Selbstbewusstsein verbessern: Beginnen sie bei ihren eigenen Werten

Sind sie schon mal auf einem der Social Media Kanäle in einen Shitstorm gelaufen? Vielleicht sogar mit einem eigenen Post, der auf einmal ein ungeahntes Eigenleben entwickelte?

Mir ist das vor einiger Zeit passiert. Nach einem sehr traurigen Ereignis formulierte ich meine Gedanken auf Facebook. Irgendwie und irgendwem kamen sie in den falschen Hals. Da ich meinen Facebook Account nur einmal am Tag anschaue – und ja auch nichts Böses erwartete – war ich zuerst überrascht, und dann dankbar, als mich auf einmal eine Freundin anrief und mir empfahl, doch mal Facebook zu öffnen. Ich wurde ausgebuht mit Hasstiraden. Die Kommentare und Kommentatoren zu meinem Post schienen sich gegenseitig noch anzuspornen. Ich war geschockt und zutiefst getroffen. Zusätzlich bekam ich private Messages und auf einmal auch Whatsapps auf’s Handy. Am liebsten wäre ich im Erdboden versunken und NIE, NIE, NIE mehr aufgetaucht. Ich war – ganz pauschal – in den Augen anderer nichts wert. Wegen eines Satzes!

Schnellstmöglich löschte ich meinen Post und mit ihm alle Kommentare. Zum Glück geht das mittlerweile in Facebook – und so schnell der Sturm über mich hereingebrochen war, beruhigte er sich auch wieder. Der Anruf meiner Freundin und mein schnelles Handeln verhinderte Schlimmeres.

Was war passiert? Im Nachhinein analysierte ich die Situation.

Ich war jemandem, wie man so schön sagt, auf den Schlips getreten. Dafür reicht ein Satz, manchmal nur ein Wort, der von jemandem anderen anders verstanden wird, als man es gemeint hatte. Ich hatte seine oder ihre Wertvorstellungen verletzt. Ungewollt. Die anderen «Hater» sprangen einfach auf den Zug auf. Ob ich auch ihre Werte verletzt hatte oder sie TrittbrettfahrerInnen waren, sei hier egal.

Wir alle wachsen mit Werten auf. Dankbarkeit zum Beispiel: das kleine Kind lernt schon früh, sich für ein Geschenk zum Geburtstag zu bedanken. Oder Rücksichtnahme: einer Hochschwangeren im Tram den eigenen Sitz anzubieten. Persönliche Werte liegen tief in uns vergraben. Wir sammeln sie im Laufe des Lebens. Am Anfang durch unsere Eltern, dann in der Schule, durch unsere Freunde, aber auch durch eigene Erlebnisse. Sie formen und prägen unsere Persönlichkeit. Jede Handlung, die wir vornehmen, jede Antwort, die wir jemandem geben, und jede Meinung, die wir über jemanden anderen haben, ist durch unsere persönlichen Werte bestimmt.

Werden diese selbsteigenen Werte verletzt oder in Frage gestellt, kommt es zu einem Wertekonflikt. Beispielsweise erwartet ihr Vorgesetzter von ihnen, noch eine Nachtschicht einzulegen, weil morgen eine wichtige Präsentation fertig sein muss, aber sie haben ihrem Partner versprochen, heute Abend beim Ausräumen des Kellers für den morgigen Sperrmüll zu helfen. Ist nun ihr Wert: «Pflichtbewusstsein am Arbeitsplatz» oder «Verlässlichkeit in der Partnerschaft» wichtiger?

Nehmen wir einfach mal an, sie entscheiden sich für das Ausräumen des Kellers. Die Reaktion ihres Vorgesetzten hängt wiederum von seinen Werten ab. Steht bei ihm «Toleranz» in der Werteskala oberhalb von «Pflichtbewusstsein am Arbeitsplatz», so wird er ihren Entscheid respektieren, im anderen Falle nicht. Ist er ein schlechter Vorgesetzter – so wie viele Nicht-Vorgesetzte, die sich in Social Media tummeln – so wird er über sie ein Pauschalurteil (z.B. Faul, fehlendes Engagement, unzuverlässig) fällen. Wie sein Urteil ausfällt, darauf haben sie nur sehr wenig Einfluss.

