Bedtime Procrastination – der neue Schlafkiller und wie du ihn besiegst

Wann hast du dich das letzte Mal über dich selbst geärgert?

Die meisten Leute, die ich das frage, brauchen nicht lange für eine Antwort. Wir sind uns ja selbst nur zu gern der grösste Kritiker. Die meisten Gedanken über uns selbst sind negativ und davon haben wir täglich viele. Ich ärgere mich täglich, nein, ich muss korrigieren, nächtlich, über mich selbst. In schönster Regelmässigkeit. Jeden Abend, wenn ich ins Bett gehe und – eigentlich – schlafen will, weil ich hundemüde bin, kann ich es einfach nicht lassen, noch meine Social Media Neugier zu befriedigen. Immer nehme ich mir vor: nur 10 Minuten und dann ist Schluss. Aber diese verdammten 10 Minuten halten sich einfach nicht an die Uhr! Einmal Social Media geöffnet, zapp ich mich durch die ganze Welt. Was gibt’s Neues aus meinem Netzwerk? Hat Putin heute endlich einen auf’s Dach gekriegt? Welche neuen Peinlichkeiten gibt’s von Trump? Wie man einen Narzissten besiegt. Die dümmsten Tierunfälle. Sterbehilfe in Kanada. Verbrecherclans in Deutschland. Ein Hochstapler berichtet…

Es ist endlos! Und zack – haben die 10 Minuten eine zusätzliche Null bekommen. Mein gesunder Schlaf mal wieder Schiffbruch vor dem Auslaufen erlitten. Und ich mein nächtliches Selbstärgernis.

Bedtime Procrastination heisst das im Forscherjargon: obwohl man weiss, dass es einem nicht guttut und obwohl es keinen echten Grund geht, wird das zu-Bett-gehen herausgezögert. Und wenn Leute dran forschen, scheint es wohl anderen auch so zu gehen. Immerhin ein Trost, ich bin nicht allein! Und anscheinend ist das mittlerweile auch ein grosses Thema. Bei Studenten heisst es, werden rund 45Minuten, bei Schülern sogar 1,5h des kostbaren Schlafs den Sozialen Medien geopfert. Und bei den älteren? 50% schlafen nur um die 6 Stunden. Das sind zwei weniger als man bräuchte. Krass, wenn jeder doch weiss, dass Schlaf unser grösster Jung- und Gesundbrunnen ist.

Theorien, warum das so ist, gibt’s viele. Die einen sagen, es liegt an fehlender Selbstkontrolle. Die Menschen, die sich schon tagsüber nicht im Griff haben, schaffen es abends auch nicht. Die anderen sagen, wir hätten Angst vor dem Tod und weil wir im Schlaf ja nix mitkriegen, würde sich das anfühlen wie Tod. Und die dritten vermuten, dass wir die Zeit vor dem Einschlafen als die einzig selbstbestimmte Zeit des Tages wahrnehmen, und wir dieses bisschen Freiheit unbewusst auskosten wollen.

Ehrlich gesagt ist es mir eigentlich egal, warum dieses Phänomen mich Abend für Abend einholt. Fakt ist, es hält mich vom Schlafen ab und ich muss endlich was dagegen tun. Aber was?

Hier sind ein paar Tricks, die ich recherchiert hab

  • Erst mal sich selbst fragen, warum es bei dir so ist und dann mit einer Routine gegensteuern
  • Wenn-Dann Routinen entwickeln und sich abends laut bzw. dem Hund oder PartnerIn  mitteilen: «Wenn die Nachrichten/der Krimi etc. vorbei sind, schalte ich den Fernseher ab und gehe ins Bett.
  • Handy, iPad und Co. am Schreibtisch liegen lassen
  • Sich am Tag bewusst Zeit zum Social-Media Daddeln einplanen – dann ist abends das Bedürfnis kleiner
  • Sich einen Wecker stellen zum ins-Bett gehen

So paradox das klingt, aber letzteres scheint mir einfach genug, dass auch ich das hinkriegen sollte. Ich stell mir einfach einen Timer auf 15 Minuten wenn ich ins Bett gehe. Jetzt kombinier ich das noch mit einer Wenn-Dann Regel: Wenn der klingelt, klapp ich das iPad zu und mach das Licht aus.

