Brauchen wir Ziele im Leben?

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Ich habe sie immer beneidet: die Menschen, die ein klares Ziel im Leben haben. Meine beste Freundin in der Grundschule wusste schon als 6-jährige, dass sie einmal Ärztin werden wollte. Ich hatte immer noch keinen Plan, was ich mit meinem Leben anfangen sollte, als ich 13 Jahre später mit der Schule fertig war. Konnte mir auch nichts vorstellen unter dem, was mir so vorgeschlagen wurde: Bürokauffrau… Physiotherapeutin… Rechtsanwältin… Versicherungsangestellte… Managerin…

Meine Ziellosigkeit zog sich durch in meinem Leben. In den 20 Jahren nach der Schule machte ich vieles, zog 20mal um, lebte in 4 verschiedenen Ländern. Und nun jetzt, einige (viele) Falten und graue Haare später, schaue ich zurück auf den Weg, den ich in 30 Jahren gemacht habe und stelle fest, dass der eigentlich richtig klasse war. So ein wenig planlos, teilweise aber auch sehr fokussiert, wenn mich etwas gefesselt hat. Und in Retrospekt muss ich sagen: diese ganze Schwafelei an die Kinder ran, sie sollen sich überlegen, was sie einmal werden wollen, macht doch nur unnötigen Druck.

Ich bin nicht gegen Ziellosigkeit. Überhaupt nicht. Im Gegenteil. Wer ein klares Ziel vor Augen hat, der kommt dort auch hin. Und das schneller als andere, die noch am Blümchen pflücken sind, wenn der andere schon das Sektglas in der Hand hat. Ich sass auch in Rennwagen am Steuer mit dem Fuss auf dem Gaspedal, wenn ich wusste, wohin ich wollte. Aber das Leben ist doch wie ein Himmel an einem Tag in England. Blauer Himmel, viele Wolken, ab und zu ein – schon mal – kräftiger Regenschauer. Dass ich mal Coach werden würde, hätte ich nie gedacht. Aber nun begleite ich Menschen auf ihrem Lebensweg, oder an Lebensabschnitten. Menschen, die sich fragen: Wo geht es weiter hin?

Die Antwort ist ein Himmel voller Wolken. Malen sie ihre Wolken auf. Dabei meine ich natürlich Schönwetterwolken. Vielleicht ist es am Anfang einfach Nebel um sie herum. Aber sobald sie mal beginnen, Ideen zu entwickeln – die können auch völlig crazy sein – lichtet sich der Nebel, der Himmel wird blau und es entstehen Wölkchen am Himmel. Wie sehen die aus? Wofür steht jede einzelne? Eine Wolke kann zum Beispiel ihr privater Traum sein. Andere Wolken ihre möglichen nächsten beruflichen Stationen? Und wieder andere Länder, in denen sie sich vorstellen können, zu leben – oder Fähigkeiten, Hobbies, denen sie vielleicht einmal nachgehen möchten. Stellen sie sich vor, sie sitzen auf diesen Wolken. Wie fühlt es sich dort an? Was machen sie dort Tag für Tag? Und langsam entwickeln sich Himmelsbilder, ihre «Leben», die sich allesamt gut anfühlen können.

Die Zukunft ist oft unplanbar. Es gibt auch mal Regen oder Gewitter zwischendurch. Oder Nebel. Aber einmal weg zu gehen von der Idee, der Mensch braucht klare Ziele, öffnet ihren Horizont. Lässt sie in möglichen Optionen denken. Entspannt den Geist. Motiviert, denn sie kommen raus aus den Spurrillen, in denen sie gerade stecken, schauen wieder nach oben, werden optimistisch. Und wie man aus der Hirnforschung weiss: wenn sie hochschauen, sich aufrichten, lächeln und in Herausforderungen, Optionen und Lösungen denken, produzieren sie nicht nur Glücks- sondern auch Mut-Hormone. Mut, um den ersten Schritt in Richtung einer Veränderung zu machen. Raus aus dem Nebel. An die Sonne.Sie be

Und auf einmal blicken sie zurück und stellen fest: Coole Wolke, auf der ich grade sitze! Aber hoppla, jede Wolke kann sich auch wieder auflösen. Wohin geht’s als nächstes? Keine Ahnung? Super. Genau da will ich hin 😊

Lebe deine Träume

Lassen sie sich inspirieren von Paul, dem Frosch. Wie er es schafft, seine Ziele zu erreichen – und wie sie das auch für ihre Träume nutzen können – das hören sie in diesem Podcast.

