Leben oder gelebt werden

Bis 30 ist das Leben toll. Alles kommt irgendwann zum ersten Mal. Der erste Freund, der erste Job, die erste Beförderung, vielleicht auch schon das erste Kind. Dann geht´s vielleicht noch ein paar Jahre weiter bergauf im Job und im Leben. Ja, und dann?

Spätestens mit 40 haben so ziemlich alle ihre „ersten Male“ erlebt – und werden gemütlich. Wir bauen uns unsere Komfortzonen. Da fühlen wir uns wohl. Wir nisten uns ein, werden immer risikoaverser, beginnen uns immer mehr zu fürchten, jemand könnte uns was streitig machen oder wegnehmen – und leben vor uns hin, warten…. Ja auf was? Auf was eigentlich?

Spätestens ab 50 warten viele auf ihren Ruhestand. Sind gefangen in einem Job, der sie nicht mehr ausfüllt, täglich stresst, aber trauen sich nicht, etwas zu ändern – aus Angst, Status, Geld, Sicherheit zu verlieren. Und werden damit zu Insassen ihrer selbstgebauten Käfige. Wie oft habe ich diese Aussage von Arbeitskollegen gehört: „Bis zur Pensionierung muss ich noch durchhalten“ – zu oft zum Zählen. Gerade in grossen Firmen ist das ein Thema.

Was ist das für eine Aussage?! Welche Hoffnungslosigkeit, welche Resignation steckt darin?

Es ist doch nie zu spät, etwas Neues anzufangen. Ja, ja, ich weiss, Finanzen und so. Aber ehrlich gesagt: wieviel Geld, wieviel Platz und wieviel Kram braucht der Mensch zum Leben? Glück – und das haben viele Forschungen gezeigt, kommt von innen.

Die moderne Hirnforschung hat es in den letzten Jahren immer wieder bestätigt: die menschliche Persönlichkeit, unser Hirn und unser Körper, entwickeln sich lebenslang. Ob wir es wollen oder nicht. Wenn du dieses Potentialnicht nutzt, lässt du dich leben. Von aussen. Oder du kannst entscheiden, auch mit ein paar grauen Haaren noch mit offenen Augen durch die Welt zu laufen. Es ist praktisch nie zu spät, etwas zum ersten Mal zu tun.

Warum wählen dann so viele Menschen die Option, stehen zu bleiben, wenn die Zeit der „ersten Male“ doch erst dann vorbei ist, wenn wir das selbst entscheiden?

Ich hab keine Antwort darauf – die hat jeder selbst, der entschieden hat, stehen zu bleiben. Aber jeder, den es auch nur in einer Abteilung seines Lebens juckt, doch mal wieder dieses fantastische Gefühl des „ersten Mals“ zu bekommen, der wird sich hinterher zufrieden und glücklich fühlen, denn er hat vielleicht nur einen kleinen Schritt aus seiner Komfortzone gewagt, aber einen grossen in Richtung Lebensglück. Das fühlt sich einfach irre an! Und wer weiss, vielleicht ist es der erste Schritt zu einer langfristigen Veränderung.

Auch grosse Veränderungen beginnen praktisch immer mit kleinen Schritten. Die Richtung wechseln ist dabei jederzeit möglich.

Ein schönes Sprichwort sagt: Die beste Methode, die Zukunft zu vorauszusagen, ist sie selbst zu erfinden.

Du kannst klein anfangen. Jeden Tag dein „erstes Mal“ erfinden: Einen Waldspaziergang machen. Einen anderen Weg zur Arbeit nehmen. Eine neue Teesorte ausprobieren. Barfuss auf der Wiese laufen. An der Haltestelle stehen und jemand anderen anlächeln.

Schon allein dadurch bewegt sich dein Blick nach vorn, in die Zukunft, beim Gedanken, was du heute einfach mal anders oder neu machst. Du wirst staunen, was sich daraus ergibt 😊

Der erste Schritt raus aus den Selbstzweifeln

Paula hat einen guten Job. Sie hat schon einige Jahre Berufserfahrung. Sie wird anerkannt. Ihre Vorgesetzen möchten sie fördern. Auch fragt sie sich, wo sie hinmöchte. Den Job wechseln? Eine Beförderung anstreben? Sie weiss auch, dass sie im Vergleich zu ihren Kollegen weniger verdient für dieselbe Arbeit. (Ja, das gibt es immer noch heutzutage. Wenn du nicht danach fragst, passiert nichts!).

Aber sie zögert. Traut sich nicht. Auch wenn sie weiss, sie könnte mehr Verantwortung übernehmen, zweifelt sie. Kann ich das wirklich? Was passiert, wenn ich nach mehr Gehalt frage? Was denken die anderen, wenn ich befördert werde?