Kann’s kaum erwarten, das mal auszuprobieren 😊  

Gute Vorsätze – aber richtig!

Wie du deine Vorsätze erreichst

Es ist mal wieder der Tag des Jahres. Der letzte. Morgen ist schon ein Jahr später.

Ok, nicht wirklich, aber morgen ist der 1. Januar und heute Nacht nehmen sich viele von Euch Dinge vor, die ihr bei euch oder in eurem Leben verändern wollt. Nur um spätestens in einem Monat festzustellen, dass ihr noch – oder wieder – genauso weit seid wie heute. Ziemlich frustrierend, gell?

Versuch es dieses Mal mal anders – indem du mit unterschiedlichen Zielen hantierst.

Das erste Ziel ist das, was du erreichen willst. Ein Resultat: Messbar, klar, realistisch, mit einem Datum versehen. So formuliert, als wärst du schon angekommen. Und wichtig: Ohne «würde gern», «möchte», «will», oder negative Formulierung: «nicht», «keine», «ohne» – alles verboten! Gut wäre also zum Beispiel: «am 60. Juni 2023 habe ich mein Zielgewicht von 60kg erreicht» Oder: «Ende des nächsten Semesters habe ich alle Prüfungen bestanden»

Fühlt sich die Vorstellung, dein Ziel bereits erreicht zu haben, gut an? Dann ist gut, dann kannst du weiter machen.

Dieses Resultatziel schreibst, oder noch besser malst, du dir ganz gross auf, hängst es prominent auf und erzählst es möglichst vielen anderen Menschen. Damit committest du dich. Heute, um Mitternacht. Oder morgen, nach dem Kater.

Jetzt fehlen dir aber noch die Handlungsziele. Manchmal heissen die auch Leistungsziele. Leider gehen die oft vergessen – und daher scheitern so viele guten Vorsätze.

So eine Art Ziel sagt, was du heute bzw. jetzt, machst, um dein Resultat auch zu erreichen. Diese Art des Ziels ist ebenfalls klar formuliert, fokussiert aber auf die Handlung, zu der du dich verpflichtest. Es muss machbar sein für dich. Und zeitlich überschaubar. Nicht ein Riesenberg, auf den du raufwillst, sondern nur eine Bodenwelle, absolut bezwingbar. Sonst verlierst du die Motivation – und schon ist’s geschehen.

Was wäre so ein Ziel? Zum Beispiel: «heute gehe ich eine halbe Stunde spazieren», «Vor dem Abendessen lerne ich eine Stunde Mathe»

Dringende Empfehlung: Auch das solltest du morgens aufschreiben. Oder am Abend für den nächsten Tag.

So gehst du dann von Tag zu Tag und Schritt für Schritt durch das Jahr. Jeden Tag ein kleiner Schritt. Und wenn es dir schwerfällt, dein Tages- oder Jetzt-Ziel einzuhalten, versprichst du dir selbst eine Belohnung, wenn du es erreicht hast. So kannst du dich selbst motivieren.

Solltest du dann herausfinden, dass du in einem Monat immer noch da bist, wo du heute warst, dann war dein Vorsatz nicht deiner – sondern nur einer, den dir jemand anders, dein Arzt, die Gesellschaft oder sonst wer, aufgedrückt hat. Solche Vorsätze kannst du dir getrost schenken und stattdessen die Korken ungehemmt knallen lassen.

Frohes neues Jahr allerseits : auf dass eure Träume wahr werden. Ihr habt es in der Hand 😉

Wärme im Herzen

Rückblick als wärmende Ressource

es ist kalt geworden in Europa in diesem Jahr, gefühlt auf der ganzen Welt. Trotz Klimaerwärmung. Trotz ultraheissem Sommer. Die Menschheit scheint, in einem Strudel von Kriegen, Polarisierung, Wetterkatastrophen und negativer Energie unterzugehen. Umso wichtiger, dass wir uns die Wärme in unseren Herzen erhalten und die positiven Erlebnisse sowie fröhlichen Momente des letzten Jahres immer mal wieder hervorholen. Jetzt, in der für viele Menschen ruhigeren Zeit der normalen Hektik, nimmt dir doch mal ein paar Minuten Zeit für drei Fragen:

– Welche waren deine schönen Momente im letzten Jahr?