Wie sie ihren Fokus finden

Sich im richtigen Moment voll fokussieren können – eine der wichtigsten Komponenten mentaler Stärke. Aber wie geht das bloss?

Fragen wir lieber: was braucht es dafür? Die Antwort ist: Platz! Platz im Hirn. Unser Hirn ist wie eine Wohnung, oder eine Autobahn. Um sich in seiner Wohnung bewegen zu können, braucht es Ordnung und Platz. Damit sich Autos auf der Autobahn bewegen können, brauchen sie auch – Platz.
Wie wär’s also mit Platz schaffen im Kopf?
Wie? Durch Abschalten! Abschalten der permanenten Überstimulationen, denen wir uns aussetzen. Spotify, Social Media, WhatsApp, Emails, Pulsuhren usw. In unserem Hirn herrscht Stau, Chaos, Unordnung – und damit fehlt die Grundvoraussetzung zur Fokussierung.
Wenn sie sich also mal wieder besser konzentrieren möchten, dann fragen sie sich zuerst mal: wie schaffe ich Platz, so dass mein Hirn überhaupt eine Chance hat, einen Fokus zu finden?
Einfache Tips:

  • immer mal wieder für eine Stunde das Handy und andere Gerätschaften, die Aufmerksamkeit rauben, auf Stumm schalten
  • Elektronische Geräte zu Hause lassen, wenn sie einkaufen gehen
  • Über Nacht – sagen wir von 20 bis 7 Uhr das Handy ausschalten

    Ja, doch! Die Welt dreht sich weiter, auch wenn jegliche Elektronik aus ist. Sie verpassen nichts in der Zeit, ausser störende Ablenkungen, die ihr Hirn nur unnötige Energie kosten. Denn unser Hirn kann nicht anders als permanent überwachen, was um uns herum vorgeht. Je weniger da ist, desto besser können sie fokussieren.
    Ein toller Nebeneffekt: Wer mehr Platz hat im Hirn, wird insgesamt auch ruhiger und gelassener 😉

Kontrollverlust macht kreativ

Am Freitag geht’s in die Ferien. Juchu, endlich können wir wieder reisen. Die Vorfreude ist gross. Die Koffer und das Auto gepackt. Alle einsteigen und los geht’s. Ankunft in der Ferienwohnung am Nachmittag. So war der Plan. Zumindest in der Theorie. Aber – das Auto kommentiert diesen so fantastischen Plan mit einem grunzenden Seufzer. Dann ist Totenstille. Das war’s. Was jetzt?

Pläne gehen immer mal wieder schief, egal wie gut vorbereitet. Aus den unterschiedlichsten Gründen kommt Unvorhergesehenes dazwischen. Und auch wenn wir uns dann hundertmal sagen können: es ist nicht meine Schuld! Die schlechte Laune ist da und bleibt. Der Tag ist versaut.

Was tun in so einer Situation, um sich zu lösen von dem Ärger, der sie einfach nicht mehr loslassen will?

Wie in so vielen Situationen im Leben – nur sie selbst können es. Ist ja auch ihre schlechte Laune. Klar kann ihr Umfeld versuchen, beruhigend auf sie einzureden, aber die schlechte Laune und der Groll über Situation sitzt nun mal in ihrem Kopf. Und da fühlt er sich sauwohl.