Mit diesen Gedanken – das weiss sie ja eigentlich – blockiert Paula sich selbst. Lieber nichts wagen, dann kann ich auch nichts falsch machen. Dann werde ich auch nicht enttäuscht.

Merkt ihr was? Genau. Das ist ein Teufelskreis. Es gab einmal ein Lied während der ersten «deutschen Welle», in dem sang jemand: Du wirst immer nur noch kleiner, wenn du weinst!

An das muss ich immer denken, wenn meine KundInnen über Selbstzweifel klagen.

Die gute Nachricht: Don’t worry. Auch wenn es so scheint, die allermeisten anderen Menschen haben auch Selbstzweifel. Oft. Sehr oft! Ich auch. Genauso wenig wie du anderen ansiehst, dass sie von Selbstzweifeln geplagt sind, sehen andere dir an, was dir gerade Negatives durch den Kopf geht.

Wie kommst du da raus? Na, indem du aufhörst zu weinen. Tönt einfach. Ist es aber nicht. Selbstzweifel werden uns meist in der Kindheit antrainiert – und sie bleiben hartnäckig bestehen. Leider bei Frauen mehr als bei Männern – aber auch die haben sie. Ehrlich!

Der erste Schritt ist: setz bei dir an. Raus aus den Selbstzweifeln kommst du nur, wenn du anerkennst, dass auch Du vieles sehr gut – und besser als die anderen – machst.

Anstatt Erfolge auf deine Kollegen oder Mitarbeiter, glückliche Umstände, oder das Missgeschick anderer zurückzuführen – und Misserfolge auf deine eigene Unzulänglichkeit, frag dich täglich, abends, vor dem Einschlafen:

  • Was habe ICH heute gut gemacht? (Ja! Du! Nicht die anderen!)

Auch wenn es am Anfang nur kleine Sachen sind, auf die du vielleicht kommst, so wirst du dich über die Zeit selbst positiver sehen und ein Bewusstsein bekommen für das, was du kannst, anstatt das, was dir fehlt.

Das ist der erste Schritt in Richtung Selbstvertrauen. Es braucht nicht mehr als deinen Willen, etwas zu ändern. Und der kostenlose Bonus ist: du wirst besser schlafen, denn du gehst mit positiven Gedanken ins Bett!

Persönliches Feedback geben

Persönliches Feedback geben

Da war er wieder. Dieser furchtbare Geruch dieses schrecklichen Parfüms. Süsslich. Aufdringlich. Betäubend. Er kündigte jeweils meine Arbeitskollegin zu unserem wöchentlichen Meeting an. Wie eine Wand schob sie diese Wolke unsichtbar und doch so präsent vor sich her. Im Meeting hatte ich dann immer das Gefühl, in dem Geruch zu ersticken – und Mühe, mich professionell auf das Thema zu konzentrieren. Manchmal kam es vor, dass ich in einen leeren Meetingraum kam, in dem sich der Geruch ihres Parfüms noch lange aufhielt, wenn sie schon längst woanders war. Uuuuaaaahhhh!

Zugegeben, Geschmäcker sind verschieden, egal ob es sich da um Kleider, Kunst oder eben Gerüche handelt. Zum Glück sind wir alle anders. Eigentlich ist alles Geschmack- oder Ansichtssache im Leben. Das Problem an Gerüchen ist, dass Gerüche nicht, wie alle anderen Sinneseindrücke einen Umweg über unseren Hinterkopf machen, bevor sie Emotionen auslösen, sondern einen direkten Draht genau dorthin haben, wo unser Hirn emotional Freude oder Leid erzeugt.

So kam es, dass ich auf Dauer eine überschwängliche Dringlichkeit empfand, diesem, meinem gefühlten, Leiden ein Ende zu setzen. Aber wie sagst du so etwas Persönliches jemandem am Arbeitsplatz? Im Freundeskreis oder innerhalb der Familie – ok, da kennt man sich besser. Da geht sowas eher. Aber bei der Arbeit?

Ich recherchierte das Thema. Oft hatte ich das Feedback erhalten, dass ich selbst «fadengrad» sei, d.h. dass ich meine Meinung durchaus Kund tun konnte. Aber in dieser heiklen Situation empfand ich das nicht wirklich als Vorteil, denn was wusste ich denn, wie die Kollegin auf mein Feedback reagieren würde?

Nach wochenlangem Rumlavieren hatte ich meine Strategie zusammen und passte einen guten Tag ab. Ohne zu viele andere Meetings oder dringende Deadlines. Ich lud sie zu einem spontanen Meeting ein, eher zwischendurch. «Du, ich hätte da was, das ich mal mit dir unter 4 Augen besprechen möchte, wann hättest du Zeit?» Sie war natürlich neugierig, was ich wohl wollte. Dann ging es schnell.

