Wie du Visualisierung für deinen Erfolg nutzen kannst

Um die Jahrtausendwende machte der Dalai Lama eine Reise in die USA. Es war die Zeit, als der Aufstieg der modernen Hirnforschung begann, mit neuen Arten von bildgebenden Verfahren, mit denen man sehen konnte, welche Hirnbereiche bei welchen Gedanken und Körperbewegungen aktiv sind. An einer Universität wollten Hirnforscher ihm stolz ihre Ergebnisse präsentieren. Sie baten dafür einen Studenten, der mit dem Kopf im Hirnscanner lag, einen Finger zu bewegen. Der Dalai Lama konnte auf einem Bildschirm beobachten, wie die Regionen im Hirn aktiv wurden, die für die Steuerung und die Bewegung des Fingers zuständig sind. Aber anstatt, wie alle anderen Besucher vorher, über dieses Phänomen zu staunen, bat er den Studenten, doch nur dran zu DENKEN, dass er seinen Finger bewegte, ohne es zu tun. Und siehe da: dieselben Hirnregionen wie bei der tatsächlichen Ausführung waren dabei aktiv.

Man sagt, dass war die Geburtsstunde der Visualisierung, des Vorstellungstrainings. Aus dem modernen Leistungssport ist es nicht mehr wegzudenken. Sicherlich gab es diese Methode schon vorher, aber seither wurde dieses Phänomen wissenschaftlich immer wieder untermauert. Man fand sogar heraus, dass auch ohne Muskeltraining (z.B. während Verletzungspausen) rein durch die gedankliche Vorstellung, eine bestimmte Muskelgruppe zu trainieren, ein gewisser Muskelaufbau tatsächlich zu verzeichnen ist. Das Vorstellungstraining wurde dadurch zur wichtigsten mentalen Trainingsmethode und findet ausser für die Bewegungstechnik – die übrigens die schwierigste Art des Vorstellungstrainings darstellt – ganz verschiedene Einsatzbereiche

  • Zur Selbstmotivation, z.B. bei Energieabfall
  • Zur langfristigen Zielbestimmung
  • Zur Entspannung und Emotionskontrolle
  • Zur Entwicklung von Wenn-Dann Strategien für unvorhersehbare Situationen

und viele mehr. Im Grunde kann sie für alle in die Zukunft gerichteten wünschenswerten Zustände des «Selbst» eingesetzt werden – und das weit über den Sport hinaus. Um damit jedoch wirklich erfolgreich zu sein, ist ein planvolles Vorgehen und der Einsatz möglichst vieler Sinne angesagt, z.B. kann ich mir vor einem wichtigen Vortrag vorstellen, «ich gehe auf die Bühne, ich sehe das Publikum, ich höre das Murmeln, ich rieche den typischen Geruch des mir bekannten Raums, ich spüre, wie ich das Mikrofon in die Hände nehme, den Blick über die Gesichter schweifen lasse, mich mit beiden Beinen sicher in die Mitte stelle, nochmals einen tiefen Atemzug nehme, den ich bis in den Bauch spüre, bevor ich das Publikum begrüsse mit den Worten:…»

Diese Art des Vorstellungstrainings, in Ruhe im Vorhinein nicht nur im Kopf, sondern auch auf Papier ausgearbeitet, bereitet das Gehirn und den Körper auf die stressige Situation vor. Dies immer wieder im Kopf sowie auch verbal durchgespielt trainiert Körper und Geist, so dass in der Situation dann das System Mensch das vorher einstudierte Szenario nur noch ablaufen lassen muss.

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