Da hilft nur eins: raus damit! Raus mit den negativen Gedanken. Es gibt verschiedene Methoden, sich derer zu entledigen. Einen Spaziergang machen ist eine. Find ich aber langweilig. Ich tendiere zu einer Kombination von körperlichem Dampf-Ablassen und mentalem Selbstgespräch. Dampf-Ablassen geht zum Beispiel durch Schütteln. Ja, schütteln sie sich einfach. Wie ein nasser Hund. Stoppuhr stellen: 5 Minuten Minimum. Arme, Beine, Körper, Po, alles was wackeln und sich schütteln kann. Um den Kopf auch in Bewegung zu bekommen, können sie ihn mit den Fingerkuppen abklopfen. Gesicht, Kopf bis in den Nacken. Rundherum. Das tut unendlich gut. Danach sind sie schon mal viel entspannter. Vielleicht hat ihnen das auch schon ein Lächeln ins Gesicht gezaubert – allein nur weil sie sich selbst grad albern finden. Nur zu Lächeln ist ebenfalls eine super Methode, dem Hirn zu sagen, dass sie (eigentlich) gut drauf sind.

Für das kognitive Loslassen können sie sich ein paar Fragen zurechtlegen, um Abstand zu nehmen vom Hier und Jetzt, indem sie grade feststecken. Zum Beispiel:

  • Das was jetzt gerade passiert ist – ist es in einem Jahr noch wichtig? => In 99% der Fälle ist die Antwort Nein.
  • Was ist gut an dieser Situation? Gar nichts? Dann denken sie nochmal nach! Jede unvorhergesehene Situation macht uns flexibler. Wir lernen Improvisation. Werden kreativ, weil wir eine Lösung zum aktuellen Dilemma suchen. Etwas das sie vorhatten und jetzt nicht machen können, gibt ihnen das Kapazität für etwas anderes, was sie stattdessen tun können – und was ihnen guttut. Ja, wegen mir auch die Tafel Schoggi. Nervennahrung…

Meine Mutter hat immer gesagt: nichts ist so schlimm, dass es nicht für irgendetwas gut ist.

Wir wollen immer alles unter Kontrolle haben. Warum? Das macht uns doch nur gemütlich – und das Leben langweilig. Und wer will schon ein langweiliges Leben?

Intuition – wenn der Bauch mehr weiss als der Kopf

Während meiner Zeit in der Unternehmensberatung, in der ich viel reiste, lebte ich für die Dauer der Projekte jeweils von Montag bis Freitag im Hotel. Auch wenn es nicht mein Ding war, abends allein im Restaurant oder an der Bar zu sein, kam es doch ab und zu mal vor. Eines Abends sitze ich an der Hotelbar und schwatze mit dem Barkeeper, da setzt sich ein Mann zu mir und fängt ein Gespräch an. Er war interessant, wortgewandt und durchaus charmant. Es war unterhaltsam, was er so erzählte von sich. Er war viel rumgekommen und es entwickelte sich ein gutes Gespräch, auch wenn ich irgendwann fand, er trug gar ein wenig viel auf, als er von seiner Villa in Italien und seinem Lamborghini erzählte. Nach einer Weile wollte ich mich verabschieden, da lud er mich ein, ob ich nicht am späteren Abend noch zu einer Party in seine Hotelsuite kommen wollte. Er hätte Geburtstag und es kämen noch ein paar andere Gäste. Ich lehnte dankend ab und war auch ganz froh um die Ausrede des wichtigen Workshops am nächsten Tag. Als ich wieder auf meinem Zimmer war und über den Herrn nachdachte, verstärkte sich mein komisches Bauchgefühl. Irgendwie waren mir seine Geschichten etwas zu dick aufgetragen, oder passten nicht so richtig zusammen. Aber so recht greifen konnte ich es nicht.

Am nächsten Abend gehe ich also wieder an die Hotelbar. Wieder derselbe Barkeeper. Kaum setz ich mich auf meinen Hocker, da legt er schon los: ob ich mich an den Typ vom Abend vorher erinnere. «Ja, Klar» Sag ich so, «etwas schillernde Person» rutscht es mir raus. Da nickt der Barkeeper und erzählt mir, dass der Mann kurz nach mir die Bar verlassen hätte. Seine Rechnung hätte er auf sein Zimmer schreiben lassen. Nur hätte sich am nächsten Tag herausgestellt, dass in dem Zimmer gar kein Gast übernachtete. Die darauf gerufene Polizei identifizierte den Typ anhand der Beschreibung als polizeilich gesuchten Hochstapler. Schon wieder sei er ihnen entwischt.