– Wie hast du es geschafft, in schwierigen Zeiten den Mut nicht zu verlieren oder im richtigen Moment wieder zu finden?

– Wieviel Verständnis hast du für dich selbst aufgebracht? Und wieviel für andere?

Gerade diese letzte Frage ist wichtig – für dich und deine Wärme im Herzen. Wieviel Verständnis hast du für dich selbst aufgebracht? Für deine kleinen und grossen Fehler, Ängste und Sorgen?

Je mehr du Verständnis für dich selbst gezeigt hast, je mehr du erkennst, was du alls schönes machst, kannst und erlebst, desto offener, fröhlicher und verständnisvoller kannst du auch auf andere zugehen und mit den vielen schlimmen Neuigkeiten und Erlebnissen umgehen, die den ganzen Tag auf dich einprasseln. Denn dann kommt Wärme in dein Herz, die du dir selbst erzeugen kannst.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen eine wunderschöne, warme und geruhsame Weihnachtszeit.

Eure Christine

Vom Zwang, sich selbst zu zwingen

Aber ich muss doch!

Aber ich muss doch …!!! Diesen Satz, abwechselnd mit seinem Bruder „Ich kann doch nicht…!!!“ hörte ich erst gestern wieder im Gespräch mit einer Kundin. Sie leidet in ihrem stressigen Job unter einem Vorgesetzten, der sie täglich mit Vorwürfen und Kritik eindeckt. Fühlt sich ausgeliefert und ausgebrannt. Rennt den ganzen Tag von A nach B und kann es doch gefühlt niemandem Recht machen. Sich selbst schon gar nicht.

Falls es dir auch so geht wie meiner Kundin und du dich immer wieder ertappst, diese Sätze laut oder leise vor dich hinzudenken – und sie dich auch nachts nicht schlafen lassen, weil dir der gefühlte Druck den Hals zusammendrückt, dann lies weiter.

Mit dem Satz: Ich muss doch… oder Ich kann doch nicht… gibst du deiner Umgebung bzw. den Umständen implizit die Schuld an deiner Situation. Dem Chef, der Partnerin, den Kunden, deinen Kindern oder Tieren. Weist die Verantwortung von dir.

Dann hast du weder Plan B, noch C, noch D durchgedacht und dich selbst aller Alternativen beraubt. Warum, weisst nur du. Vielleicht aus Verantwortungsbewusstsein, vielleicht aus Erwartungsdruck von dir, deinen Kollegen, Freunden, Familie, vielleicht aus gefühlten finanziellen Zwängen, vielleicht aus Angst vor den Konsequenzen. Aber es ist IMMER ein Entscheid. Genau, wie es ein Entscheid ist, morgens überhaupt aufzustehen, ob du Auto oder Zug zur Arbeit nimmst, mit wem du Kaffee trinken gehst. Der ganze Tag besteht nur aus Entscheiden, grosse und kleine. Das vergessen wir häufig.

Die Freiheit der Entscheidung

Auch wenn es jetzt radikal klingt: das Einzige, was wir müssen, ist sterben.  Alles andere ist dein Entscheid. Wirklich! Egal was das Satzende ist. Extreme Zwangssituationen (z.B. du sitzt im Gefängnis) ausgeschlossen: Aus (fast) JEDER Situation kannst du dich physisch entfernen und etwas anderes machen, als was du denkst du musst.

Bevor du jetzt gleich auf die Barrikade gehst, von wegen so’n Unsinn, lass dich doch mal ein auf ein extremes Gedankenspiel.