Wie ich es mir zusammengelegt hatte

  1. Um Erlaubnis fragen, Feedback geben zu dürfen
    • Ich fragte sie, ob ich ihr ein sehr persönliches Feedback geben dürfte, das nicht direkt mit der Arbeit zu tun hat
  2. Mit etwas Positivem beginnen
    • Ich sagte, dass ich sie als Kollegin sehr schätze und sehr gern mit ihr zusammenarbeite
  3. Erläutern, wie das Gegenüber auf mich wirkt. Diese Art des Feedbacks eignet sich auch für Verhalten, das jemand anderes zeigt.
    • Ich erläuterte, dass mein Geruchssinn sehr stark reagiert auf das Parfüm, das sie trägt. Er sogar anschlägt, wenn sie einen Sitzungsraum bereits verlassen hat. Ich deshalb oft abgelenkt sei, da es mir sehr schwer fällt, mich daran zu gewöhnen
  4. Verständnis signalisieren
    • Ich fügte an, dass ich natürlich verstehe, dass das reine Geschmackssache ist. Und ich auch akzeptieren würde, wenn sie nichts verändern möchte.
  5. Dem Gegenüber alle Optionen geben
    • Als letztes fragte ich sie, ob sie eine Möglichkeit sähe, die Intensität des Parfüms zu reduzieren?

Zum Glück reagierte sie sehr positiv, bedankte sich sogar. Das sei ihr gar nicht bewusst. Womöglich sei ich nicht die Einzige, der das auffällt. (Anm: das stimmte. Auch andere hatten diesbezüglich Bemerkungen gemacht) Von jetzt an würde sie darauf ganz verzichten.

So einfach schien es auf einmal zu sein. Warum hatte ich nur so lange gewartet?

Irgendetwas hatte ich richtig gemacht. Wir sind heute noch sehr gut befreundet.

Gedanken zum Krieg in der Ukraine

Heute war ich mal wieder auf dem Friedhof von Zollikon. Nicht um jemanden zu besuchen, sondern weil es für mich ein Hof des Friedens ist – wie der Name impliziert. Dass dort Verstorbene ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, stört mich gar nicht. Nach den letzten 13 Tagen des Krieges in der Ukraine brauchte ich diese Ruhe, den dieser Ort auf mich ausstrahlt. Auch an einem Nachmittag bei schönstem Wetter war ich dort völlig allein.

Es ist eher eine Parkanlage mit Bäumen, Brunnen und Blumenbeeten, die alle noch im Winterschlaf liegen. Einzelne Stühle und Bänke laden zum Verweilen ein. Man hört nur die Vögel zwitschern. Ansonsten ist es völlig still.

Natürlich musste ich an die vielen Menschen in der Ukraine denken, die gerade den Tod fürchten müssen. Ihn womöglich auch «erleben» werden – und nicht die Freiheit haben, an so einem wunderschönen Ort begraben zu werden wie dem Friedhof von Zollikon.

Die Welt schaut auf die Ukraine. Mit Horror. Mit Entsetzen. Mit Ungläubigkeit über so viel Brutalität, Rücksichtslosigkeit und Machtgier eines einzelnen Mannes.

Das, was die Menschen in der Ukraine jetzt erleben, haben unsere Eltern und Grosseltern schon mal erlebt. Es ist noch gar nicht lange her, da fielen auch hier Bomben auf Städte, ebenso motiviert durch den Wahnsinn eines einzelnen machtgierigen Diktators. Nur ist es lang genug her, dass es für die allermeisten von uns – bis jetzt – ein Horror vergangener Zeiten schien, der heute nicht mehr möglich sein kann. Freiheit und Demokratie sind für uns selbstverständlich. Weit gefehlt – wie wir nun feststellen. Putin’s Krieg hat sich über viele Jahre angebahnt, ohne dass wir es erkannt hätten oder hätten wahrhaben wollen.

Klar scheint im Moment – es ist Krieg in Europa, und jeder schaut hin. Er ist erst am Anfang, und es wird schlimmer, bevor es wieder besser wird. Der Horror im täglichen Fernsehen geniesst noch die Vorspeise.

Längerfristig wird diese mittlerweile globale Krise jeden einzelnen treffen, egal ob wir die Nachrichten verfolgen oder nicht. Es hat schon begonnen. Der Liter Benzin ist innert weniger Tage über die magische Grenze von 2 Euro – oder Franken gesprungen. Energie, egal in welcher Form, wird teurer. Das trifft nicht nur die Autofahrer, sondern jeden einzelnen. Wir hatten gedacht, dass Corona endlich vorbei ist und wir wieder die Welt erobern können. Vielleicht können wir das, aber zu deutlich höheren Kosten und mit noch mehr Aufwand als vorher.