Wow! Ich war echt perplex. Aber hatte mein Bauchgefühl mich nicht sowieso schon gewarnt? Es waren rote Lämpchen angegangen während der Unterhaltung. Sowas nennt man Intuition.

Intuition können wir nicht greifen, da sie sich so schlecht in Worte fassen lässt. Ich hab das mal recherchiert in der Hirnforschung – und habe Interessantes herausgefunden: Bauchgefühl kann eine Erinnerung an eine Erfahrung sein, an die man sich nicht mehr bewusst erinnern kann. Die Wissenschaft hat das Rätsel um Intuition noch lange nicht gelöst. Physiologisch ist es ultra-komplex. Aber mittlweile weiss man, dass Erfahrungen im zentralen Nervensystems der Wirbelsäule und in den Neuronen des Verdauungssytems gespeichert werden. Nur leider können wir mit dem «Bauch-Gedächtnis» genau diese Erinnerungen, die dort gelagert sind, nicht in Worte fassen. In der Wissenschaft wird unser Bauch-Gedächtnis manchmal auch als 2. Hirn bezeichnet.

Mehr und mehr findet man heraus, dass sich unser Kopf-Hirn und unser Bauch-Hirn gegenseitig beeinflussen. Ebenfalls ist erwiesen, dass unsere Emotionen und spontane Reaktionen stark durch Hormone und Neurotransmitter beeinflusst werden, die in unserem Bauch produziert werden. Prominentestes Beispiel: Serotonin, das Glückshormon.

Bevor wir überhaupt einen bewussten Gedanken fassen können, ist alles, was wir wahrnehmen, bereits durch unser emotionales Gedächtnis «gewaschen» worden – und das wird vom Bauchgefühl massiv gefüttert.

Einmal mehr eine Bestätigung, dass wir über alle wichtigen Entscheide, die wir rational zu begründen versuchen – also mit logisch nachvollziehbaren, gut begründeten Fakten – unser Bauch-Hirn nochmals «drüberschauen» lassen sollten. Denn vielleicht weiss es was, was wir nicht mehr wissen 😉

Sei frech, und wild, und wunderbar !

Vor ein paar Tagen hatte ich mal wieder einen – Coronakonformen – Zoom Call mit einer guten alten Arbeitskollegin aus Bankenzeiten. Sie ist eine der Frauen, die einfach alles hat, was es heute braucht, um ganz nach oben zu kommen. Die Türen stehen ihr offen. Ihre Vorgesetzten pushen sie, wo sie können, geben ihr die notwendige Visibilität, Führungsverantwortung, exzellente Jahresendbewertungen. Der rote Teppich liegt vor ihr. Sie muss nur drauftreten.

Aber – sie will nicht. Sie traut es sich nicht zu, noch mehr Verantwortung zu übernehmen, als sie schon hat. Obwohl sie alles richtig macht. Sie hat Hemmungen vor wichtigen Leuten – auch online – ein Meeting zu führen oder eine Präsentation zu halten. Sich zu «exponieren». Sich einfach mal das zuzutrauen, was andere ihr zutrauen – auch wenn sie es noch nie gemacht hat.