Wir, in unserer westlichen, freiheitlich orientierten Welt, haben alle Optionen. Immer. Fast jeder von uns könnte, jetzt nach Corona, jederzeit zum Flughafen oder Bahnhof gehen mit dem Bargeld oder der Kreditkarte, ein Ticket irgendwohin kaufen und verschwinden. Auto und Velo tun es auch. Es gibt Menschen, die tun das. Hört man immer wieder. Fangen irgendwo anders ganz von vorn an. Allein oder mit Partner oder Familie. Ich selbst hab’s vor 30 Jahren gemacht. Gekündigt und nach England gezogen. Mit meinem letzten Geld. Ein Arbeitskollege hat’s vor ein paar Jahren gemacht. Job und Wohnung gekündigt, mit Frau und 2 kleinen Kindern auf ein Boot und um die Welt geschippert. Eine Freundin hat’s grad gemacht: den sicheren Job gekündigt, um wieder die Schulbank zu drücken. Es geht!

Der erste Schritt dahin ist ein kleiner: Ersetze das Wort MUSS mit KANN: Aber ich KANN doch x y z…

Das tönt gleich ganz anders. Damit lädst du dich selbst ein, über Alternativen nachzudenken. Du erlaubst dir, einen bewussten Entscheid FÜR etwas zu treffen und damit die Kontrolle über dein Leben zu behalten, anstatt es dir von aussen aufzwingen zu lassen. Und, es gibt dir gleichzeitig die Freiheit zu überlegen: Was wäre eine Alternative? Wer könnte es sonst machen? Wie könntest du es dir leichter machen? Und passt das, was du gerade noch gedacht hast, zu müssen, überhaupt zu deinen Werten und in dein Lebenskonzept?

Problem oder Herausforderung: Warum der Unterschied so wichtig ist

Wenn ich meine KundInnen beim ersten Gespräch frage, was sie dazu gebracht hat, mich zu kontaktieren, beginnt die Antwort oft mit „Mein Problem ist…“ Das ging mir genauso, als ich das erste Mal bei einem Coach war.

Bei unseren Problemen sind wir Weltmeister, wir kennen sie in- und auswendig. Oft üben wir unsere „Probleme“ so oft, bis wir sie so richtig gut können. Prokrastination zum Beispiel, oder Selbstzweifel, oder Angst. Allein darüber mal mit einer neutralen Person zu sprechen, sich alles von der Seele zu reden, ohne unterbrochen zu werden, ist schon eine Hilfe. Das Ziel in so einem Coaching ist jedoch immer, am Ende einen Weg zu finden, damit umzugehen, d.h. es als Herausforderung zu sehen. Die Situation an sich, im Moment, ändert sich dadurch natürlich nicht, wohl aber die Betrachtungsweise. Lasst uns das doch mal auseinandernehmen.

Was ist denn überhaupt der Unterschied zwischen einem Problem und einer Herausforderung? Ist die Umbenennung eines Problems in „Herausforderung“ nicht einfach nur der erzwungene Blick durch die rosarote Brille?

Nein! Ganz und gar nicht. Allein das Nachdenken über eine Sache als entweder „Problem“ oder als Herausforderung“ beeinflusst, wie wir uns demgegenüber verhalten.

Nimm den einfachen Satz: „Mein Problem ist, dass ich Angst habe, vor anderen Menschen aufzutreten“

Nun formuliere ihn um in eine Herausforderung. Einfach das Wort Problem mit Herausforderung zu ersetzen, macht irgendwie keinen Sinn. Das liest sich komisch: „Meine Herausforderung ist, dass ich Angst habe, vor anderen Menschen aufzutreten“. Häh?
Besser, und irgendwie verständlicher wäre sowas wie: „Meine Herausforderung ist, ohne Angst vor anderen Menschen aufzutreten“. Noch besser: „Meine Herausforderung ist, souverän vor anderen Menschen aufzutreten“.

Was ist passiert auf dem Weg vom Problem zur Herausforderung?

Ganz viel, und das nicht nur im Denkprozess. Frag dich mal, wohin du schaust, wenn du ein Problem formulierst. Im Gegensatz: wohin schaust du, wenn du eine Herausforderung formulierst? Und wie ist deine Körperhaltung? Was passiert mit deinen Emotionen?