(Anm: ich hätte auch das Beispiel Corona und Impfen nehmen können, habe es aber aus Sorge um einen shitstorm vermieden)

Seine eigene Werteskala zu kennen, ist ein oft brachliegender Schatz – und der Grundbaustein in der Persönlichkeitsentwicklung. Nicht nur für sich selbst und das eigene Selbst»wert»gefühl, sondern auch für die Interaktion mit anderen Menschen. Wer seine eigenen Werte gegenüber den Werten anderen versteht und sich abgrenzen kann, verbessert sein Selbstbewusstsein. Gleichzeitig ist derjenige in der Lage, Wert-Schätzung für andere zu entwickeln. «Selbstwertgefühl», «Wertschätzung»: die Worte implizieren es – das Bewusstsein für Werte: die eigenen und die Werte anderer. Dann ist es einfacher zu akzeptieren, dass andere Menschen gemessen an der eigenen Werteskala auch mal Fehler machen. Aber nicht pauschal («Sie ist faul»), sondern in Bezug auf einen spezifischen Wert.

Das herauszufinden ist allerdings manchmal gar nicht so einfach. Dafür ist eine Portion Neugier auf sich selbst gefragt. Haben sie das? Dann fragen sie sich mal:

  • Was sind meine Werte? MEINE, nicht die meiner Eltern oder meines derzeitigen Umfeldes.
  • Nach welchen Kriterien oder Eigenschaften bewerte ich mich und andere Menschen?
  • Welche Werte sind wichtiger als andere?
  • In welchen Situationen priorisiere ich welche Werte vielleicht unterschiedlich?
  • Wie sieht die Werteanalyse bei ihrem Partner/Chefin/Mitarbeiter aus?

Haben sie Lust auf sich und ihre Werte? Dann hilft ihnen ein guter Coach, sich auf den Weg zu ihrem Selbstwert zu machen. Diesen Weg sind sie sich selbst wert 😉

Wie sie ihre guten Vorsätze auch erreichen

Na, wie steht’s 5 Tage nach Jahresbeginn? Um die guten Vorsätze. Nicht mehr nachts im Kühlschrank an die Schokolade zu gehen? Das Handy für ein paar Stunden am Tag abzuschalten? Dem täglichen Sport? Den regelmässigen Pausen, die du dir sogar im Kalender eingetragen hast?

Es sind ja erst 5 Tage rum, aber ich wette, viele schwächeln schon. Macht euch nichts draus: ihr seid in guter Gesellschaft. Laut statista.de brechen 4 von 5 Menschen irgendwann ihre guten Vorsätze – auch wenn es immerhin 27% schaffen, länger als zwei Monate durchzuhalten.

Bereit für einen kleinen Booster in Sachen: Was kann ich machen, um durchzuhalten?

  1. Realitätscheck: Überprüft doch mal eure guten Vorsätze, ob sie mehr sind als klar und messbar formulierte Ziele. Was ich immer wieder erlebe mit meinen Kund/innen, sind unrealistische Ziele. Gut gemeint für dich selbst ist es sicher, wenn du dir rigoros vornimmst, auf keinen Fall mehr an die Schoggi im Kühlschrank zu gehen oder das Handy tagsüber für 5 Stunden auf Flugmodus zu stellen. Für Schoggiholics ein viel zu hoch gestecktes Ziel. Und derjenige, der bisher mit seinem Handy zusammengewachsen war, wird seinen Entzugserscheinungen wahrscheinlich auch schnell erliegen. Vom Couch Potato, das sich täglichen Sport und mehr Bewegung vornimmt, ganz zu schweigen.

Was wäre also ein realistisches Ziel? Ein kleines, das nicht so weh tut! Für den Schoggiholic könnte es heissen dass er sich nur jeden 2. Tag den Gang zum Kühlschrank erlaubt. Für den Handysüchtigen reichen vielleicht 2x täglich 30 Minuten ohne Handy und das Couch Potato möchte sich vielleicht vornehmen, am Anfang nur abends einmal um den Block zu gehen.

So lange, bis es Routine wird. Du kannst anfangen mit z.B. nur einen Monat durchzuhalten. Hast du das erfolgreich erreichst, kommt die Motivation für die nächste Phase von ganz allein.