Was kann der Einzelne tun?

Jeder findet für sich heraus, wie er mit der Situation umgeht. Der eine schaltet die Nachrichten einfach ab, damit sie sein Angst- und Sorgengedächtnis nicht weiter füttern. Der andere spendet Geld, geht auf Demos, sammelt und verschickt Sachspenden oder bietet sein Haus oder Ferienwohnung den Flüchtenden an. Gelebte Solidarität und Hilfsbereitschaft.  

Aber längerfristig gilt für uns alle: wir werden die Auswirkungen der Sanktionen auf Putin und sein Gefolge am eigenen Leib erleben und mittragen müssen. Den Gürtel enger schnallen. Dabei unsere eigenen Ansichten hinterfragen und radikal ändern. Auf einmal den Bau von Windenergieanlagen zulassen, wenn wir vor 2 Wochen noch dagegen auf die Strasse gegangen wären. Den Kauf von Kampfjets befürworten, wenn das vor Tagen noch undenkbar gewesen wäre.

Putin ist grausam – aber wahrscheinlich brauchte es so etwas Furchtbares wie das, was jetzt passiert. Damit wir endlich mal aufwachen nur neuen globalen Realität. Rauskommen aus einer gemütlichen Lethargie, in die wir alle verfallen waren. Die der Selbstgefälligkeit innerhalb unserer Komfortzone. Des Negierens, dass uns das, was in anderen Teilen der Welt passiert, angehen könnte. Des Sich-Beschwerens über den Krach des Nachbarn.

Ich bin aufgewacht. Auf dem Friedhof in Zollikon. Und realisiere nicht nur oberflächlich, sondern ganz tief im Inneren: Frieden, Freiheit und Demokratie sind absolut nicht selbstverständlich und kommen nicht umsonst. Es gilt, sie zu wertschätzen, mit allen Mitteln zu erhalten und wenn nötig zu verteidigen – auch langfristig. Daran, ob wir das auch dann noch durchhalten, wenn der Horror beim Dessert ist und wir uns schon wieder anderen Neuigkeiten zugewandt haben, wird sich zeigen, wie ernst es uns damit wirklich ist.

Kleine Fluchten

Bist du nervös vor deinem nächsten wichtigen Meeting?

Bekommst du Stress, wenn du an die nächste Begegnung mit deinem Nachbarn denkst?

Musst du etwas «über dich ergehen lassen», was unausweichlich, aber höchst unangenehm ist?

Es gibt Momente im Leben, wo du einfach gern aus dem Hier und Jetzt flüchten würdest, es physisch aber nicht kannst. Um runterzukommen. Um dich gar nicht erst aufzuregen. Um dich konzentrieren zu können. Um einfach Abstand zu bekommen.

Dann flüchte doch – mental an deinen persönlichen Ruheort.

Es lohnt sich, so einen Ruheort einmal zu definieren. Dazu nimmst du dir ein Blatt Papier, und ein paar Stifte – und ein paar Minuten Zeit für dich.

Wo gab es in deinem Leben mal einen Ort, an dem es dir so richtig gut ging? Schliesse die Augen, atme ein paarmal tief ein und aus – und beame dich nochmals zurück an den Ort. Wie sah er aus? Was hast du dort empfunden? Was hast du gesehen oder beobachtet? Welche Geräusche und Gerüche hast du wahrgenommen? Wie hast du dich bewegt – und was hast du dabei gespürt?

Nimm diese Vorstellung richtig in dir auf, mit allen Sinnen – und geniesse das schöne Gefühl, das bei dieser Erinnerung in dir entsteht. Je intensiver diese Vorstellung ist, desto besser wird es dir immer wieder gelingen, an diesen Ort zurückzukehren.

Dann öffnest du die Augen und zeichnest diesen Ort auf. Egal, du musst nicht gut malen können. Es ist ja nur für dich. So wie mein Ruheort, den ich hier mit dir teile. Durch das Aufmalen intensivierst du das Gefühl, das du mit deinem Ort verbindest.

Du kannst alternativ auch aufschreiben, in Prosa, wie dein Ruheort aussieht. Was du siehst, hörst, riechst, schmeckst, fühlst und empfindest.

Und am Ende, wenn du deine persönliche Ruheoase gemalt oder beschrieben hast, dann finde ein Schlüsselwort, einen Befehl, für dich, mit dem du dich in Zukunft an deinen Ruheort erinnern wirst. Zum Beispiel: Insel, Blumenwiese, Mount Everest.