Ich wette, dir geht es ähnlich wie meinen KundInnen: Bei einem „Problem“ geht der Blick zum Boden, der Körper duckt sich, wie, um dem Problem auszuweichen. Die Schultern fallen, die Körperspannung lässt nach, die Atmung wird flacher, Stress entsteht. Das System „Mensch“ bremst seine Aktivität. Es entsteht ein Gefühl der Hilflosigkeit. Denn – das Wort „Problem“ beschreibt immer einen Zustand, der in der Vergangenheit begonnen hat und es sich im Jetzt gemütlich gemacht hat. Ein Problem ist immer passiv! Von allein bewegt es sich nicht.

Herausforderungen aktivieren, Probleme deprimieren…

Im Gegensatz dazu steht die Herausforderung: Allein das Wort ist aktivierend. Es fordert heraus, Dich aus deiner Komfortzone. Du beginnst dich zu bewegen. Wo schaust du hin bei einer Herausforderung? Nach vorn, nach oben. Wie ist deine Körperhaltung? Genau, eher aufgerichtet mit Körperspannung, der Brustkorb ermöglicht tiefe Atmung. Das Hirn wird mit Sauerstoff versorgt und schon ist klares Denken möglich.

Allein der Versuch, ein Problem in eine positiv formulierte Herausforderung umzuformulieren, generiert automatisch die Suche nach möglichen Lösungswegen. Damit ist eine Herausforderung immer zukunfts– und lösungsorientiert und generiert Hoffnung anstatt Hilflosigkeit

Also: das nächste Mal, wenn du vor einem Problem stehst, richte dich auf, blicke nach oben in die Ferne, und formuliere es in eine positive Herausforderung um. Selbst wenn du noch keine Lösung hast, so wirst du dich schon ein kleines bisschen besser fühlen, hast du doch die Zukunft schon begonnen zu gestalten.

Vier Strategien für den Umgang mit Schwerkraftproblemen

Der Krieg in der Ukraine – Furchtbar! Der Lehrplan deines Studiums, der Personalabbau deiner Firma – komplett unrealistisch! Nachbarn, die über dich reden – skandalös!.

Diese oder ähnliche Probleme ziehen uns runter. Bereiten schlechte Laune, ein schlechtes Gefühl, Angst und Sorgen. Sie lähmen, sie frustrieren, du fühlst dich machtlos. Warum? Weil sie ausserhalb deines Einflussbereichs liegen. Sie sind von anderen oder von aussen gemacht und drängen dich in eine Opferrolle.

Ich nenne sie Schwerkraftprobleme. Um die soll es hier gehen: Probleme von aussen, von dir nicht zu ändern. So wie die Feder auf dem Foto trotz ihrer Leichtigkeit doch am Ende auf dem Boden landet, so bremsen dich Schwerkraftprobleme in deiner Lebensfreude, Motivation und Energie aus.

Findest du dich gerade mit solchen Schwerkraftproblemen konfrontiert, kommen gut gemeinte Ratschläge wie: lass dich doch davon nicht runterziehen! Du kannst es ja sowieso nicht ändern! Find dich einfach damit ab! usw. So gut diese Ratschläge gemeint sind, wirklich hilfreich sind sie nicht. Oder?

Wie also besser damit klarkommen?

Willst du Opfer sein?                                 

Die erste Frage, die es sich zu stellen gilt, ist, ob du das Opfer sein willst, das sich lähmen lassen will. Wenn ja, dann brauchst du nicht weiterlesen. Damit gibst du der Aussenwelt die Gewalt über dein Gefühlsleben. Dann leck weiter deine Wunden und leide. Bleib unglücklich und frustriert über die anderen oder die ach-so-böse Welt.

Wenn deine Antwort aber ein klares NEIN ist, dann gibt es verschiedene Strategien, sich mit dem Problem zu befassen. Für dich zwar unlösbar, so gibst du dem Problem aber keine Macht mehr über dich!