  • Gibt’s einen Lustfaktor? Ja. Echt. Du musst Lust haben. Auf die kleinen Erfolge, wenn du deine realistischen Vorsätze erreichst. Auf das gute Gefühl, wenn du es mal wieder geschafft hast, NUR HEUTE der süssen Versuchung widerstanden zu haben. Auf die viele Zeit, die du auf einmal hast, wenn das Handy nicht mehr dauern piepst. Auf das coole Gefühl, wenn frische Luft beim Spazierengehen durch deine Lungen strömt. Dein Körper – und deine Vorstellungskraft, entweder deinen Vorsatz zu erfüllen oder täglich/wöchentlich erfüllt zu haben, muss sich gut anfühlen dabei. In Kombination mit positiven Emotionen und einem guten Körpergefühl besteht echte Erfolgswahrscheinlichkeit.
  • Und wenn es keine Emotionen gibt, du aber trotzdem einen guten Vorsatz hast, z.B. weil der Arzt dir schon lange dringend empfohlen hat, mehr Sport zu treiben?
    Dann – und ich finde das die ultimative Technik, um sich selbst zu motivieren, auch ohne den Lustfaktor – finde einen guten Freund oder Freundin. Gib dieser Person Geld. Möglichst viel, soviel, dass es dir wehtun würde, es nicht wieder zu bekommen.
    Der Deal ist: sie gibt es dir wieder, wenn du deinen Vorsatz erfüllt hast. Ansonsten behält sie es – und nein! ihr gebt es dann nicht gemeinsam aus. Es muss dann echt weg sein für dich. Diese Technik benötigt allerdings Ehrlichkeit deinerseits für Vorsätze, deren Zielerreichung ausserhalb der Kontrolle deiner Freundin liegen. Aber wenn du für diese Technik bereit bist, dann ist dein guter Vorsatz wirklich ernst gemeint.

Ich für meinen Teil gebe zu, den Vorsatz mit der Schoggikonsumreduktion versucht zu haben. Aber ich bin an Punkt 2 gescheitert….

Cognitive Shuffling

In meinen Seminaren betone ich gern die Bedeutung von Schlaf auf so ziemlich alle Aspekte unseres Lebens und unserer Gesundheit. Oft zeigt sich in den Gesprächen, dass viele Menschen gern mehr und länger schlafen würden, wenn sie denn nur könnten. Ein Problem ist das Einschlafen, wenn noch soooo viele Gedanken des Tages da sind. In meinen Recherchen zum Thema bin ich auf eine interessante Methode gestossen, die ich gern mit ihnen teile. Unter dem Namen «Cognitive Shuffling»– also «geistige Durchmischung» – schlägt Dr. Luc P. Beaudoin, Professor an der Simon Fraser University in Kanada, so eine Art Scrabblespiel vor, das die Gedanken weg von quälenden Sorgen des Tages auf einfache, schöne Objekte lenkt und dadurch den Mensch zur Ruhe kommen lässt. So, wie wir als Kind während der Gute-Nacht-Geschichten unserer Eltern der Phantasie ihren Lauf gelassen haben und dadurch weich in Morpheus’ Armen landeten.

Das ganz funktioniert wie folgt:

Sie liegen im Bett und ringen mal wieder um Schlaf. Anstatt ärgerlichen Gedanken nachzuhängen, denken sie ich ein einfaches, aber nicht zu kurzes Wort aus, das keine intensiven Emotionen auslöst. Zum Beispiel “Waldboden”. Es sollte eins sein, in dem dieselben Buchstaben nicht zu oft vorkommen. Dies ist nun ihr Ankerwort. Nun gehen sie jeden Buchstaben des Wortes einzeln durch und stellen sich Dinge vor, die mit diesem Buchstaben beginnen und die ihnen angenehme Assoziationen geben. Also in diesem Fall starten sie mit W:

W…

  • Winterlandschaft: sie stellen sich eine verschneite Winterlandschaft vor
  • Weihnachtsbaum: sie stellen sich einen geschmückten, festlichen Weihnachtsbaum mit allerlei hübschen Anhängern vor
  • Wunderkerze: sie sehen vor ihrem geistigen Auge einer Wunderkerze zu, wie sie ihre Blitze verstreut und dann langsam verglüht
  • …usw.