Dann fehlt nur noch das mentale Training: für die nächste Zeit, mehrmals am Tag sende dir selbst diesen Befehl und gehe mental an deinen Ruheort.

Dann wird es dir auch gelingen, in den Momenten, in denen du gern flüchten würdest, eine kurze, aber intensive Reise zu deinem Ruheort zu machen.

… dies als eine weitere der vielen Möglichkeiten, in der du Vorstellungstraining praktisch nutzen kannst 😉

Entscheidungen mit Kopf und Bauch treffen

Wenn du Menschen fragst, wie sie wichtige #Entscheidungen treffen, dann gibt es ganz verschiedene Antworten. Zum einen sind da die Kopfmenschen. Das sind die, die Entscheidungen nur unter Abwägung aller möglichen Kriterien treffen. Kriterien definieren, priorisieren, und dann die möglichen Lösungen rationell vergleichen. Der Entscheid ist dann jeweils logisch, nachvollziehbar und vernünftig.

Als zweites gibt’s die Bauchmenschen. Sie hören nur auf das, was ihr Gefühl ihnen vorgibt. Oft ist dieses Gefühl nur sehr schwer zu beschreiben. «Irgendwas sagt mir, dass Entscheidung A die richtige ist», «Ich glaube NUR an meinen Bauch» sind typische Aussagen. Gefragt nach Gründen für ihre Wahl, ist es eben das Gefühl, auf das sie schwören. Rationelle Kriterien werden dann um dieses Bauchgefühl herum gebaut.

Und dann gibt es noch die, die wichtigen Entscheidungen aus dem Weg gehen. Einfach nicht entscheiden. Das geht auch. Sie lassen das Leben über sich entscheiden. Nicht zu entscheiden, ist im Grunde auch eine Entscheidung.

Dies soll nicht wertend klingen. Überhaupt nicht. Solange du mit deinem Weg zufrieden bist, ist alles super. Frage ich die Wissenschaft, wie Entscheide am besten getroffen werden (so, dass du sie hinterher nicht bereust), so ist eingängig, dass die Entscheidungs-Verweigerer am schlechtesten davonkommen. Aber auch reine Kopfmenschen oder Bauchmenschen treffen am Ende nicht die besten Entscheide.

Sondern: die besten Entscheide entstehen in der Kombination von rationeller Abwägung und dem bewussten Einbezug des Bauchgefühls.

Aber wie geht das – praktisch?

In der Arbeit mit meinen Kunden nutze ich die Methode der #Visualisierung bzw. #Vorstellungstraining. Nehmen wir mal an, du stehst vor einer wichtigen Entscheidung, zum Beispiel den Job zu wechseln, dich von deinem Partner zu trennen etc. Zuerst kommen die rationellen Kriterien zum Einsatz. Mit diesem Prozess ergibt sich am Ende eine «rationelle» Entscheidung. Der aus «Kopf-Sicht» beste Entscheid.

Nehmen wir an, der neue Job hat gewonnen.

Nun geht es zum Bauch. Schliesse die Augen, atme ein paarmal tief durch. Spule vor in die Zukunft. Stell dir vor, du hast den Job gewechselt. Stell dir vor, es sind seit dem Entscheid einige Wochen oder Monate vergangen. Du stehst morgens auf und gehst zur Arbeit. Wie ist dein Gefühl? Freust du dich darauf, deine neuen Kollegen zu sehen? Freust du dich auf die Aufgaben, die sich dir stellen werden? Mit welchem Gefühl gehst du abends nach Hause? Was für ein Gefühl ist das? Wo spürst du es? Welche Temperatur hat es? Bewegt es sich? Welche Gedanken gehen dir auf dem Weg zur Arbeit durch den Kopf? Wie ist deine Körperhaltung? Steigt der Herzschlag bei dem Gedanken daran? Bleibe für eine Weile in der Zukunft und beobachte, was dein Körper dazu sagt. Mach dies immer wieder, über mehrere Tage verteilt.

Und dann stell dir die Gretchenfrage… wie positiv ist dieses Gefühl? ist da ein Feuer oder wenigstens eine Flamme? Irgendwo in dir, etwas, das dich fasziniert?

Wenn ja, ist der rationelle Entscheid höchstwahrscheinlich auch für den Bauch der richtige. Dann heisst es nur noch: Go for it!

Wenn nein, mache die Visualisierung genauso für die anderen Entscheide. Gibt es keinen Entscheid, der irgendwo eine Flamme entzündet in dir, dann kannst du entweder die rationell richtige Entscheidung verfolgen – denn dein Bauch hat keine Meinung dazu – oder bewusst (jetzt noch) NICHT entscheiden. Dem Bauch ist’s egal.

