicht einigen können. Man nimmt es persönlich.

Zum Glück fiel mir in dem Moment eine Methode aus meiner Zeit in der Unternehmensberatung ein. Trenne das Problem von der Person. «Agree to disagree» – einigt euch, euch nicht zu einigen. Tönt im ersten Moment bekloppt – gebe ich zu. Ist aber eine fantastische Methode, die Emotionen aus einer Diskussion heraus zu nehmen. Eigentlich mag ich meine alte Kollegin sehr gern, und es ist anders herum ja auch so. Wir wollten uns ja gar nicht streiten… irgendwie sind wir da reingeschlittert.

Ich verliess meine mentale Schmoll-Ecke und fragte sie, unvermittelt, was diese Uneinigkeit jetzt mit unserer Beziehung mache bei ihr.

Wir besannen uns, beide. Wir einigten uns, dass wir das Problem – unterschiedliche Meinung zum Thema Corona-Massnahmen – auslagern. Das ändert nichts an der Freundschaft. Hier in unserer freiheitlichen Kultur dürfen wir unterschiedlicher Meinung sein. Ihre Meinung hat ja nichts damit zu tun, dass ich sie als Person nicht schätze. Ich schätze sie ja gerade, weil sie eine Persönlichkeit ist, ihre eigenen Meinungen hat und die auch vertritt. Ich bin nicht anders.

Am Ende lachten wir über die Diskussion, die wir gehabt hatten. Über ein Problem, zu dem es DIE optimale Lösung womöglich gar nicht gibt. Jetzt können wir uns gegenseitig sogar aufziehen mit unseren verschiedenen Meinungen, denn das Problem ist ausserhalb unserer Beziehung. Und wir freuen uns beide schon auf unseren nächsten Austausch. Jetzt noch umso mehr, da wir nun auch mal heiss diskutieren können, wissend, dass wir schlimmstenfalls am Ende sagen: we agree to disagree 😊