Wenn ihnen zu «W» nichts mehr einfällt, gehen sie zum nächsten Buchstaben: A…

  • Ameisenhaufen: sie schauen in Gedanken der Betriebsamkeit auf einem Ameisenhaufen zu
  • Australien: sie zeichnen in Gedanken die Konturen des Kontinents
  • Adler: sie schauen einem Adler zu, wie er am Himmel über ihnen seine Kreise zieht
  • …usw.

Gibt ihnen ein Objekt, and das sie denken, keine angenehme Assoziation, können sie die negative Emotion, die es generiert, einfach akzeptieren als Achtsamkeitsübung, oder sich ein anderes Wort mit dem Buchstaben ausdenken.

Wenn ihnen zu einem Buchstaben nichts einfällt, gehen sie zum nächsten in ihrem Ankerwort. Sind sie mit dem Ankerwort fertig und noch nicht eingeschlafen, so denken sie sich ein neues aus und wiederholen sie das Gedankenspiel.

Was passiert da? Durch die Konzentration auf andere Dinge als die Sorgen des Tages kommen sie automatisch emotional runter und «entschleunigen» die Gedanken. Wenn es ihnen gelingt, Wörter mit schönen Assoziationen zu finden, entspannen sie sich ebenfalls weiter.

Es braucht vielleicht ein wenig Übung und funktioniert – wie alles Mentale – nicht für jeden, ist aber sicherlich mal einen Versuch wert, wenn sie beim Schäfchenzählen das nächste Mal durcheinanderkommen. Wenn Phantasie für Kinder geht, warum soll uns das als Erwachsene nicht auch noch inspirieren können?

https://mysleepbutton.com/support/do-it-yourself-cognitive-shuffle-sdi/

Erlernte Hilflosigkeit, ein Produkt des Perfektionismus

Sie sind also ein Perfektionist? (Frauen sind hier ebenso mit einbezogen) Oder sie leiden unter einem Perfektionisten? Dann lohnt es sich, diesen Beitrag zu lesen.

Bei einem meiner letzten Posts ging es um Perfektionismus und wie sie für sich selbst herausfinden, welcher Typ sie sind. Heut soll es darum gehen, was sie mit anderen Menschen machen, wenn sie ihren Perfektionismus an ihnen auslassen, also den fremdorientierten Perfektionismus. So wie das viele Chefs tun. Leider. Sehr leider. Denn Perfektionismus macht Mitarbeiter unfrei. Nicht nur die. Natürlich auch Partner und/oder Kinder. Alle anderen wenden sich meist irgendwann ab. Mitarbeiter, Partner und Kinder haben es da nicht ganz so leicht.

Eigentlich will die Perfektionistin ja nur alles richtig machen, so wie sie es für richtig erachtet bzw. wie es für ihren Qualitätsanspruch genügt. Egal ob das Terrasse-fegen zu Hause ist oder die Präsentation für den Vorstand. Die Terrasse ist hinterher sicher nicht sauber genug, oder der Besen – oder Beide. Und die Präsentation geht durch mindestens 30 Revisionen und auch bei Version 31 gibt es noch was zu verbessern. Selbst erlebt.

Was macht das mit dem Familienmitglied respektive dem Mitarbeiter?

Nun, hart gesagt, Perfektionismus gegenüber anderen tritt das menschliche Bedürfnis nach Selbstentfaltung mit Füssen. Kein Mitarbeiter hat ein Problem, wenn ihm Ziele gesetzt werden. Es geht nicht um das „WAS“ zu tun ist, sondern um das „WIE“, bei dem der Perfektionist den anderen jegliche Freiheit über ihre Entscheide nimmt. Und egal aus welchen Beweggründen die Perfektionistin handelt, das Ergebnis ist die sogenannte erlernte Hilflosigkeit. Das ist nichts anderes als die Gewissheit im Bevormundeten, dass er es aus eigenen Stücken der Perfektionistin sowieso nicht recht machen kann. Er ist hilflos, und lernt, diese Hilflosigkeit im Laufe der Zeit zu perfektionieren. So schizophren das klingt. Während der eine (der Perfektionist) es entweder gar nicht peilt oder sich am Mitarbeiter/Sohn/Tochter/Ehemann über deren „Unfähigkeit“ und „Faulheit“ aufreibt, wird der andere über die Zeit immer passiver. Hilflosigkeit perfektioniert. Seine Gendanken sind dann sowas wie „Ich tu gar nichts mehr, ausser du sagst mir wie!“ oder „Mach doch selber“. Anerzogene Arbeitsverweigerung.