Wie du Visualisierung für deinen Erfolg nutzen kannst

Um die Jahrtausendwende machte der Dalai Lama eine Reise in die USA. Es war die Zeit, als der Aufstieg der modernen Hirnforschung begann, mit neuen Arten von bildgebenden Verfahren, mit denen man sehen konnte, welche Hirnbereiche bei welchen Gedanken und Körperbewegungen aktiv sind. An einer Universität wollten Hirnforscher ihm stolz ihre Ergebnisse präsentieren. Sie baten dafür einen Studenten, der mit dem Kopf im Hirnscanner lag, einen Finger zu bewegen. Der Dalai Lama konnte auf einem Bildschirm beobachten, wie die Regionen im Hirn aktiv wurden, die für die Steuerung und die Bewegung des Fingers zuständig sind. Aber anstatt, wie alle anderen Besucher vorher, über dieses Phänomen zu staunen, bat er den Studenten, doch nur dran zu DENKEN, dass er seinen Finger bewegte, ohne es zu tun. Und siehe da: dieselben Hirnregionen wie bei der tatsächlichen Ausführung waren dabei aktiv.

Man sagt, dass war die Geburtsstunde der Visualisierung, des Vorstellungstrainings. Aus dem modernen Leistungssport ist es nicht mehr wegzudenken. Sicherlich gab es diese Methode schon vorher, aber seither wurde dieses Phänomen wissenschaftlich immer wieder untermauert. Man fand sogar heraus, dass auch ohne Muskeltraining (z.B. während Verletzungspausen) rein durch die gedankliche Vorstellung, eine bestimmte Muskelgruppe zu trainieren, ein gewisser Muskelaufbau tatsächlich zu verzeichnen ist. Das Vorstellungstraining wurde dadurch zur wichtigsten mentalen Trainingsmethode und findet ausser für die Bewegungstechnik – die übrigens die schwierigste Art des Vorstellungstrainings darstellt – ganz verschiedene Einsatzbereiche

  • Zur Selbstmotivation, z.B. bei Energieabfall
  • Zur langfristigen Zielbestimmung
  • Zur Entspannung und Emotionskontrolle
  • Zur Entwicklung von Wenn-Dann Strategien für unvorhersehbare Situationen

und viele mehr. Im Grunde kann sie für alle in die Zukunft gerichteten wünschenswerten Zustände des «Selbst» eingesetzt werden – und das weit über den Sport hinaus. Um damit jedoch wirklich erfolgreich zu sein, ist ein planvolles Vorgehen und der Einsatz möglichst vieler Sinne angesagt, z.B. kann ich mir vor einem wichtigen Vortrag vorstellen, «ich gehe auf die Bühne, ich sehe das Publikum, ich höre das Murmeln, ich rieche den typischen Geruch des mir bekannten Raums, ich spüre, wie ich das Mikrofon in die Hände nehme, den Blick über die Gesichter schweifen lasse, mich mit beiden Beinen sicher in die Mitte stelle, nochmals einen tiefen Atemzug nehme, den ich bis in den Bauch spüre, bevor ich das Publikum begrüsse mit den Worten:…»

Diese Art des Vorstellungstrainings, in Ruhe im Vorhinein nicht nur im Kopf, sondern auch auf Papier ausgearbeitet, bereitet das Gehirn und den Körper auf die stressige Situation vor. Dies immer wieder im Kopf sowie auch verbal durchgespielt trainiert Körper und Geist, so dass in der Situation dann das System Mensch das vorher einstudierte Szenario nur noch ablaufen lassen muss.

Selbstbewusstsein verbessern: Beginnen sie bei ihren eigenen Werten

Sind sie schon mal auf einem der Social Media Kanäle in einen Shitstorm gelaufen? Vielleicht sogar mit einem eigenen Post, der auf einmal ein ungeahntes Eigenleben entwickelte?

Mir ist das vor einiger Zeit passiert. Nach einem sehr traurigen Ereignis formulierte ich meine Gedanken auf Facebook. Irgendwie und irgendwem kamen sie in den falschen Hals. Da ich meinen Facebook Account nur einmal am Tag anschaue – und ja auch nichts Böses erwartete – war ich zuerst überrascht, und dann dankbar, als mich auf einmal eine Freundin anrief und mir empfahl, doch mal Facebook zu öffnen. Ich wurde ausgebuht mit Hasstiraden. Die Kommentare und Kommentatoren zu meinem Post schienen sich gegenseitig noch anzuspornen. Ich war geschockt und zutiefst getroffen. Zusätzlich bekam ich private Messages und auf einmal auch Whatsapps auf’s Handy. Am liebsten wäre ich im Erdboden versunken und NIE, NIE, NIE mehr aufgetaucht. Ich war – ganz pauschal – in den Augen anderer nichts wert. Wegen eines Satzes!

