Angst? Rede mit ihr!

Nicht nur beim Reiten gibt es immer mal wieder Situationen, die uns Angst machen. Es betrifft nicht alle, aber viele. Bestimmt die Hälfte meiner Reit-Coaching Kunden kommen mit dem Thema zu mir. Die Angst runter zu fallen, die Angst, sich zu verletzen, die Angst sogar vor der Angst. Aber auch sonst im Leben – praktisch jeder kennt sie.

Angst zu haben ist, zugegebenermassen, ein schreckliches Gefühl. Angst generiert nicht nur physische Reaktionen wie Schwitzen, Herzrasen, Zittern, trockenen Mund, sie macht uns auch negative Gedanken. Es gibt viele mentale Techniken, um sich bei einem akuten Angstschub selbst zu regulieren. Mal abgesehen von den bekannten Atemtechniken gibt es auch noch andere Möglichkeiten, der Angst Herr zu werden. Für die Kopfmenschen unter uns: probiert mal mit der Angst zu reden.

Angst ist wie eine andere Person in unserem Kopf. Sie hat eine ganz bestimmte Aufgabe, nämlich uns vor Ungemach zu schützen, z.B. vor Verletzungen, vor Peinlichkeiten, vor sozialer Ablehnung. Unser Hirn ist so verdrahtet, dass dieses Angstzentrum unglaublich schnell ist, viel schneller als unser rationaler Verstand. Der kann immer nur auf die Angst RE-agieren, also nachdem sie sich schon auf den Fahrersitz des Maserati gesetzt hat und voll auf dem Gaspedal steht. Sie macht uns dann auch negative Gedanken wie: «das klappt nicht», «ich kann das nicht», «ich lande im Spital» usw.

Hier kannst du ansetzen, indem du mit der Angst redest. Auch mit Amokfahrern kann man vom Beifahrersitz aus das Gespräch suchen. Behandle sie wie eine eigenständige Person. Frag sie, was sie beschäftigt, wovor sie dich schützen will. Sie hat garantiert eine Antwort! Lass sie einfach mal in dir reden – und wertschätze sie. Ja, sag ihr, dass sie eine wichtige Funktion hat, in dem sie dich beschützen will. Sag ihr, dass die somatischen Reaktionen wie Zittern und trockener Mund super sind, denn sie bereiten dich auf eine Leistung vor, die du erbringen möchtest. Und dann – gehe auf ihre Argumente ein. Vermeide das Wort NICHT dabei! Ganz wichtig! Zeige auf, was geht, was du alles kannst, wieviel du trainiert oder gelernt hast für die Situation, die dir Angst macht. Was deine Stärken sind, was du tun wirst, um die Situation zu meistern.

Noch besser ist, dies im Vorfeld zu trainieren. Wenn du weisst, eine Situation macht dir Angst, dann sprich mit der Angst – in Ruhe, lang bevor es soweit ist. Lass sie aktiv hochkommen, spüre sie sich in deinem Kopf und Körper entfalten. Dann schreib ihre Gedanken auf – und fahre fort damit, auch die Gegenargumente aufzuschreiben. Bis euch beiden nichts mehr einfällt. Das Aufschreiben ist eine physische Befreiung. Dabei fliesst oft ein Teil der Angst aus dem Kopf auf’s Papier.

Wenn es dann soweit ist, du bist als nächste dran und du merkst, wie sie sich in deinem Kopf und deinem Körper wieder breit macht, dann sagst du ihr: Liebe Angst, ich verstehe, dass du mich beschützen willst. Wir haben gestern Abend ausgiebig darüber gesprochen. Ich habe dir versichert, dass ich alle Fähigkeiten habe, die es braucht. Wir sprechen heute Abend wieder drüber, wenn alles vorbei ist. Aber im Moment konzentriere ich mich auf […]. Du weisst so gut wie ich: Das kommt gut, wir können das! Und du hilfst mir jetzt!

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