Also, liebe fremd-orientierten Perfektionisten… wenn ihr euch das nächste Mal über eure „faulen“ Mitarbeiter aufregt, fragt euch einfach mal, wieviel Freiheit ihr ihnen für das WIE ihrer Aufgaben gebt.

Passt Ihr Job zu Ihnen?

Was passiert, wenn sie versuchen, einen Würfel durch einen Ring zu pressen? Klar: Ausser der Ring ist gross genug oder sie wenden rohe Gewalt an, bleibt es bei einem Versuch. Die Ecken des Würfels „ecken an“.

Diese Metapher, geliehen von einem englischen Sprichwort, nutze ich gern bei KundInnen, die irgendwo in ihrem Leben stehen geblieben sind und nicht weiterkommen. Meist im beruflichen Umfeld. Sie bekommen Kritik, werden übergangen, können es ihren Vorgesetzten nicht recht machen oder fragen sich nach dem Sinn ihrer Arbeit. Das nagt am Selbstwertgefühl. Im Laufe der Zeit wird man immer unsicherer, traut sich immer weniger zu und wartet förmlich auf das nächste Ungemach. Mit so einem geplätteten Selbstbild auf die Suche nach einem neuen Job zu gehen, ist oft ziemlich schwer – abgesehen davon, dass je länger diese Situation andauert, je weniger Energie vorhanden ist für einen Neuanfang.

Um nochmal die Metapher zu bemühen, ist das der Zeitpunkt, zu dem man mit Gewalt versucht, irgendwie durch dieses runde Loch zu kommen, obwohl man halt eckig ist – und mittlerweile feststeckt. Weder vor noch zurück ist dann mehr möglich.

Glücklich ist der oder die, die früh genug erkennt, was da abgeht, bevor es zu spät ist.

Aber wie geht das bloss?

Natürlich ist in den wenigsten Job alles rosarot. Wer angestellt ist, muss sich anpassen, an die Firma, die Kollegen, die Chefs. Das ist völlig ok und als soziale Wesen, die wir sind, können wir bei uns durchaus auch ein paar Ecken abfeilen.

Aber ab und an mal innehalten wirkt Wunder. Damit meine ich nicht, am Strand auf den Malediven mal denken, dass der Job ja vielleicht doch nicht so der Knaller ist und es „irgendwann dann mal“ Zeit für einen Wechsel ist. Sondern sich hinsetzen und seine Werte, Bedürfnisse und Kompetenzen mit der Stelle abgleichen.

  • Welches Wissen und welche Fähigkeiten bringe ich mit? Wieviel davon kann ich in diesem Job nutzen?
  • Was sind meine persönlichen Bedürfnisse an den Arbeitgeber? Inwieweit werden sie abgedeckt?

Vergeben sie ruhig Noten von 1-10 oder verteilen sie Prozentsätze. Das hilft für eine gute Übersicht.

Es ist nur zwei Themen und sehr einfache Fragen. Aber die Beantwortung kann komplex werden. Wenn am Ende weder ihre Fähigkeiten ausreichend genutzt werden noch ihre Bedürfnisse – mal abgesehen vom Geld – bedient werden, ist es Zeit, zu realisieren, dass sie versuchen, ein Kantholz durch einen Ring zu pressen. Der Arbeitgeber sucht einen Zylinder. Sie aber sind ein Würfel. Oder – wie eine meiner Kundinnen kürzlich sagte: ich bin ein Stern!

Gestatten, ich bin ein Perfektionist

Ich könnte ein ganzes Buch zum Thema Perfektionismus schreiben – ganz einfach, weil ich da aus dem Vollen schöpfen kann. Denn ich bin selbst eine Perfektionistin. Wobei, ich bin überzeugt, bei mir ist der Perfektionist nur teilweise angeboren, mehr davon ist anerzogen. Warum? Weil ich eher nach meinem Vater schlage, der solange ich denken kann, permanent von meiner Mutter kritisiert wurde, dass er alles falsch macht. Ist glaub ich ein Charakterzug, den man ja oft Frauen generell nachsagt. Es gibt aber auch ausgeprägte Perfektionisten unter Männern.