Vier Strategien

1.   Wie kannst du deine Situation verbessern?

Bei dieser ersten Strategie geht es darum, dass du dich mit dem Problem und deiner Situation „arrangierst“. Der unveränderliche Lehrplan zum Beispiel. Der Krieg in der Ukraine. Der drohende Jobverlust. Je nach Problem können das unendlich viele Lösungsansätze sein, damit du dich mit dem Problem „arrangierst“. Innere Abgrenzung, Jobwechsel, bessere Planung, Entwicklung von Wenn-Dann Szenarien, Spenden an Hilfsorganisationen. So individuell du und dein Problem, so individuell deine Bewältigungsstrategie. Hauptsache, deine Gefühlswelt verbessert sich.

2.   Was kann ich daraus lernen?

Auch bei dieser Frage richtest du deinen Fokus in die Zukunft und suchst für dich etwas Positives, das du mitnehmen kannst. Ein Lernerlebnis, über das du dich freust, dem du sogar DANKE sagst. Vielleicht kannst du entscheiden, dass du zukünftig dem Problem aus dem Weg gehen wirst. Eine absolut legitime Strategie wäre z.B. zu sagen: „für eine Vorgesetzte, die keine Menschen führen kann, arbeite ich in Zukunft nicht mehr!“. Oder du entwickelst einen Plan dafür, wie du das nächste Mal anders als bisher (re-)agieren wirst, wenn das Problem wieder auftritt.

4 Strategien für den Umgang mit Schwerkraftproblemen

3.   Was ist gut an dem Problem?

Diese dritte Strategie bringt dich dazu, nicht nur von deiner, sondern auch von einer anderen Seite auf das Problem zu schauen. Meine Mutter hat immer gesagt: „Nichts ist so schlimm, dass es nicht für irgendetwas gut ist“ Ich habe mir bei allen meinen Problemen im Leben diese Frage gestellt. Mein Fazit: es gibt wirklich sehr sehr wenige Probleme, die wirklich gar nichts Gutes an sich haben, weder für mich noch für andere.

4.   Mach einen Seitenwechsel

Die letzte Strategie geht noch etwas weiter, indem du noch mehr Neugier für das Problem entwickelst. Wie ist es zustande gekommen? Wer ist daran beteiligt? Wie stehen die beteiligten Akteure dazu. Wenn es sich z.B. um einen Konflikt auf der Arbeit handelt: wer trägt was dazu bei? Wie gross ist dein eigener Anteil daran?
Durch diese Art der Analyse fällt es dir dann leichter, Verständnis zu entwickeln und so für dich selbst loszulassen. Es ist durchaus möglich, dass du feststellst, dass dein Problem gar nichts mit dir persönlich zu tun hat, sondern eigentlich jemandem anderen gehört. Damit fällt es dir leichter, mit der sich für dich daraus ergebenden Situation klarzukommen und eine der vorherigen Strategien anzuwenden.

Bei all diesen Wegen geht es nicht darum, das Schwerkraftproblem zu beseitigen, aber was sie bewirken: du wirst leichter. Wie die Feder, die nur etwas Wind braucht,  um der Schwerkraft zu widerstehen. Das schöne ist: diesen Wind kannst du selbst generieren.

Falls du herausfindest, dass du selbst einen Einfluss auf die Lösung des Problems hast, dann warte auf meinen nächsten Post: da schreibe ich darüber, was es dir persönlich bringt, aus einem Problemen eine Herausforderung zu machen.

Wie viele schlechte Gefühle lauern auf dich zu Hause?

So richtig schön ist’s nur zu Hause. Sagt man ja so. Gemütlich machen. Geniessen. Seele baumeln lassen. Aber ist es das? Wirklich?

