Fremdgehen ist erlaubt…

Nein, hier geht es nicht um Sex! Sorry. Fremdgehen kann man auch in anderen Lebenslagen, und da ist es durchaus erwünscht.


In der Arbeit mit Menschen habe ich immer wieder Kunden, die sich weiterentwickeln möchten. Also zum Beispiel aus ihrem bisherigen Leben ausbrechen, etwas ganz anderes machen. Nehmen wir das hypothetische Beispiel von Maria. Sie ist eine gestandene Frau, Mutter, Führungskraft. Das Leben hat sich so entwickelt, dass sie alles hat, was man so braucht. Aber es ging irgendwie von allein. Schon früh hat sie ihren Mann kennengelernt. Nach der Ausbildung zur Bürokauffrau wurde sie von ihrem Unternehmen übernommen. Sie stieg kontinuierlich ins Management auf. Die Kinder sind mittlerweile kurz vor der Lehre bzw. der Uni. Sie ist gesund und hat einen grossen Freundeskreis. Und obwohl sie eigentlich alles hat, ist sie unglücklich. Sie würde gern etwas ändern, weiss aber nicht, was und schon gar nicht wie.


Im ersten Coaching-Gespräch finden wir heraus, dass sie Mühe hat, eigene Entscheidungen zu treffen. Sie überlässt das Entscheiden gern anderen und stellt ihre eigenen Bedürfnisse zurück, primär aus Furcht vor Ablehnung. Als Führungskraft ist sie dadurch beliebt, denn sie zieht immer ihre Mitarbeiter in die Entscheidungsprozesse mit ein. Aber sie wird auch kritisiert, dass es teilweise sehr lang dauert, bis endlich mal etwas entschieden wird.


Als langfristiger Stern an Maria’s Horizont steht der Wunsch nach beruflicher Veränderung. Wir lassen diesen Wunsch so stehen und nehmen uns im ersten Schritt vor, ihre Entscheidungsfähigkeit und ihre Bereitschaft, selbst aktiv Entscheidungen zu treffen, zu adressieren. Bezogen auf ihr langfristiges Ziel möchte sie lernen, in ihrem beruflichen Umfeld Entscheidungen schneller zu treffen. So hofft sie, längerfristig den Mut zu bekommen, wirklich etwas Grösseres zu verändern.


Hier ist es, wo das Fremdgehen einsetzt. Maria nimmt als Hausaufgabe mit, jeden Tag aufzuschreiben, welche Entscheidungen sie an dem Tag selbst getroffen hat, welche sie anderen überlassen hat, und welche sie am nächsten Tag selbst treffen möchte. Zuerst, in dem sie «Fremdgeht». Das heisst, es geht im ersten Schritt nicht um Entscheidungen bei der Arbeit, sondern im privaten Umfeld.


Als sie drei Wochen später ins nächste Coaching kommt, ist sie wie verwandelt. Während sie sich die erste Woche an die Hausaufgaben gehalten hat, fand sie heraus, dass sie unendlich viele kleine Entscheidungen im Laufe des Tages trifft, OHNE jemanden zu konsultieren. Wann sie das Haus verlässt, was es abends zu Essen gibt, wer mit dem Hund Gassi gehen soll. Das allein gab ihr so viel Mut, dass sie ihr Entscheidungstagebuch schon in der zweiten Woche auf die Arbeit ausweitete. Und auch hier fand sie heraus, wie viele kleine Entscheide sie selbst täglich trifft.


Maria hat nun den ersten Schritt gemacht. Und so beginnt auch der Zweite wieder mit Fremdgehen. Während der Coaching-Session identifiziert sie Entscheide in ihrem Privatleben, die sie in den nächsten Wochen aktiver selbst in die Hand nehmen möchte. Ihr Entscheidungstagebuch wird sie weiterführen. So macht sie im Laufe der Zeit grosse Fortschritte, immer indem sie zuerst ausserhalb der Arbeit «Fremdgeht». Sie wird kontinuierlich selbstbewusster und durchsetzungsfähiger. Ihre Körperhaltung verändert sich von Mal zu Mal. Parallel dazu beginnt sie, Ideen zu generieren, was sie in ihrem Leben alles ändern könnte. Jetzt, da sie sich mehr und mehr zutraut, für sich selbst zu entscheiden, wird sie ihren Stern am Horizont irgendwann finden und auch erreichen. Meine Unterstützung ist ihr dabei sicher.

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