Ich gehöre zu einer anderen Art Perfektionist als meine Mutter. Zumindest jetzt, nachdem ich den mir angeborenen von dem mir anerzogenen Perfektionisten habe separieren können. War ein langer Kampf gebe ich zu, und der ist noch nicht beendet. Fragen sie meinen Mann.

Eigentlich ist so ein bisschen Perfektionismus ja gar nicht schlecht. Denn der motiviert uns, was immer wir machen, gut zu machen. Das nennt sich dann Gewissenhaftigkeit. Dann, wenn es noch nicht wehtut. Aber wo Gewissenhaftigkeit aufhört, fängt Perfektionismus an und der tut weh: einem selbst und/oder auch anderen. Sitzt wie ein Stachel im Allerwertesten, und hält den Besitzer davon ab, sich mal ganz gemütlich auf dem Sofa zu räkeln und die Seele baumeln zu lassen. Irgendwo ist immer was, was ihn stört an sich selbst oder an seinem Umfeld, das es zu „optimieren“ gilt.

Aber nochmal zurück zu den verschiedenen Arten. Die Wissenschaft schlägt derer drei vor. Sie können selbst entscheiden, welcher Stachel sie plagt:

  1. Selbstorientierter Perfektionismus (SOP): bezieht sich nur auf die Person selbst. Sie ist nie mit ihren eigenen Leistungen zufrieden, und selbst wenn sie ihre hochgesteckten Ziele erreicht, hätte sie den Weg dahin schneller/schöner/besser gestalten können.
    Diese Personen sind oft hocherfolgreich im Leben, da sie eine intrinsische Motivation haben. Sie werden aber von aussen oft auch als «zu perfekt» angesehen.
  2. Von-aussen-auferlegter Perfektionismus (AOP): die innere Überzeugung, dass andere erwarten, man müsste perfekt sein. Diese Person möchte primär anderen Menschen gefallen. Sie meint zu wissen, dass ihr Umfeld extreme Erwartungen an sie hat und ist permanent auf der Jagd, diesen unausgesprochenen Erwartungen entsprechen zu wollen. Oft werden diese Personen vom Umfeld ausgenutzt, denn sie vergessen in ihrem Wunsch, es anderen «recht» machen zu wollen, ihre eigenen Bedürfnisse.
  3. Fremd-orientierter Perfektionismus (FOP): bezieht sich auf andere. Im Gegensatz zu den ersten beiden Arten projiziert diese Person ihre überhöhten Erwartungen auf andere und macht ihr Glück an den Handlungen anderer fest. Im Gegensatz zum SOP muss diese Person gar nicht so hohe Ansprüche ans Umfeld haben. Allein, dass sie sie hat, führt schon zum Unglück. Denn die anderen wissen meist nichts von diesen Ansprüchen und können sie daher auch nicht erfüllen. Diese Art Perfektionist ist nicht nur permanent unzufrieden mit allen anderen, auch alle anderen in seinem Umfeld macht er damit unglücklich.

Alle drei befinden sich in einer Negativspirale von zu hohen Erwartungen und ungenügender Leistung. Gehört eine Person nur einer Art an, führt das allein schon zu permanenter Frustration und Stress. Wenn aber eine Person mehrere Arten von Perfektionismus in sich vereint – und das tun viele – potenziert sich das Un-Glück und die Wahrscheinlichkeit, sich selbst in einen Burn-Out oder sein Umfeld zur Weissglut zu treiben. Oder beides.

Es lohnt sich aber, diese Unterschiede zu kennen und sich selbst zu reflektieren, denn erst dann können sie an die Bewältigung gehen. Zudem sind die Lösungsansätze unterschiedlich je nach Art bzw. Kombination des Perfektionismus. Aber alle führen über

  • konsequente Auseinandersetzung mit sich, seinen Werten und denen seiner Umwelt
  • die Akzeptanz und Wertschätzung der Unvollkommenheit
  • die Entwicklung von mehr Toleranz sich und anderen gegenüber
  • die Neukalibrierung von Erwartungen

Der Weg raus aus dem Dilemma des Perfektionismus ist meist lang, aber er lohnt sich, weil so viele Glücks- und Freiheitsgefühle damit verbunden sind, wenn sie den bzw. die Stachel nicht mehr spüren. Meistens ist er wie bei mir durch Prägung in der Kindheit entstanden – was nicht bedeutet, dass man ihn nicht loswerden kann. Aber alles, was wir in der Kindheit tief in unser Hirn eingebrannt haben, braucht Zeit und Selbstreflektion sowie innere Dialoge, um sich zu ändern. Aber es ist änderbar und je früher sie anfangen, desto einfacher wird es!