Schnellstmöglich löschte ich meinen Post und mit ihm alle Kommentare. Zum Glück geht das mittlerweile in Facebook – und so schnell der Sturm über mich hereingebrochen war, beruhigte er sich auch wieder. Der Anruf meiner Freundin und mein schnelles Handeln verhinderte Schlimmeres.

Was war passiert? Im Nachhinein analysierte ich die Situation.

Ich war jemandem, wie man so schön sagt, auf den Schlips getreten. Dafür reicht ein Satz, manchmal nur ein Wort, der von jemandem anderen anders verstanden wird, als man es gemeint hatte. Ich hatte seine oder ihre Wertvorstellungen verletzt. Ungewollt. Die anderen «Hater» sprangen einfach auf den Zug auf. Ob ich auch ihre Werte verletzt hatte oder sie TrittbrettfahrerInnen waren, sei hier egal.

Wir alle wachsen mit Werten auf. Dankbarkeit zum Beispiel: das kleine Kind lernt schon früh, sich für ein Geschenk zum Geburtstag zu bedanken. Oder Rücksichtnahme: einer Hochschwangeren im Tram den eigenen Sitz anzubieten. Persönliche Werte liegen tief in uns vergraben. Wir sammeln sie im Laufe des Lebens. Am Anfang durch unsere Eltern, dann in der Schule, durch unsere Freunde, aber auch durch eigene Erlebnisse. Sie formen und prägen unsere Persönlichkeit. Jede Handlung, die wir vornehmen, jede Antwort, die wir jemandem geben, und jede Meinung, die wir über jemanden anderen haben, ist durch unsere persönlichen Werte bestimmt.

Werden diese selbsteigenen Werte verletzt oder in Frage gestellt, kommt es zu einem Wertekonflikt. Beispielsweise erwartet ihr Vorgesetzter von ihnen, noch eine Nachtschicht einzulegen, weil morgen eine wichtige Präsentation fertig sein muss, aber sie haben ihrem Partner versprochen, heute Abend beim Ausräumen des Kellers für den morgigen Sperrmüll zu helfen. Ist nun ihr Wert: «Pflichtbewusstsein am Arbeitsplatz» oder «Verlässlichkeit in der Partnerschaft» wichtiger?

Nehmen wir einfach mal an, sie entscheiden sich für das Ausräumen des Kellers. Die Reaktion ihres Vorgesetzten hängt wiederum von seinen Werten ab. Steht bei ihm «Toleranz» in der Werteskala oberhalb von «Pflichtbewusstsein am Arbeitsplatz», so wird er ihren Entscheid respektieren, im anderen Falle nicht. Ist er ein schlechter Vorgesetzter – so wie viele Nicht-Vorgesetzte, die sich in Social Media tummeln – so wird er über sie ein Pauschalurteil (z.B. Faul, fehlendes Engagement, unzuverlässig) fällen. Wie sein Urteil ausfällt, darauf haben sie nur sehr wenig Einfluss.

(Anm: ich hätte auch das Beispiel Corona und Impfen nehmen können, habe es aber aus Sorge um einen shitstorm vermieden)

Seine eigene Werteskala zu kennen, ist ein oft brachliegender Schatz – und der Grundbaustein in der Persönlichkeitsentwicklung. Nicht nur für sich selbst und das eigene Selbst»wert»gefühl, sondern auch für die Interaktion mit anderen Menschen. Wer seine eigenen Werte gegenüber den Werten anderen versteht und sich abgrenzen kann, verbessert sein Selbstbewusstsein. Gleichzeitig ist derjenige in der Lage, Wert-Schätzung für andere zu entwickeln. «Selbstwertgefühl», «Wertschätzung»: die Worte implizieren es – das Bewusstsein für Werte: die eigenen und die Werte anderer. Dann ist es einfacher zu akzeptieren, dass andere Menschen gemessen an der eigenen Werteskala auch mal Fehler machen. Aber nicht pauschal («Sie ist faul»), sondern in Bezug auf einen spezifischen Wert.

Das herauszufinden ist allerdings manchmal gar nicht so einfach. Dafür ist eine Portion Neugier auf sich selbst gefragt. Haben sie das? Dann fragen sie sich mal:

  • Was sind meine Werte? MEINE, nicht die meiner Eltern oder meines derzeitigen Umfeldes.
  • Nach welchen Kriterien oder Eigenschaften bewerte ich mich und andere Menschen?
  • Welche Werte sind wichtiger als andere?
  • In welchen Situationen priorisiere ich welche Werte vielleicht unterschiedlich?
  • Wie sieht die Werteanalyse bei ihrem Partner/Chefin/Mitarbeiter aus?