Jetzt kann man sagen: OK, das ist doch ein Einzelfall. Sorry, nein, ist es leider nicht. Noch immer gibt es so viele Frauen, die könnten, aber nicht wollen oder wollen würden, es aber sich nicht zutrauen, den nächsten Schritt auf der Karriereleiter zu machen. Aus Angst zu versagen, sich zu exponieren, nicht mehr gemocht oder womöglich beneidet zu werden. Nur weil heute die Firmen Quoten eingeführt haben und händeringend nach Frauen suchen, die die Karriereleiter hochsteigen möchten, heisst das nicht, dass sich das Mindset der Frauen über Nacht geändert hat. Für die, die über das notwendige Selbstbewusstsein verfügen, ist es ein Segen, dass ihnen endlich dieselben Türen offenstehen wie den Männern. Aber Frauen, die heute ins Senior Management von Grossunternehmen aufsteigen könnten oder sollten, kamen nun mal vor 1-2 Generationen auf die Welt und wurden von einer – heute altmodisch anmutenden – Welt geprägt, in der die meisten Mädchen doch bitte nett, adrett und bescheiden zu sein hatten. Das biegt man nicht einfach mal so um. Mit ein paar Trainings ist es nicht getan. Da geht frau hin, wird einen Tag oder auch mehrere berieselt mit Techniken, die frau anwenden könnte – und dann geht sie an ihren Arbeitsplatz zurück und das Leben geht genauso weiter wie vorher. Und die, die zu sehr gepusht werden, sind eines Tages verheizt.

Fehlendes Selbstbewusstsein und Glaube an die eigenen Fähigkeiten biegt man nicht einfach mal so um von einen Tag auf den anderen hin. Selbstbewusstsein ist ein komplexes Gebilde. Es ist ein langer und individuell sehr unterschiedlicher Weg, bis frau sich mehr zutraut. Und am Anfang davon steht die Intention: «JA ICH WILL! Und ich bin bereit, an mir zu arbeiten»

Ein grosser Schritt in den Firmen ist getan: die Türen stehen auf. Ebenso gibt es firmeninterne Mentoring- und Förderprogramme, die langsam beginnen zu wirken. Aber um Frauen wie meine alte Kollegin, die wirklich riesiges Potential haben, denen aber der Glaube an sich selbst fehlt, zum Durchschreiten der Tür zu bewegen, braucht es noch viel mehr individuelle und zielgerichtete Unterstützung, Geduld – auch vom Umfeld – sowie die Vermittlung schon von Kindesbeinen an, dass Mädchen bitte nicht nur nett, adrett und von allen geliebt werden sollen.

Wie sagte Astrid Lindgren so schön: sei frech, und wild, und wunderbar!

Mein Leitspruch 😊

Die innere Uhr

Was hab ich früher die Nächte durchgefeiert. Erst spät abends zogen wir los und tanzten die Nacht durch, bis man uns aus dem Club – damals hiess das noch Disco – morgens rausschmiss, um dann bei irgendjemandem zu Hause weiterzumachen. Den Tag drauf verschlief ich oder funktionierte schlecht auf Basis von Koffein und Alka Selzer. Schon kurz nach meiner Schulzeit verschwand aber das Bedürfnis nach durchgezechten Nächten in gleichem Mass wie mein Bedürfnis nach Schlaf wuchs. Ich mutierte von der Partynudel zum Partyflüchtling. Eine Stimme in meinem Ohr fing spätestens um 11Uhr abends zu flüstern: «Matratzenhorchdienst – auf nach Hause» Der Drang wurde jeweils so stark, dass ich eigentlich immer die erste war – und auch heute noch bin – die eine Gesellschaft verliess. Manchmal wurde ich «Schlafmütze» genannt. IMMER hatte ich ein schlechtes Gewissen. Es war selten so, dass mir die Party nicht gefallen hätte – ich war halt einfach müde.

Seit einiger Zeit befasse ich mich mit Hirnforschung, speziell Schlaf, und frage mich: Warum musste ich so alt werden, um endlich mit meinem schlechten Gewissen ins Reine zu kommen?

Die Antwort auf die Frage: warum werde ich abends immer so früh müde? tönt ziemlich kompliziert: Circadianer Rhythmus. Unter dem Namen «Innere Uhr» kennt sie jeder. Aber wussten sie auch, dass die bei den meisten Menschen eiert, mal plump gesagt? Anstatt brav im 24-Stunden Rhythmus zu ticken, wie sich das gehört, geht sie bei den meisten Menschen etwas nach. Das heisst, nach 24 Stunden ist der Tag noch nicht rum.