Bei mir zu Hause lauert viel Negatives, wenn ich so genau darüber nachdenke. Auf meinen Nachttisch zum Beispiel liegt das Buch über die neuesten Erkenntnisse der Menschenführung, das ich schon so lange lesen wollte und das mich auch EHRLICH interessiert – aber jeden Abend, wenn ich ins Bett gehe, lasse ich es dann doch liegen und befasse mich stattdessen lieber in Facebook mit grösstenteils nutzlosem Zeug. Und denke immer, wenn ich es sehe: ich wollte – und sollte – doch endlich mal dieses Buch lesen…

Oder die Küche: Der Schalter vom Heisswasserkocher ist schon lange defekt. Man muss ihn jedes Mal erst davon überzeugen, dass heute ein guter Tag ist, dass das Erhitzen von Wasser seine Kernaufgabe ist und dass ihm das auch nicht wehtut, bis er sich nach langem Überreden dann bequemt, seinen Dienst zu verrichten. Schon lange wollte ich ihn ersetzen. Ebenso, wenn ich die Schränke aufmache, starren mich diese Weingläser an, die ganz oben stehen: hat mir meine Mutter mal geschenkt. Vor 30 Jahren. Hab ich nie benutzt, aber auch nie entsorgt. Könnte ich ja doch mal irgendwann brauchen. In der Zukunft. Hat sie mir schliesslich geschenkt. Muss ich doch behalten.

So geht es weiter durch meine Wohnung: auf dem Schreibtisch liegt noch die Weihnachtskarte meines alten irischen Freundes, die ich hatte ausführlich beantworten wollen. Jetzt ist bald schon wieder Weihnachten. Sie wartet noch immer. An der Pinwand hängt das Bild eines norwegischen Fjordes, wo ich immer schon hinwollte… im Wohnzimmer liegt der Stapel alter Zeitungen, die ich eigentlich hatte entsorgen wollen, aber erst muss ich noch schauen, ob sie nicht interessante Artikel enthalten, die sich lohnen aufzubewahren.

Der Kleiderschrank: ein Sammelsurium von FÜHL-DICH-SCHLECHT Befehlen wie z.B. die Hose, die mir schon seit 10 Jahren nicht mehr passt. Da hab ich mich erfolgreich rausgefressen, aber vielleicht passe ich da ja irgendwann wieder rein…

Der Badezimmerschrank, in dem mich täglich hämisch die Anti-Falten-Creme angrinst, die meine Schwiegermutter mir mal geschenkt hat. Ich? Falten? So’n Quatsch!!! Brauch ich doch nicht!!! Oder?

Und so geht es weiter auf der Reise der schlechten Gefühle durch meine Wohnung.

Muss das so sein? Eigentlich doch nicht, oder? Ist das bei euch auch so?

Warum also nicht Schluss machen mit diesen Gute-Laune-Fressern?

Ich hab’s gemacht.

  • Das Buch steht im Bücherregal bei den gelesenen Büchern. Mein Nachttisch ist leer. Facebook here I come! Warum denn nicht?
  • Der Wasserkocher wartet auf seinen Nachfolger. Hat mich 10 Minuten bei Galaxus.ch gekostet. Ich freue mich richtig auf die Post  –  und auf die Genugtuung, ihm endlich den Todesstoss zu versetzen und ihn für all die vielen Frustmomente zu bestrafen, die er mir beschert hat
  • Das norwegische Fjord, die alte Weihnachtskarte, die ungenutzten Weingläser, die alten Klamotten: Futter fürs Recycling. Neue Aufgaben warten auf euch.
  • Ungenutzte Kosmetika, alte Medikamente und sonstiges, das mich an die Vergänglichkeit und Trostlosigkeit meines Lebens hinweisen könnten: und Tschüss!

Und siehe da! es tat gar nicht weh und ging auch megaschnell. Und auf einmal sind diese schlechten Gefühle weg:

Das Gefühl des Stecken-Geblieben-Seins in Dingen, dich ich angefangen, aber nie zu Ende gebracht habe

Das Gefühl des IchSollteDoch und IchWollteNoch von selbstauferlegten Aufgaben, die mich runterziehen, aber nie wichtig genug sind, wirklich erledigt zu werden

Das Gefühl des BinIchDick, BinIchAlt und BinIchKrank aus Kleiderschrank und Badezimmer

An ihre Stelle sind getreten: Freude am Jetzt. Das Gefühl von Freiheit. Leichtigkeit. Akzeptanz des IchBinHaltIch. Durchatmen und Lächeln – was tut das gut!