Haben sie Lust auf sich und ihre Werte? Dann hilft ihnen ein guter Coach, sich auf den Weg zu ihrem Selbstwert zu machen. Diesen Weg sind sie sich selbst wert 😉

Wie sie ihre guten Vorsätze auch erreichen

Na, wie steht’s 5 Tage nach Jahresbeginn? Um die guten Vorsätze. Nicht mehr nachts im Kühlschrank an die Schokolade zu gehen? Das Handy für ein paar Stunden am Tag abzuschalten? Dem täglichen Sport? Den regelmässigen Pausen, die du dir sogar im Kalender eingetragen hast?

Es sind ja erst 5 Tage rum, aber ich wette, viele schwächeln schon. Macht euch nichts draus: ihr seid in guter Gesellschaft. Laut statista.de brechen 4 von 5 Menschen irgendwann ihre guten Vorsätze – auch wenn es immerhin 27% schaffen, länger als zwei Monate durchzuhalten.

Bereit für einen kleinen Booster in Sachen: Was kann ich machen, um durchzuhalten?

  1. Realitätscheck: Überprüft doch mal eure guten Vorsätze, ob sie mehr sind als klar und messbar formulierte Ziele. Was ich immer wieder erlebe mit meinen Kund/innen, sind unrealistische Ziele. Gut gemeint für dich selbst ist es sicher, wenn du dir rigoros vornimmst, auf keinen Fall mehr an die Schoggi im Kühlschrank zu gehen oder das Handy tagsüber für 5 Stunden auf Flugmodus zu stellen. Für Schoggiholics ein viel zu hoch gestecktes Ziel. Und derjenige, der bisher mit seinem Handy zusammengewachsen war, wird seinen Entzugserscheinungen wahrscheinlich auch schnell erliegen. Vom Couch Potato, das sich täglichen Sport und mehr Bewegung vornimmt, ganz zu schweigen.

Was wäre also ein realistisches Ziel? Ein kleines, das nicht so weh tut! Für den Schoggiholic könnte es heissen dass er sich nur jeden 2. Tag den Gang zum Kühlschrank erlaubt. Für den Handysüchtigen reichen vielleicht 2x täglich 30 Minuten ohne Handy und das Couch Potato möchte sich vielleicht vornehmen, am Anfang nur abends einmal um den Block zu gehen.

So lange, bis es Routine wird. Du kannst anfangen mit z.B. nur einen Monat durchzuhalten. Hast du das erfolgreich erreichst, kommt die Motivation für die nächste Phase von ganz allein.

  • Gibt’s einen Lustfaktor? Ja. Echt. Du musst Lust haben. Auf die kleinen Erfolge, wenn du deine realistischen Vorsätze erreichst. Auf das gute Gefühl, wenn du es mal wieder geschafft hast, NUR HEUTE der süssen Versuchung widerstanden zu haben. Auf die viele Zeit, die du auf einmal hast, wenn das Handy nicht mehr dauern piepst. Auf das coole Gefühl, wenn frische Luft beim Spazierengehen durch deine Lungen strömt. Dein Körper – und deine Vorstellungskraft, entweder deinen Vorsatz zu erfüllen oder täglich/wöchentlich erfüllt zu haben, muss sich gut anfühlen dabei. In Kombination mit positiven Emotionen und einem guten Körpergefühl besteht echte Erfolgswahrscheinlichkeit.
  • Und wenn es keine Emotionen gibt, du aber trotzdem einen guten Vorsatz hast, z.B. weil der Arzt dir schon lange dringend empfohlen hat, mehr Sport zu treiben?
    Dann – und ich finde das die ultimative Technik, um sich selbst zu motivieren, auch ohne den Lustfaktor – finde einen guten Freund oder Freundin. Gib dieser Person Geld. Möglichst viel, soviel, dass es dir wehtun würde, es nicht wieder zu bekommen.
    Der Deal ist: sie gibt es dir wieder, wenn du deinen Vorsatz erfüllt hast. Ansonsten behält sie es – und nein! ihr gebt es dann nicht gemeinsam aus. Es muss dann echt weg sein für dich. Diese Technik benötigt allerdings Ehrlichkeit deinerseits für Vorsätze, deren Zielerreichung ausserhalb der Kontrolle deiner Freundin liegen. Aber wenn du für diese Technik bereit bist, dann ist dein guter Vorsatz wirklich ernst gemeint.

Ich für meinen Teil gebe zu, den Vorsatz mit der Schoggikonsumreduktion versucht zu haben. Aber ich bin an Punkt 2 gescheitert….