Sag auch mal Nein

In der heutigen Welt rennt jeder nur noch seinem Terminkalender hinterher. Zwischen den bereits eingeplanten Terminen versuchen wir hektisch, noch weitere – ungeplante – Dinge hineinzupressen. Der Kollege, der «mal eben» noch einen Ratschlag benötigt, der Mitarbeiter, der ein privates Problem «kurz» besprechen möchte, die Kaffeemaschine, die ersetzt werden muss oder die Email, die reinkam und dringend auf Beantwortung wartet. Irgendwie schaffen wir dann alles – oder auch nicht – bis wir entweder völlig erschöpft, oder noch immer mit Kopfkino – spätabends ins Bett fallen. Derjenige, der definitiv immer zu kurz kommt, sind wir selbst, während wir versuchen, es allen anderen Recht zu machen.

Warum fällt es uns nur so schwer, einfach mal Nein zu sagen? Es lohnt sich wirklich, darüber mal nachzudenken. Jedes Mal, wenn wir Ja zu etwas sagen, das Zeit und Aufmerksamkeit von uns verlangt, laden wir uns eine weitere Aufgabe auf in der Angst, jemandem anderen nicht zu genügen.

Jedoch, der, dem wir nicht gerecht werden, sind wir selber.

Was aber passiert, wenn wir auf einmal Nein sagen? Beobachte, wie ein Nein einer anderen Person auf dich wirkt. Nimm mal an, du fragst deine Kollegin, ob sie dir heute Abend noch mit der Präsentation hilft, die du bis morgen fertig haben musst. Deine Kollegin, die dir sonst immer bereitwillig ausgeholfen hat, antwortet dir freundlich, aber bestimmt, dass sie heute Abend einen alten Studienkollegen trifft, der zufällig in der Stadt ist und deshalb unabkömmlich ist. Sicherlich wirst du Verständnis dafür haben. Und sicherlich wirst du das respektieren. Das Nein deiner Kollegin erzeugt bei dir Respekt. Vor ihr. Dass sie klare Prioritäten hat und du dieses Mal nicht ganz oben stehst.

Genau dasselbe passiert auch, wenn Du mal Nein zu anderen sagst. Du schaffst dir dadurch Respekt. Vor dir und deinen Prioritäten. Beim nächsten Mal, wenn jemand versucht, dir eine weitere Aufgabe aufzuladen, wissend dass du klare Prioritäten hast, wird er sich überlegen, ob er dich fragt. Oder vielleicht jemanden anderen. Und das wär doch mal was.

Dein Kopfkino wird um eine Szene kürzer. Bingo!

Ändere deine Perspektive: Verspätung ist geschenkte Zeit

Im Rahmen eines Projekts musste ich vor Jahren mal eine ganze Serie von Workshops leiten. In jedem der Workshops waren ca 15 Teilnehmer. Natürlich war ich immer schon zeitig im Raum zum Vorbereiten um pünktlich mit allen zu beginnen.

Jedoch – was passierte regelmässig? – es dauerte immer mindestens 10-15 Minuten, bis endlich alle da waren. Ich regte mich innerlich auf über so viel Unzuverlässigkeit. An einem von diesen Morgen, als ich mit einer den pünktlich erscheinenden Teilnehmern auf die anderen wartete, äusserte ich meine Frustration. Ihre Antwort war philosophisch. Sie sagte: Christine, nimm es als geschenkte Zeit. Für dich. Eine kleine Auszeit des Tages. Die anderen schenken sie dir, indem sie zu spät kommen.

Sie hatte Recht. Seither geniesse ich diese kleinen Geschenke als Zeit für mich. Zum Nachdenken, zum Moment geniessen, zum kleinen Schwatz mit jemand anderem. Das entspannt und erfrischt für das, was dann kommt.