Ich habe es auch geschafft, meine Perfektions-Dreierkombi aufzubrechen. Heute bin ich nur noch selektiv perfektionistisch. Es ist ein ganz anderes Leben. Wie eine Hose aus Samt – ohne Stachel 🙂

Innensicht – der Weg zu mehr Widerstandsfähigkeit

Kennen sie das Gefühl, wenn sie sich so gar nicht wohl in ihrer Haut fühlen? Wenn sie merken sie laufen irgendwie «nicht rund», aber es ist undefinierbar. Was machen sie an solchen Tagen bei der Arbeit?

Die meisten von uns wollen trotzdem funktionieren. Sich nichts anmerken lassen. Kaffee drüberschütten und los. The show must schliesslich go on!

Manchmal lohnt es sich aber, mal innezuhalten. Vor allem, wenn man solche «vermatschten» Tage immer mal wieder hat.

Haben sie schon mal bewusst «in sich gelauscht»? Versucht, dieses komische, schlechte Gefühl zu beschreiben. Wo befindet es sich? Aussen? Innen? Wandert es vielleicht? Wie fühlt es sich genau an? Warm? Kalt? Zitternd? Was möchte es ihnen vielleicht sagen?

Im Gegensatz zur «Exterozeption» (unsere bekannten 5 Sinne nach aussen) richtet sich die sogenannte Interozeption nach innen. Das Hirn erhält ununterbrochen Signale unseres Körpers, die ins Denken integriert werden und jeden unserer Gedanken beeinflussen. Menschen, die Schmerzen haben, die Fieber haben, die hungrig sind usw. sind schlechte Kollegen. Ihre Fähigkeiten zu guten Entscheidungen, Kooperationsbereitschaft oder emotionaler Ausgeglichenheit sind stark eingeschränkt. Sie sind meist in ihrem Denken und Entscheiden rigide und unflexibel, oft ist es ihnen jedoch nicht bewusst, sie haben einfach «schlechte Laune».

Das Bewusstsein über den Zustand des eigenen Körpers ist eine Fähigkeit, die uns nicht nur zu guten Kollegen macht, sondern uns auch gesund erhält. Wieviele Sportler – und wieviele Berufstätige – ignorieren jahrelang alle Warnzeichen ihres Körpers? oder bemerken sie gar nicht erst, bis es zu spät ist und irreparable Schäden entstanden sind oder es zu einem psychischen Kollaps kommt. Das ist dann der Zeitpunkt, wo der eigene Körper keine Geduld mehr hat mit dem Kopf, der EINFACH  NICHT  ZUHÖREN WILL!

Psychische Krankheiten sind heute die Nr. 1 Arbeitnehmer-Krankheiten. In Deutschland allein gab es gemäss statista.de 2019 rund 185.000 Burn-out-Betroffene mit kulminierten 4,3 Millionen Krankheitstagen – das sind täglich fast 500 Menschen, die wegen Überlastung «umkippen». Corona hat diese Zahlen nur noch verstärkt.

Auf der positiven Seite gibt es mittlerweile haufenweise Studien, die beweisen, dass eine gute Interozeption, also ein gutes Gefühl für die Befindlichkeit des eigenen Körpers sowie eine angemessene Reaktion darauf (daran hapert es meist) auch die Resilienz/Widerstandsfähigkeit und Grundenergie des Menschen verbessert.

Also… bevor es kracht, immer mal wieder innehalten und das eigene Körpergefühl stärken: aktiv in sich hören, Gefühle und Befindlichkeiten benennen. Sich fragen: wie fühlt sich mein Körper an? Wo spüre ich was? Wie strömt mein Atem durch die Lungen?

Das erdet und macht widerstandsfähiger.

Brauchen wir Ziele im Leben?

Sie können den Podcast anhören oder bequem den Text dazu lesen.

