Leben oder gelebt werden

Bis 30 ist das Leben toll. Alles kommt irgendwann zum ersten Mal. Der erste Freund, der erste Job, die erste Beförderung, vielleicht auch schon das erste Kind. Dann geht´s vielleicht noch ein paar Jahre weiter bergauf im Job und im Leben. Ja, und dann?

Spätestens mit 40 haben so ziemlich alle ihre „ersten Male“ erlebt – und werden gemütlich. Wir bauen uns unsere Komfortzonen. Da fühlen wir uns wohl. Wir nisten uns ein, werden immer risikoaverser, beginnen uns immer mehr zu fürchten, jemand könnte uns was streitig machen oder wegnehmen – und leben vor uns hin, warten…. Ja auf was? Auf was eigentlich?

Spätestens ab 50 warten viele auf ihren Ruhestand. Sind gefangen in einem Job, der sie nicht mehr ausfüllt, täglich stresst, aber trauen sich nicht, etwas zu ändern – aus Angst, Status, Geld, Sicherheit zu verlieren. Und werden damit zu Insassen ihrer selbstgebauten Käfige. Wie oft habe ich diese Aussage von Arbeitskollegen gehört: „Bis zur Pensionierung muss ich noch durchhalten“ – zu oft zum Zählen. Gerade in grossen Firmen ist das ein Thema.

Was ist das für eine Aussage?! Welche Hoffnungslosigkeit, welche Resignation steckt darin?

Es ist doch nie zu spät, etwas Neues anzufangen. Ja, ja, ich weiss, Finanzen und so. Aber ehrlich gesagt: wieviel Geld, wieviel Platz und wieviel Kram braucht der Mensch zum Leben? Glück – und das haben viele Forschungen gezeigt, kommt von innen.

Die moderne Hirnforschung hat es in den letzten Jahren immer wieder bestätigt: die menschliche Persönlichkeit, unser Hirn und unser Körper, entwickeln sich lebenslang. Ob wir es wollen oder nicht. Wenn du dieses Potentialnicht nutzt, lässt du dich leben. Von aussen. Oder du kannst entscheiden, auch mit ein paar grauen Haaren noch mit offenen Augen durch die Welt zu laufen. Es ist praktisch nie zu spät, etwas zum ersten Mal zu tun.

Warum wählen dann so viele Menschen die Option, stehen zu bleiben, wenn die Zeit der „ersten Male“ doch erst dann vorbei ist, wenn wir das selbst entscheiden?

Ich hab keine Antwort darauf – die hat jeder selbst, der entschieden hat, stehen zu bleiben. Aber jeder, den es auch nur in einer Abteilung seines Lebens juckt, doch mal wieder dieses fantastische Gefühl des „ersten Mals“ zu bekommen, der wird sich hinterher zufrieden und glücklich fühlen, denn er hat vielleicht nur einen kleinen Schritt aus seiner Komfortzone gewagt, aber einen grossen in Richtung Lebensglück. Das fühlt sich einfach irre an! Und wer weiss, vielleicht ist es der erste Schritt zu einer langfristigen Veränderung.

Auch grosse Veränderungen beginnen praktisch immer mit kleinen Schritten. Die Richtung wechseln ist dabei jederzeit möglich.

Ein schönes Sprichwort sagt: Die beste Methode, die Zukunft zu vorauszusagen, ist sie selbst zu erfinden.

Du kannst klein anfangen. Jeden Tag dein „erstes Mal“ erfinden: Einen Waldspaziergang machen. Einen anderen Weg zur Arbeit nehmen. Eine neue Teesorte ausprobieren. Barfuss auf der Wiese laufen. An der Haltestelle stehen und jemand anderen anlächeln.

Schon allein dadurch bewegt sich dein Blick nach vorn, in die Zukunft, beim Gedanken, was du heute einfach mal anders oder neu machst. Du wirst staunen, was sich daraus ergibt 😊

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