Denke NICHT an die gelbe Zitrone!

Du möchtest etwas verändern in deinem Leben? Dann ersetz die gelbe Zitrone durch etwas beliebig anderes: die letzten Ferien, Klimaerwärmung, einen rosa Elefanten. Und werde dir bewusst: Der Befehl bleibt unmöglich auszuführen. Sobald ich jemanden bitte, an ETWAS NICHT zu denken, ist es unvermeidbar, genau an das ETWAS zu denken.

Unser Gehirn kann das Wort NICHT nicht ignorieren, bzw. es unterscheidet nicht zwischen dem positiven Aufruf («denke an den rosa Elefanten») und seinem negativen Pendant, genau daran nicht zu denken. Als kleine Geschwister von NICHT gibt es da u.a. noch OHNE, KEINE, FREI VON, WENIGER VON ETWAS, nur werden sie etwas seltener gebraucht. Aber auch bei denen gilt dasselbe Prinzip.

So kommt es, dass man sich fragen muss, warum wir denn diese Worte so oft verwenden, wenn sie in unserem Hirn genau das Gegenteil bewirken.

Wenn neue Kunden zu mir ins Coaching kommen und ich sie frage, was sie denn erreichen möchten durch meine Begleitung, so sind die meisten Antworten, dass sie etwas NICHT mehr wollen: keine Angst mehr haben, nicht mehr so ungeduldig sein, nicht mehr so viel Stress haben. Habt ihr schon mal versucht, gute Vorsätze im Leben ohne NICHT, OHNE, KEINE zu formulieren? Viel Spass! Das geht nur, wenn man sich ganz, ganz doll konzentriert und mehrfach neu beginnt.

Und da haben wir auch schon die Erklärung, warum wir das Wort NICHT so oft benutzen: es ist soooo viel einfacher, auszudrücken, was wir NICHT wollen, aber soooo viel schwerer, zu sagen, was wir wollen. Denn was wir nicht wollen, wissen wir ganz konkret. Wir können es uns vorstellen, weil wir es kennen. Aber was wir wollen, ETWAS ANDERES, kann ganz, ganz viel sein. Zwischen den vielen Optionen muss man erst mal Klarheit schaffen – und das ist sehr schwer und kostet meistens viel Zeit und eine grosse Portion grauer Zellen.

Aber wenn du etwas verändern möchtest in deinem Leben, ist ein erster Anfang, sich dieser «unmöglichen» Worte spasseshalber mal zu entledigen und das ETWAS-ANDERE so auszuformulieren, dass du es dann auch vor dem geistigen Auge hast. Das können durchaus auch Optionen sein, oder nur erste diffuse Formen am Horizont. Alles besser als NICHT MEHR […].

Erst dann kannst du deine Ziele auch erreichen, denn dann beginnst du, sie zu entwerfen, zu designen, zu kreieren. Das macht Lust auf mehr. Ein positiver Kreislauf beginnt. Und dann wirst du beginnen zu verstehen, was du willst.

Viel Erfolg!

Sag auch mal Nein

In der heutigen Welt rennt jeder nur noch seinem Terminkalender hinterher. Zwischen den bereits eingeplanten Terminen versuchen wir hektisch, noch weitere – ungeplante – Dinge hineinzupressen. Der Kollege, der «mal eben» noch einen Ratschlag benötigt, der Mitarbeiter, der ein privates Problem «kurz» besprechen möchte, die Kaffeemaschine, die ersetzt werden muss oder die Email, die reinkam und dringend auf Beantwortung wartet. Irgendwie schaffen wir dann alles – oder auch nicht – bis wir entweder völlig erschöpft, oder noch immer mit Kopfkino – spätabends ins Bett fallen. Derjenige, der definitiv immer zu kurz kommt, sind wir selbst, während wir versuchen, es allen anderen Recht zu machen.

Warum fällt es uns nur so schwer, einfach mal Nein zu sagen? Es lohnt sich wirklich, darüber mal nachzudenken. Jedes Mal, wenn wir Ja zu etwas sagen, das Zeit und Aufmerksamkeit von uns verlangt, laden wir uns eine weitere Aufgabe auf in der Angst, jemandem anderen nicht zu genügen.

Jedoch, der, dem wir nicht gerecht werden, sind wir selber.

Was aber passiert, wenn wir auf einmal Nein sagen? Beobachte, wie ein Nein einer anderen Person auf dich wirkt. Nimm mal an, du fragst deine Kollegin, ob sie dir heute Abend noch mit der Präsentation hilft, die du bis morgen fertig haben musst. Deine Kollegin, die dir sonst immer bereitwillig ausgeholfen hat, antwortet dir freundlich, aber bestimmt, dass sie heute Abend einen alten Studienkollegen trifft, der zufällig in der Stadt ist und deshalb unabkömmlich ist. Sicherlich wirst du Verständnis dafür haben. Und sicherlich wirst du das respektieren. Das Nein deiner Kollegin erzeugt bei dir Respekt. Vor ihr. Dass sie klare Prioritäten hat und du dieses Mal nicht ganz oben stehst.

Genau dasselbe passiert auch, wenn Du mal Nein zu anderen sagst. Du schaffst dir dadurch Respekt. Vor dir und deinen Prioritäten. Beim nächsten Mal, wenn jemand versucht, dir eine weitere Aufgabe aufzuladen, wissend dass du klare Prioritäten hast, wird er sich überlegen, ob er dich fragt. Oder vielleicht jemanden anderen. Und das wär doch mal was.

Dein Kopfkino wird um eine Szene kürzer. Bingo!

Ändere deine Perspektive: Verspätung ist geschenkte Zeit

Im Rahmen eines Projekts musste ich vor Jahren mal eine ganze Serie von Workshops leiten. In jedem der Workshops waren ca 15 Teilnehmer. Natürlich war ich immer schon zeitig im Raum zum Vorbereiten um pünktlich mit allen zu beginnen.

Jedoch – was passierte regelmässig? – es dauerte immer mindestens 10-15 Minuten, bis endlich alle da waren. Ich regte mich innerlich auf über so viel Unzuverlässigkeit. An einem von diesen Morgen, als ich mit einer den pünktlich erscheinenden Teilnehmern auf die anderen wartete, äusserte ich meine Frustration. Ihre Antwort war philosophisch. Sie sagte: Christine, nimm es als geschenkte Zeit. Für dich. Eine kleine Auszeit des Tages. Die anderen schenken sie dir, indem sie zu spät kommen.

Sie hatte Recht. Seither geniesse ich diese kleinen Geschenke als Zeit für mich. Zum Nachdenken, zum Moment geniessen, zum kleinen Schwatz mit jemand anderem. Das entspannt und erfrischt für das, was dann kommt.