Ich habe sie immer beneidet: die Menschen, die ein klares Ziel im Leben haben. Meine beste Freundin in der Grundschule wusste schon als 6-jährige, dass sie einmal Ärztin werden wollte. Ich hatte immer noch keinen Plan, was ich mit meinem Leben anfangen sollte, als ich 13 Jahre später mit der Schule fertig war. Konnte mir auch nichts vorstellen unter dem, was mir so vorgeschlagen wurde: Bürokauffrau… Physiotherapeutin… Rechtsanwältin… Versicherungsangestellte… Managerin…

Meine Ziellosigkeit zog sich durch in meinem Leben. In den 20 Jahren nach der Schule machte ich vieles, zog 20mal um, lebte in 4 verschiedenen Ländern. Und nun jetzt, einige (viele) Falten und graue Haare später, schaue ich zurück auf den Weg, den ich in 30 Jahren gemacht habe und stelle fest, dass der eigentlich richtig klasse war. So ein wenig planlos, teilweise aber auch sehr fokussiert, wenn mich etwas gefesselt hat. Und in Retrospekt muss ich sagen: diese ganze Schwafelei an die Kinder ran, sie sollen sich überlegen, was sie einmal werden wollen, macht doch nur unnötigen Druck.

Ich bin nicht gegen Ziellosigkeit. Überhaupt nicht. Im Gegenteil. Wer ein klares Ziel vor Augen hat, der kommt dort auch hin. Und das schneller als andere, die noch am Blümchen pflücken sind, wenn der andere schon das Sektglas in der Hand hat. Ich sass auch in Rennwagen am Steuer mit dem Fuss auf dem Gaspedal, wenn ich wusste, wohin ich wollte. Aber das Leben ist doch wie ein Himmel an einem Tag in England. Blauer Himmel, viele Wolken, ab und zu ein – schon mal – kräftiger Regenschauer. Dass ich mal Coach werden würde, hätte ich nie gedacht. Aber nun begleite ich Menschen auf ihrem Lebensweg, oder an Lebensabschnitten. Menschen, die sich fragen: Wo geht es weiter hin?

Die Antwort ist ein Himmel voller Wolken. Malen sie ihre Wolken auf. Dabei meine ich natürlich Schönwetterwolken. Vielleicht ist es am Anfang einfach Nebel um sie herum. Aber sobald sie mal beginnen, Ideen zu entwickeln – die können auch völlig crazy sein – lichtet sich der Nebel, der Himmel wird blau und es entstehen Wölkchen am Himmel. Wie sehen die aus? Wofür steht jede einzelne? Eine Wolke kann zum Beispiel ihr privater Traum sein. Andere Wolken ihre möglichen nächsten beruflichen Stationen? Und wieder andere Länder, in denen sie sich vorstellen können, zu leben – oder Fähigkeiten, Hobbies, denen sie vielleicht einmal nachgehen möchten. Stellen sie sich vor, sie sitzen auf diesen Wolken. Wie fühlt es sich dort an? Was machen sie dort Tag für Tag? Und langsam entwickeln sich Himmelsbilder, ihre «Leben», die sich allesamt gut anfühlen können.

Die Zukunft ist oft unplanbar. Es gibt auch mal Regen oder Gewitter zwischendurch. Oder Nebel. Aber einmal weg zu gehen von der Idee, der Mensch braucht klare Ziele, öffnet ihren Horizont. Lässt sie in möglichen Optionen denken. Entspannt den Geist. Motiviert, denn sie kommen raus aus den Spurrillen, in denen sie gerade stecken, schauen wieder nach oben, werden optimistisch. Und wie man aus der Hirnforschung weiss: wenn sie hochschauen, sich aufrichten, lächeln und in Herausforderungen, Optionen und Lösungen denken, produzieren sie nicht nur Glücks- sondern auch Mut-Hormone. Mut, um den ersten Schritt in Richtung einer Veränderung zu machen. Raus aus dem Nebel. An die Sonne.Sie be

Und auf einmal blicken sie zurück und stellen fest: Coole Wolke, auf der ich grade sitze! Aber hoppla, jede Wolke kann sich auch wieder auflösen. Wohin geht’s als nächstes? Keine Ahnung? Super. Genau da will ich hin 😊

Lebe deine Träume

Lassen sie sich inspirieren von Paul, dem Frosch. Wie er es schafft, seine Ziele zu erreichen – und wie sie das auch für ihre Träume nutzen können – das hören sie in diesem Podcast.