Stoizismus – aktueller denn je!

Als ich noch als Unternehmensberaterin arbeitete, hatte ich einmal ein Projekt in Holland. Von den verschiedenen Standorten in Europa flog unser Team jeden Montag nach Amsterdam. Einen Morgen hatte es sehr stürmische Winde im Anflug auf den Flughafen. Das Flugzeug wurde nur so in der Luft herumgewirbelt. Ich hatte einen Fensterplatz und sah die Landebahn mir wie auf einer Achterbahn entgegenkommen, während meine Eingeweide völlig unkoordiniert Samba tanzten. Selten hatte ich solche panische Angst bei einer Flugzeuglandung.

Im Büro war das natürlich dann ein Thema. Den anderen war es ähnlich gegangen wie mir. Mit einer Ausnahme. Einer der Manager war völlig relaxed und erzählte, wie er während der Landung einen hochinteressanten Artikel über modernstes Datenbankdesign gelesen hatte. Seine Haltung war stoisch: «ändern kann ich an der Situation nichts, aber es kommt alles sicher gut. Bis zu meinem letzten Atemzug lerne ich weiter.» Ich war schwer beeindruckt, das gebe ich unumwunden zu.

Der Typus des Stoikers ist seit über 2000 Jahren bekannt. Heute hat der Begriff einen etwas angestaubten und negativen Unterton. Wer sich aber mal auch nur ansatzweise damit befasst, findet heraus, dass echte Stoiker unglaublich glückliche Menschen sind. Wie mein Kollege damals. Für Stoiker ist ein halbvolles Glas nicht nur schon ziemlich voll, sondern sie freuen sich daran, dass sie überhaupt ein Glas vor sich stehen haben, dass Glas überhaupt erfunden wurde und für welche anderen Dinge es sonst noch nützlich ist.

Ihre grundsätzliche Lebenseinstellung ist, dass es Dinge gibt, die kontrollier- und beeinflussbar sind und andere, die sich unserer Kontrolle und unseres Einflusses entziehen. Letztere sind es nicht wert, dass man sich darüber aufregt. So kann ich zwar kontrollieren, wie lange ich meine Spaghetti koche, aber ob mein Chef heute schlechte Laune hat, die Katze aus der Nachbarschaft wieder meinen Garten zum Klo umfunktioniert, oder ich beim Arzt einmal mehr warten muss, das ist ausserhalb meines Einflussbereichs. Der Fokus des Stoikers liegt auf der Wertschätzung von dem, was da ist und dem, was in seinem Einflussbereich liegt. Dazu ist der Stoiker ein sehr selbst-reflektierter Mensch, der seine Handlungen stetig hinterfragt und misst an den 4 Eigenschaften:

  • Mut: die Herausforderungen des Lebens anpacken, anstatt davon zu laufen
  • Mässigung: kleine Schritte gehen und dabei Emotionen kontrollieren
  • Weisheit: sich permanent weiterbilden und selbst reflektieren
  • Gerechtigkeit: für sich und sein Umfeld ein bestmögliches Leben anhand der eigenen Werte schaffen

Der Stoiker lebt das, was man neudeutsch als Achtsamkeit bezeichnet, nämlich den Moment erleben und schätzen. Und eine weitere Überlegung des Stoikers möchte ich auch noch mit euch teilen: er stellt sich regelmässig vor, das jeweils schlimmstmögliche Szenario wäre bereits eingetreten – und freut sich dann, dass das nicht passiert.

Irgendwie schräg – aber bewundernswert. Diese Lehre ist zwar uralt, aber auch in der heutigen Zeit aktueller und relevanter denn je. Nur mit viel Stoizismus ist heute den furchtbaren Ereignissen auf der Welt beizukommen.

Das muss ich selbst öfters mal ausprobieren. Ich glaube allerdings nicht, dass ich je ein richtiger Stoiker werde. Aber mein alter Manager bleibt mein Vorbild.