Der durchschnittliche Tag beträgt nämlich 24h 11’. Also mehr Menschen sind Nachteulen, wie meine früheren Freundinnen. Oft haben sie Mühe, den Weg ins Bett zu finden. Im Gegensatz dazu sind weniger als die Hälfte Lerchen – so wie ich. Meine Gattung wacht automatisch früh auf, aber der Tag scheint dafür manchmal endlos. Dazu kommt noch, dass diese innere Uhr in den verschiedenen Lebensphasen unterschiedlich tickt. Eine Metamorphose von Nachteule zu Lerche ist durchaus möglich.

Gegen diesen individuellen Schlafrhythmus anzugehen, ist kontraproduktiv und auf Dauer gesundheitsschädlich. Es ist nachgewiesen, dass die Schlafphasen, die man durch erzwungenes Wachsein oder verfrühtes Aufstehen verliert, nicht nach- oder vorgeholt werden können. Damit wird auf Dauer das Hirn in seiner Leistungsfähigkeit stark beeinträchtigt.

Besser ist es, sich dem zu fügen, und zu versuchen, seinen eigenen Tag danach einzurichten – und seinen Teenagern, KollegInnen und Mitarbeitern so tolerant wie möglich gegenüber zu sein, wenn sie einfach von Hause aus einen anderen Tagesrhythmus haben. Die, die sich ihrem natürlichen Schlafbedürfnis beugen, sind langfristig gesünder, leistungs- und widerstandsfähiger.

Steh für dich ein!

Kommentar meines Vorgesetzten, als ich nach 12 Stunden Arbeit mal schon um 1930 das Büro verliess, während meine Kollegen alle noch fleissig waren: «Du gehst schon? Hast du einen halben Tag freigenommen?»

Diese halbspassig, aber auch halb-ernst gemeinte Frage aus meiner lang zurückliegenden Zeit in der Unternehmensberatung hat mich nie losgelassen. Wir waren ein Team von Beratern, wöchentlich aus verschiedenen Ländern eingeflogen für ein Projekt, das ein gutes Jahr dauerte in einem grossen Unternehmen. Wir wohnten im Hotel und arbeiteten viel. Die Arbeitstage waren lang und auch am Wochenende waren wir alle oft am Schreibtisch. An dem einen Abend wollte ich mich mit einem alten Studienkollegen treffen, der auch gerade in der Stadt war.

Als engagierte Mitarbeiterin mit beruflichen Ambitionen fuhr mir diese Frage bis ins Mark. Meine Gedanken drehten sich: Er hat Recht. Das geht doch nicht, dass ich jetzt einfach gehe! Es ist ungerecht und egoistisch gegenüber meinen Kollegen. Wo bleibt da die Solidarität? Aber in mir rebellierte es. Warum nicht, verdammt noch mal? Ich hab meinen Tag so eingeteilt, dass ich jetzt SCHON gehen kann. Habe alle meine Arbeit erledigt, den nächsten Tag vorbereitet und überhaupt: ich will auch mal leben!

Nach einem Moment Pause, in dem mir all das durch den Kopf schoss, antwortete ich, ebenfalls halb spassig, und halb-ernst: «wenn du mich einmal erwischt, dass ich meine Arbeit nicht erledigt habe, dann darfst du gern kommen und mir ein Leben verbieten: das ist heute nicht der Fall. Bis es soweit ist, lebe ich»

Ich hatte einen fantastischen Abend.

Und noch viele weitere – danach trauten sich sogar meine Kollegen, mal den Arbeitsabend «frei» zu nehmen.

Schreiben beflügelt

Wann haben sie das letzte Mal etwas anderes als die Einkaufliste, eine kurze Notiz für ihr Kind, das aktuelle Datum oder ihre Unterschrift mit einem Stift auf ein Blatt Papier geschrieben? Ich meine so richtige Sätze. Absätze. Gedanken in eine Abfolge niedergeschrieben.
Bevor ich mich angefangen habe, mit der Nutzung von Hirnforschung für beruflichen Erfolg auseinander zu setzen, war es sicher schon Jahrzehnte her, dass ich mehr als zwei Sätze zu Papier gebracht habe, ohne dabei den Umweg über eine Tastatur zu gehen. Hat auch damit zu tun, dass ich meine eigene Handschrift schon am nächsten Tag nicht mehr entziffern kann. Etwas mit der Hand schreiben war mir immer peinlich deswegen.
Ich schreibe das allermeiste wie Sie sicher auch mit dem Computer. Während meiner Ausbildung zum professionellen Coach wurden wir immer wieder angehalten, unsere Kunden ihre Coaching-Ziele per Hand aufschreiben zu lassen. Ein vollständiger Satz. Und nicht nur bei meinen Kunden, ebenso bei mir begann ich festzustellen, dass da oben in Kopf etwas ins Rollen kommt, wenn ich versuche, einen klar formulierten Satz in korrekter Grammatik auf ein Blatt Papier zu schreiben.
Hirnforschung bestätigt vieles, das ich bisher nur erahnt habe – und was mich veranlasst hat, einen Selbstversuch zu starten. Nämlich abends, bevor ich das Licht ausmache, einen schriftlichen Rückblick auf meinen Tag zu machen, morgens nach dem Aufwachen meine Gedanken aufzuschreiben, sowie für jeden Tag eine Absichtserklärung zu verfassen. Mit Stift. Auf Papier. Dauert nie mehr als 5-10 Minuten.
Aus der Neurowissenschaft der letzten Jahre kann nun vieles belegt werden:

  • Schreiben mit der Hand ist wie Meditieren. Es bringt uns «runter», bremst die Hektik, mit der wir konfrontiert sind, aus und zwingt uns, langsam – und sorgfältiger zu denken
  • Beim Schreiben mit der Hand werden viel mehr Hirnregionen genutzt als beim reinen «Denken» oder Tippen. Unser Arbeitsgedächtnis kommt in Schwung. Die Regionen zuständig für Sprache, Logik werden angeregt
  • Niedergeschriebenes wird viel besser im Langzeitgedächtnis abgespeichert, da es durch viel mehr Hirnregionen gereist ist. Selbst-generiertes bleibt kleben! Der schöne Nebeneffekt: Niedergeschriebenes kann man als Erinnerungsstütze an die Wand hängen
  • Menschen, die ihre Ziele handschriftlich festhalten, haben eine bis zu 40% höhere Wahrscheinlichkeit, diese auch zu erreichen
  • Schreiben stimmt uns positiv. Sorgen, die durch die Hand aufs Papier geflossen sind, sind «weg»
  • Schreiben ist wie Hirnjogging. Es ist nicht nur anstrengend für die Hand (ich bekomme regelmässig einen Krampf), sondern auch sehr anstrengend für unser Gehirn – welches dafür aber auch agiler wird
  • Menschen, die regelmässig ein Tagebuch schreiben, und darin aufschreiben, für was sie dankbar sind oder was sie selbst gut gemacht haben, sind nachweislich gelassener und glücklicher

    Mein Selbstversuch begann mit 2 Wochen und ist zur Routine geworden. Ich bemerke bei mir, dass ich im Laufe des Tages auf meine Absichtserklärung vom Morgen zurückgreife und so viel fokussierter an dem arbeite, was ich mir vorgenommen habe. Was ich auch merke ist, dass ich aufmerksamer durch die Gegend laufe, denn ich möchte abends in der Lage sein aufzuschreiben, was an dem Tag schön war und was mir Freude bereitet hat.

Absichtserklärungen – wie sie ihre Ziele erreichen und dabei noch lästige Aufgaben erledigen

Schon wieder Freitag… und das Angebot ist noch nicht geschrieben, das Auto nicht gewaschen und auch sonst ist vieles liegengeblieben… Wie sie ihre Ziele erreichen können, in dem sie sich selbst darauf programmieren, erfahren sie in meinem neuesten Beitrag – wissenschaftlich belegt. Auf dass es nächste Woche klappt mit dem, was sie sich vornehmen.

http://www.goalband.co.uk/the-research.html